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Recht Online-Dating: große Liebe oder Abzocke?

Partnervermittlungsagenturen im Internet versprechen die große Liebe. Doch Vorsicht: In den Kontaktbörsen tummeln sich auch Betrüger, die es auf Ihr Geld abgesehen haben. Und auch die Betreiber der Dating-Portale versuchen häufig, den Kunden mit diversen Tricks das Geld aus der Tasche zu ziehen. Tipps von Rechtsanwalt Markus Saller, wie Sie sich vor Abzocke und Betrug bei beim Online-Dating schützen können.

Stand: 30.11.2020

Computermäuse und Herz | Bild: picture-alliance/dpa/Janus

Partnervermittlungsagenturen und Singlebörsen im Internet versprechen die große Liebe und erfreuen sich gerade in Zeiten von Corona großer Beliebtheit, da viele andere Möglichkeiten, einen Partner kennenzulernen, derzeit wegfallen: Fitnessstudios, Restaurants und Bars sind geschlossen, es finden keine privaten Partys statt.
Viele Singles finden tatsächlich über Dating-Portale ihren Traumpartner. Aber nicht wenige werden bei der Partnersuche im Netz lediglich um viel Geld betrogen, denn unter den vermeintlichen Bekanntschaften gibt es nicht selten Betrüger, die die Einsamkeit und die Hoffnung auf eine neue Liebe schamlos ausnutzen, um unseriöse Geschäfte zu machen. Auch die Betreiber von Online-Dating-Portalen versuchen immer wieder mit Tricks, den Kunden Geld aus der Tasche zu ziehen.
Rechtsanwalt Markus Saller gibt Tipps, wie Sie Betrüger erkennen und sich vor Abzocke schützen können.

Unterschied Singlebörse - Partnervermittlung

In Singlebörsen suchen Sie selbst nach Personen, die Ihnen gefallen und kontaktieren diese.

Bei Partnervermittlungsagenturen müssen Sie zunächst einen Persönlichkeitstest machen. Dann werden Ihnen potenzielle Partner mittels psychologisch ermittelter Matches vorgeschlagen.

Tricks der Partnervermittlungsagenturen

Im Gegensatz zu Singlebörsen bieten Partneragenturen in der Regel nur Abo-Modelle an. Häufig ist das Probeabo kostenlos. In dieser Zeit stehen Ihnen jedoch meist nicht alle Funktionen zur Verfügung. So können Sie z. B. keine anderen Nutzer kontaktieren oder auf Anfragen antworten.

Achtung:

Kündigen Sie ein Probeabo nicht, wird daraus in der Regel eine langfristige, teure (Premium-) Mitgliedschaft.

Viele Portale setzen Animateure ein, die u. a. Nutzer zu kostenpflichtigen Aktionen verleiten sollen. Den Kunden ist in der Regel nicht bewusst, dass es sich dabei nicht um andere Nutzer, also potenzielle Partner, sondern um Mitarbeiter des Portals handelt.
Bei vielen Partnervermittlungsagenturen sind die im Vertrag enthaltenen Nachrichten begrenzt. Schreiben Sie viel mit Animateuren, ist diese Obergrenze schnell erreicht und Sie müssen mehr bezahlen, wenn Sie weitere Nachrichten versenden möchten.
Zudem werben Partneragenturen mit garantierten Kontakten. Kontakte mit Animateuren fallen ebenso darunter, auch wenn sich daraus keine Beziehung entwickeln kann.

Der Einsatz von Animateuren ist rechtlich zulässig, da diese Dienste in der Regel in den AGB aufgeführt sind. Sie erkennen das z. B. an folgenden Formulierungen:

Einsatz von

  • moderierten Diensten
  • Moderatoren
  • Operatoren
  • Controllern
  • CUsern
  • fiktiven Profilen

Verträge mit Partneragenturen     

Falls Sie sich dafür entscheiden, sich bei einer Partneragentur anzumelden, sollten Sie folgendes beachten:

  • AGB: Lesen Sie unbedingt sorgfältig das Kleingedruckte. Achten Sie darauf, ob Animateure eingesetzt werden und beachten Sie die teils tückischen Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen.
  • Impressum: Kontrollieren Sie, ob es sich um ein Unternehmen mit Sitz in der EU handelt. Ist der Unternehmenssitz nicht in der EU, ist es oft schwierig, rechtlich gegen die Firma vorzugehen.
  • Bezahlmöglichkeiten: Bezahlen Sie Vermittlungsgebühren nie mit Blankoüberweisungen oder Bargeldtransfers (Western Union).

Datenschutz

Achten Sie darauf, dass Ihre Daten per HTTPS verschlüsselt übertragen und in Europa verarbeitet und gespeichert werden.
Stellen Sie sicher, dass Ihre Daten nur für das Portal verwendet werden, für das Sie sich angemeldet haben. In manchen AGB wird das Recht eingeräumt, Kundendaten auf anderen eigenen oder fremden Portalen zu verwenden. Dann kann es passieren, dass Ihr Profil beispielsweise auf einem Erotik- oder Seitensprung-Portal auftaucht.

