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Ernährung So vermeiden, erkennen und behandeln Sie Mangelernährung

Mangelernährung (Malnutrition) gehört zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen im Alter. Circa 1,6 Millionen der über 60-Jährigen in Deutschland leiden unter chronischer Mangelernährung. Fast zwei Drittel der Bewohner in stationären Einrichtungen der Altenpflege sind von Mangelernährung betroffen oder gefährdet.

Stand: 04.01.2019

Gesunde Ernährung bei Bluthochdruck: Gemüse | Bild: Colourbox

Was versteht man unter Mangelernährung im Alter?

  • Bislang gibt es im internationalen Sprachgebrauch keine einheitliche Definition des Begriffs Mangelernährung. Oft werden verschiedene Begriffe wie z. B. Mangelernährung, Malnutrition, Fehl- und Unterernährung synonym oder überschneidend verwendet.
  • Grundsätzlich wird unter Mangelernährung ein Zustand des Mangels an Energie, Protein und/oder anderen Nährstoffen verstanden, der mit messbaren Veränderungen von Körperfunktionen verbunden ist, ungünstige gesundheitliche Folgen mit sich bringt und durch Ernährungstherapie reversibel ist.

Achtung

Auch übergewichtige Personen können mangelernährt sein! Ein auffälliger Gewichtsverlust ist daher trotz eines hohen Körpergewichts ernst zu nehmen. Sie benötigen dann ebenso eine ernährungstherapeutische Behandlung wie normal-/untergewichtige Menschen. Wird die Mangelernährung nicht behandelt, steigt das Sterblichkeitsrisiko.

Man unterscheidet

  • generelle Mangelernährung: Mangel an Energie und sämtlichen Nährstoffen, da die Ernährung insgesamt unzureichend ist; anderer Begriff: quantitative Mangelernährung
  • spezifische Mangelernährung: Mangel an einzelnen Nährstoffen; kann sich auf einen einzelnen Nährstoff beschränken oder mehrere Nährstoffe gleichzeitig betreffen (z. B. Vitamin-D-Mangel); anderer Begriff: qualitative Mangelernährung

Wie äußert sich eine Mangelernährung?

An verschiedenen Anzeichen können Betreuungspersonen einen Gewichtsverlust bzw. eine Mangelernährung erkennen. Werden diese beobachtet, sollte immer der Hausarzt informiert werden, um den Gewichtsverlust bzw. die Mangelernährung medizinisch abzuklären und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können.

Anzeichen für Gewichtsverlust / Mangelernährung

  • weiter werdende Kleidung, locker sitzender Schmuck
  • der Gürtel muss enger geschnallt werden
  • verminderter Appetit
  • eingefallene Wangen
  • schlaffe Hautfalten an Rücken, Bauch und Armen
  • dünne Oberarme und Beine
  • hervorstehende Rippen- und Schulterknochen
  • Entzündungen im Lippen-Mund-Bereich (bei Vitamin-B-, Eisen- und Proteinmangel)
  • Hautblutungen (bei Vitamin-A- und Vitamin-C-Mangel)
  • Hautblässe (bei Eisen-, Folsäure-, Vitamin-B12-Mangel oder Anämie)
  • Wundheilungsstörungen (bei Vitamin-C-, Protein- oder Zinkmangel)

Wichtig: Betreuungspersonen können durch sensible Beobachtung beim gemeinsamen Essen und aktives, feinfühliges Nachfragen dabei helfen, Ernährungsprobleme aufzudecken. Oft kann auch ein Blick in den Kühlschrank beim Aufdecken einer defizitären Ernährungsversorgung helfen.

Welche Folgen hat eine chronische Mangelernährung?

Die gesundheitlichen Folgen einer Mangelernährung sind zahlreich und beeinträchtigen Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Bei älteren Menschen wirken sich aufgrund geringerer Reserven und eingeschränkter Funktionalität bereits wenige Tage ohne ausreichende Ernährung spürbar auf den Ernährungs- und Allgemeinzustand aus. Sie erreichen dadurch wesentlich schneller einen kritischen Zustand als jüngere Erwachsene.

Allgemeine Folgen, die schon bei kurzzeitigen Defiziten in der Energie- und Nährstoffzufuhr auftreten können

  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Schwäche
  • Konzentrationsprobleme

Nicht selten werden diese Symptome als "typische Alterserscheinungen" fehlinterpretiert.

Bei anhaltender Unterversorgung greift der Körper auf seine Reserven zurück. Es folgt Gewichtsverlust, wobei nicht nur das Fettgewebe, sondern vor allem auch die fettfreie Masse, d. h. Muskel- und Organmasse abgebaut wird. Daher macht sich Mangelernährung früher oder später durch Funktionsverluste in allen Organen bemerkbar.

