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Geld Negativzinsen bei Banken und Sparkassen

Vor Kurzem hat die Europäische Zentralbank den Einlagenzins für Banken von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Was bedeuten diese Negativzinsen für Kunden von Banken und Sparkassen? Müssen Anleger und Sparer fürchten, bald flächendeckend Strafzinsen zu zahlen? Hintergrundinformationen von Finanzexperte Sebastian Hanisch.

Stand: 24.09.2019

Negativzinsen bei Banken und Sparkassen | Bild: colourbox.com

Negativzinsen bei der Europäischen Zentralbank (EZB)

Seit Juni 2014 müssen Banken auf überschüssiges Geld, das sie bei der Europäischen Zentralbank anlegen, Minuszinsen zahlen. Die Kreditinstitute sollen mit diesen Negativzinsen dazu gebracht werden, überschüssiges Geld nicht zu horten, sondern in Form von Krediten in den Markt zu pumpen und so die Wirtschaft anzukurbeln. Am 12. Oktober 2019 hat die EZB nun die Einlagenzinsen für Kreditinstitute erneut gesenkt: von Minus 0,4 auf Minus 0,5 Prozent.

Strafzinsen für Privatkunden

Die Negativzinsen bei der EZB belasten die Banken finanziell. Zwar geben die meisten Kreditinstitute diese noch nicht generell in Form von Minuszinsen auf Geldanlagen an Privatkunden weiter. Viele Banken verlangen allerdings höhere Gebühren als früher. Einige Banken verlangen einen Negativzins bzw. ein "Verwahrentgelt" für Kunden mit hohen Einlagen, also etwa ab 100.000 Euro. Dass Negativzinsen Kleinsparer auf breiter Front treffen, ist jedoch auf absehbare Zeit eher fraglich. Der Grund:

  • Die Bundesregierung prüft derzeit ein gesetzliches Verbot von Minuszinsen für Kleinsparer auf Einlagen unter 100.000 Euro.
  • Zudem existieren bereits Gerichtsurteile, die besagen, dass bei bestehenden Verträgen im Nachhinein keine Strafzinsen verlangt werden dürfen.

Anders sieht es bei Firmenkunden und anderen institutionellen Anlegern aus. Hier verlangen schon jetzt etliche Kreditinstitute Strafzinsen.

So können Sie sich gegen Negativzinsen wehren

  • Wechseln Sie das Kreditinstitut, wenn Ihre Bank Negativzinsen bzw. ein Verwahrentgelt einführt. Es gibt immer noch Banken, v. a. Onlinebanken, die günstige oder sogar kostenlose Giro- und Tagesgeldkonten anbieten. Banken sind dazu verpflichtet, Sie beim Kontowechsel zu unterstützen, damit etwa Daueraufträge automatisch vom neuen Kreditinstitut ausgeführt werden.
  • Lassen Sie nicht zu viel Geld auf Giro- oder Tagesgeldkonten liegen. Vergleichen Sie, ob Sie bei einer anderen Bank etwa auf einem Festgeldkonto zumindest niedrige Zinsen bekommen. Achten Sie dabei aber unbedingt auf die Einlagensicherung. Wollen Sie Ihr Geld anlegen, könnten Sie etwa in breitgestreute Fonds investieren. Tun Sie das aber nur, wenn Sie das Geld für einen längeren Zeitraum anlegen wollen.

Positive Effekte der niedrigen Zinsen

Kreditnehmer profitieren von den niedrigen Zinsen. Besonders Immobilienfinanzierungen sind derzeit extrem günstig. Bei einer Immobilienfinanzierung lohnt es sich daher, bei Vertragsabschluss die niedrigen Hypothekenzinsen langfristig zu sichern, idealerweise bis zum Ende der Tilgung. Beachten Sie aber auch: Besonders in Ballungsgebieten sind die Immobilienpreise auch wegen der niedrigen Zinsen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die hohen Preise fressen den Vorteil der niedrigen Zinsen dann oft komplett auf.

Manche Kreditvergleichsportale werben derzeit sogar mit Negativzinsen bei Verbraucherkrediten. Das heißt, Sie zahlen weniger Geld zurück, als Sie aufgenommen haben. Solche Negativzinsen bekommen aber meist nur Kunden mit sehr hoher Bonität. Die Kreditsumme ist dabei oft auch vergleichsweise niedrig - etwa 1.000 Euro.


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