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Zahnmedizin Welche Zahnpasta ist die richtige?

Sie brauchen eine Zahnpasta und stehen überfordert vor einem überfüllten Regal? Kein Wunder, schließlich ist das Zahncreme-Sortiment in Discountern, Drogeriemärkten und Apotheken groß. Und reicht überhaupt eine Universalzahnpasta aus oder sollte es doch besser die eine für sensible oder die andere für weiße Zähne sein? Tipps von Zahnarzt Dr. Dietmar Hellebrand.

Stand: 07.05.2019

Zahnpasta auf Zahnbürste | Bild: picture-alliance/dpa

Welche Zahnpasta ist empfehlenswert?

Die gängigen Zahnpasten, die in Discountern, Drogeriemärkten oder Apotheken erhältlich sind, sind fast alle empfehlenswert. Achten Sie darauf, dass die Zahnpasta Fluorid enthält, da dieser Inhaltsstoff der einzige ist, der zuverlässig gegen Karies vorbeugt. Fluoride lagern sich in den Zahnschmelz ein, härten ihn und schützen so vor Bakterien und Säuren. Diese und andere Prozesse tragen wesentlich zur Gesundheit der Zähne, des Zahnfleisches sowie der gesamten Mundflora bei. Eine Zahnpasta für Erwachsene sollte einen Fluoridgehalt von 1.000 ppm (1 g pro kg) haben.

Sind Fluoride aber nicht schädlich?

Fluoride werden in einigen Publikationen zwar als giftig und krebserregend bezeichnet, in der geringen Menge, wie sie in einer Zahnpasta enthalten sind, schaden sie allerdings nicht der Gesundheit. Das haben wissenschaftliche Studien bestätigt.

Für das Magazin "Öko Test" (3/2019) wurden 400 Zahnpasta-Produkte getestet. Mit erschreckendem Ergebnis: Nur gut ein Drittel schneidet bei diesem Test mit "sehr gut" oder "gut" ab. Das Hauptproblem: In 85 der getesteten Produkte für Erwachsene (davon sind 51 Naturkosmetik-Produkte) ist kein oder zu wenig Fluorid enthalten. Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt jedoch Fluoride in Zahnpasten, da sie eine besondere Rolle bei der Vorbeugung von Karies spielen und die körpereigenen Abwehrmechanismen bei Karies fördern.

Vorsicht ist allerdings bei Kleinkindern geboten! Beim Zähneputzen schlucken sie gerne mal etwas runter, weshalb Kinder bis 4 Jahre spezielle Kleinkind-Zahnpasten verwenden sollten. Sie enthalten weniger Fluoride.

Bedeutet teuer auch gleich gut?

Nein, das bedeutet es nicht! Untersuchungen von Öko Test und Stiftung Warentest haben gezeigt, dass die günstigen Zahnpasten in der Regel ähnlich oder genauso gut abschneiden wie teure Produkte. Dennoch können manche teurere Zahnpasten im Einzelfall hilfreich sein, etwa, wenn Allergien oder Unverträglichkeiten auf einzelne Inhaltsstoffe wie z. B. Natriumlaurylsulfat (SLS, Tensid, waschaktive Substanz) bekannt sind.

Wann sollte man eine spezielle Zahnpasta verwenden?

Bei Anfälligkeit für Karies: Hier gibt es Gelees, die besonders viel Fluorid (ca. 0,5%) enthalten. In der Regel sollte dies jeder mindestens einmal pro Woche in einem speziellen Träger direkt auf den Zähnen (Schiene, die mit Fluorid-Substanz gefüllt wird) oder mit der Zahnbürste anwenden. Besonderen Karies-Risikopatienten ist dies auch täglich zu empfehlen, ebenso Patienten über 70 Jahre.

Bei schmerzempfindlichen Zähnen: Auf kalte Luft, heiße Getränke oder etwas Saures reagieren manche Menschen mit einem unangenehmen Ziehen an den Zähnen. Für sie sind spezielle Zahnpasten für empfindliche Zähne empfehlenswert. Bei Schmerzen sollten Sie sich aber unbedingt von einem Zahnarzt untersuchen lassen.

Bei Anfälligkeit für Zahnstein: Gründliches Zähneputzen und die zusätzliche Reinigung mit Zahnseide und -bürstchen sind die beste Vorsorge gegen Zahnstein. Unterstützen können Sie die Prophylaxe mit speziellen Zinkverbindungen in der Zahnpasta. Hat sich Zahnstein am Schmelz festgesetzt, kann er nur bei einer professionellen Zahnreinigung beim Zahnarzt entfernt werden, die in der Regel zweimal pro Jahr sinnvoll ist.

Bei Zahnfleischbluten: Gegen Zahnfleischbluten helfen Zahngels mit Chlorhexidindigluconat (CHX), das desinfizierend wirkt. Da Zahnfleischbluten aber oft ein Anzeichen für eine Parodontitis ist, sollten Sie dies unbedingt von einem Zahnarzt untersuchen lassen.

Worauf sollte man also ganz allgemein beim Kauf einer Zahnpasta achten?

  • Kaufen Sie eine fluoridhaltige Zahnpasta.
  • Achten Sie bei Naturkosmetik-Zahnpasta genau auf die Inhaltsstoffe, da sie oftmals kein Fluorid enthalten und somit keinen wirksamen Kariesschutz bieten.
  • Kaufen Sie keine Zahnpasta mit dem Zusatzstoff Natriumlaurylsulfat, das oft als SLS (engl. Sodium Lauryl Sulfate) oder SDS (engl. Sodium Dodecyl Sulphate) deklariert wird. Das ist ein Tensid, das als allergieauslösend und hautreizend gilt. Der sich dadurch bildende Schaum soll Essensreste sowie Zahnbelag besser wegspülen.
  • Falls Sie für Ihre Kinder eine fluoridfreie Kinderzahnpasta kaufen, sollten Sie ihnen zusätzlich Fluorid geben.
  • Vom Kauf einer Zahnpasta für weißere Zähne ist in der Regel abzuraten, da sie häufig zu viele Problemstoffe enthält. Zudem bleibt meist der erhoffte Aufhell-Effekt aus. Da tut es eine herkömmliche Zahnpasta genauso.

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