Lockvögel auf Online-Portalen

Lockvögel (Spammer) versuchen, Kunden abzuwerben. Sie haben normale Profile und nehmen mit Ihnen auf einer seriösen Dating-Plattform Kontakt auf. Dort werden Sie gebeten, zu einer anderen Singlebörse zu wechseln. Angebliche Gründe können beispielsweise sein, dass Ihre Bekanntschaft dort öfter online ist, oder, dass sie im aktuellen Portal technische Probleme hat. Der Haken daran ist, dass Sie beispielsweise eine teure Aufnahmegebühr oder hohe Monatsbeiträge bezahlen müssen. Haben Sie auf das vorgeschlagene Portal gewechselt, hören Sie von dem Lockvogel nie wieder etwas, müssen aber weiterhin die Gebühr bezahlen.

Manche Lockvögel wollen ihr Opfer auch dazu bringen, über eine teure Telefonnummer zu telefonieren. Teure Bezahlnummern sind nicht immer auf Anhieb als solche erkennbar. Gleiches gilt für das Schreiben von SMS. Auch wenn Sie eine SMS an eine Nummer senden, die wie eine normale Handynummer wirkt, kann es sein, dass es für Sie teuer wird.
Tipp: Achten Sie bei einer Unterhaltung per SMS unbedingt darauf, dass sich im Laufe der Kommunikation nicht die Nummer ändert und damit teurer wird. Wenn Sie immer nur auf Antworten klicken, kann das leicht passieren.

Heiratsschwindler auf Dating-Portalen

Die Masche der Heiratsschwindler funktioniert so, dass Sie von einer sympathischen, attraktiven Person kontaktiert werden. Mit dieser schreiben Sie wochen-, monate-, manchmal sogar jahrelang und/oder telefonieren regelmäßig. Häufig werden sogar schon Hochzeitspläne geschmiedet. In der Regel lebt die Bekanntschaft im Ausland. Kurz vor dem geplanten Treffen werden Sie um dringende finanzielle Hilfe z. B. für das Flugticket oder Ausreisevisum gebeten, am besten über einen Bargeldtransfer mit Western Union. Die Gründe für den finanziellen Engpass sind z. B. ausstehende Lohnzahlungen, ein Autounfall oder offene Krankenhausrechnungen. Überweisen Sie das Geld, hören Sie nie wieder etwas von Ihrem vermeintlichen Partner.

  • Überweisen Sie keinen Cent an Personen, die Sie noch nie gesehen haben.
  • Überweisen Sie vor allem kein Geld über Western Union, denn das Geld kann im Ausland bar abgehoben werden und Sie können es nicht zurückholen.
  • Sind Sie auf einen Heiratsschwindler aus dem Ausland reingefallen, können Sie bei der Polizei eine Strafanzeige stellen. Leider wird aber meist das Verfahren eingestellt, ohne dass der Betrüger gefasst wird.
  • Achtung: Leiten Sie auch niemals Pakete für Ihre Online-Bekanntschaft weiter: Es kann sich dabei um gestohlene Ware handeln und Sie machen sich schlimmstenfalls sogar strafbar, wenn Sie sich an der Weiterleitung beteiligen.

Erpressung auf Dating-Portalen

Immer wieder kommt es auch vor, dass Kriminelle ihre Opfer erpressen, indem sie z. B. drohen, intime Fotos oder Videos zu veröffentlichten, die arglose Opfer ihnen geschickt haben.

Widerruf von Verträgen mit Partnervermittlungsagenturen oder Singlebörsen

Online-Verträge können innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden, am besten per Einschreiben.

Viele Agenturen lassen sich im Falle eines Widerrufes die bereits erbrachten Leistungen bezahlen (Wertersatz). Das konnte in der Vergangenheit teuer werden. So mussten Kunden für die Nutzung eines Portals für wenige Tage auch schon mal ein paar hundert Euro bezahlen.
Im Oktober hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass das nicht zulässig ist. Partneragenturen können den Wertersatz nur anteilig verlangen.

Beispiel:
Jahresabo:                                                     438 Euro
Anteilige Kosten pro Tag:                              1,20 Euro
Wertersatz bei Widerruf nach 4 Tagen:        4,80 Euro

Ausnahme: Ist im Vertrag explizit vereinbart, dass bestimmte Leistungen bereits bei Vertragsbeginn vollständig erbracht werden oder gesondert bezahlt werden müssen, z. B. die Erstellung des Profils mittels Persönlichkeitstest.

Kündigung

Bei Partnervermittlungsagenturen und Singlebörsen gelten unterschiedliche Kündigungsfristen.

Mitgliedschaften bei Singlebörsen können zum Vertragsende gekündigt werden.

Verträge mit Partnervermittlungsagenturen können nach § 627 BGB jederzeit fristlos gekündigt werden, auch dann, wenn dieses Kündigungsrecht in den AGB ausgeschlossen wurde.  

Tipp

Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass Ihre Daten nach Vertragsende gelöscht wurden.

Fazit

Onlinedating ist eine gute Möglichkeit, einen Partner zu finden, wenn Sie sich die AGB sorgfältig durchlesen und sich immer bewusst sind, dass sich auf den Portalen auch Betrüger tummeln. Gut ist es auch, möglichst bald ein reelles Treffen zu vereinbaren.

Aber: Treffen Sie sich auch jetzt, in Zeiten von Corona, wenn Bars, Cafés und Restaurants geschlossen sind, nicht sofort bei Ihrer Online-Bekanntschaft zu Hause, sondern machen Sie z. B. gemeinsam einen Spaziergang an einem Ort, an dem auch andere Menschen sind.


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