Weitere Folgen der Mangelernährung

  • Immunsystem: erhöhte Infektanfälligkeit, -schwere und -dauer
  • Haut: schlechtere Wundheilung, erhöhtes Dekubitus-Risiko ("Wundliegen")
  • Skelettmuskulatur: reduzierte Muskelkraft, Schwäche, erhöhtes Sturz-/ Frakturrisiko, zunehmende Gebrechlichkeit
  • Magen-Darm-Trakt: Nährstoffe können schlechter aufgenommen werden (Abnahme der Resorptionsrate), Schwund (Atrophie) der Darmschleimhaut
  • Herz: verringertes Schlagvolumen, Herzrhythmusstörungen
  • Lunge: geschwächte Atemmuskulatur

Achten Sie im Alter auf eine gute Versorgung dieser Nährstoffe

Im Alter verlangsamt sich der Stoffwechsel, die Muskelmasse nimmt ab, während die Fettmasse zunimmt. Diese physiologischen Veränderungen werden häufig von einer geringeren körperlichen Aktivität des Seniors begleitet. Als Folge sinkt der Energiebedarf, während der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen gleichbleibt oder sogar ansteigt (z. B. Vitamin D). Deshalb muss das Essen weniger Energie, aber gleich viele oder mehr Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Senioren benötigen daher eine Kost mit einer höheren Nährstoffdichte als jüngere Menschen. Wird dies nicht berücksichtigt, entsteht eine qualitative Mangelernährung bedingt durch den Mangel an einzelnen oder mehreren Nährstoffen.

Oft entsteht ein Mangel bei diesen Nährstoffen

  • Vitamin D
  • Vitamin E
  • Folat
  • Vitamin B12
  • Vitamin C
  • Calcium
  • Magnesium

Neben diesen Nährstoffen nehmen Senioren häufig auch zu wenig Flüssigkeit zu sich. Gründe dafür sind nachlassendes Durstempfinden oder andere Hemmnisse, z. B. Vergesslichkeit, Angst vor häufigen Toilettengängen oder fehlende Hilfestellung dabei. Die empfohlene Menge an Getränken liegt für Senioren bei mindestens 1,3 Litern, besser 1,5 Litern pro Tag.

Was sind deine wichtigsten Ernährungstipps, um Mangelernährung vorzubeugen?

Diese Tipps richten sich sowohl an die Senioren selbst, als auch an z. B. pflegende Angehörige. Wichtig ist: Je früher erkannt wird, dass bei einem Senior eine Mangelernährung droht oder gar schon besteht, desto besser lässt sie sich therapieren. Daher gilt bei Mangelernährung: genau hinschauen, frühzeitig diagnostizieren und sofort handeln!

Je mehr Personen für die Versorgung von älteren Menschen zuständig sind, umso wichtiger ist deren Austausch. Da Mangelernährung bei älteren Menschen wesentlich schneller entsteht und schwieriger zu behandeln ist als bei jüngeren, kommt der Prävention eine zentrale Bedeutung zu.

So können Sie eine Mangelernährung vorbeugen

  • angenehme Atmosphäre bei den Mahlzeiten schaffen
  • mindestens fünf Mahlzeiten über den Tag verteilt anbieten; evtl. zusätzliche Spätmahlzeit mit Jogurt, Obst oder Käsewürfeln
  • auf persönliche Bedürfnisse der Senioren achten (z. B. Sehkraft, Konsistenz, verminderter Geruchs- und Geschmackssinn, organische Voraussetzungen)
  • vor allem bei Appetitmangel individuelle Essensvorlieben beachten
  • abwechslungsreiches Speisenangebot
  • evtl. erleichtert Fingerfood die Nahrungsaufnahme
  • geeignete Ess- und Trinkhilfen anbieten
  • evtl. Hilfe bei der Essensaufnahme anbieten
  • Verzehrmengen protokollieren

Können Nahrungsergänzungsmittel einen eventuellen Mangel ausgleichen?

Wenn die Versorgung des Seniors mit der oralen Ernährung über energie- und nährstoffreiche Lebensmittel nicht sicherzustellen ist, können die Speisen mit speziellen Nährstoffsupplementen, wie Kohlenhydrat- oder Proteinkonzentraten, Vitaminen und Mineralstoffen ergänzt werden. Ferner gibt es speziell angereicherte Lebensmittel und Trinknahrung. Die meist geschmacksneutralen Produkte können als Pulver für die Anreicherung heißer und kalter Speisen verwendet werden. Spezielle Trinknahrung oder Pulversupplemente können die normale Nahrung ergänzen. Hierzu sollten Sie immer ärztliche Rücksprache halten.


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