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Familie So helfen Sie Ihrem Kind bei Liebeskummer!

Gestern war man noch im siebten Himmel, doch plötzlich ist alles aus. Jeder hat es wahrscheinlich schon mal erlebt: Liebeskummer. Doch was tun, wenn das eigene Kind oder Enkelkind darunter leidet? Wie kann man in dieser schwierigen Phase am besten unterstützen? Tipps von Familientherapeutin Birgit Salewski.

Stand: 04.12.2019

Ein junges Mädchen liest Nachrichten auf ihrem Handy. | Bild: stock.adobe.com

Wie sieht typischer Liebeskummer aus und welche Symptome können auftreten?

"Liebeskummer ist das Erleiden einer unerfüllten Liebe oder das Leiden unter dem Ende einer romantischen Beziehung.
Klassischerweise zeigen die Menschen Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Lustlosigkeit. Sie wirken oftmals in sich gekehrt und antriebslos, was nicht selten Folgen in der Schule/Arbeit nach sich zieht und auch von Freunden und Familie bemerkt wird. Manche Betroffene werden auch verzweifelt und wütend, wenn ihre Wünsche unerfüllt bleiben. Andere haben Schlaf- und Konzentrationsprobleme, wieder andere körperliche Reaktionen wie Appetitverlust oder Schmerzen."

Unterscheidet sich Liebeskummer bei Teenagern von dem bei Erwachsenen?

"Jein, denn prinzipiell leiden Jugendliche unter den gleichen Symptomen, nur haben sie eben noch nicht so viel Erfahrung im Umgang damit. Für Jugendliche ist die erste Trennung oder die erste unerwiderte Liebe oft existenziell und überwältigend. Ganz neue Gefühle überrennen die Jugendlichen und überfordern sie manchmal."

Wie sehen die einzelnen Phasen bei Liebeskummer aus?

"Klassischerweise unterscheiden wir bei Trennungen vier Phasen, die nach einer Trennung entstehen, sofern man selbst 'unfreiwillig' getrennt wurde:

  • In der ersten Phase tut man sich schwer, die neue Realität wahrhaben zu wollen und ist immer wieder verzweifelt, wenn man der neuen Realität ins Auge blickt: 'Das kann doch nicht wahr sein!'
  • Langsam realisiert unser Geist jedoch die neue Realität und dann brechen die unterschiedlichsten Gefühle auf: Trauer, Wut, Verzweiflung, Sehnsucht, aber hin und wieder auch die ersten Momente von Freude und Leichtigkeit. In dieser Phase wird zum einen Abschied vom Alten genommen und gleichzeitig auch wieder der Blick in die Zukunft gerichtet.
  • In der dritten Phase richten sich die Menschen dann in ihrer neuen Lebenssituation so ein, dass sie wieder an ihrem Alltag anknüpfen können. Emotional wird es nun ruhiger. Möglicherweise wird auch 'etwas Neuem' bereits wieder Raum gegeben.
  • In der letzten Phase ist die Neuorientierung dann abgeschlossen und das neue Lebenskonzept in tatsächlicher und emotionaler Unabhängigkeit der früheren Partnerschaft kann gut gelebt werden."

Wie unterstütze ich mein Kind oder Enkelkind, wenn es lust- und antriebslos ist?

"Liebeskummer ist ein echtes Leid der Jugendlichen. Daher brauchen sie in dieser Phase unseren Beistand. Zu oft wird dies noch heruntergespielt. Gleichzeitig brauchen Jugendliche auch eine Unterstützung, damit das Leben weitergeht. Da helfen zum Beispiel Geschichten von Angehörigen, wie das bei ihnen so war. Dann sehen Jugendliche, dass sie zum einen nicht die einzigen sind, denen das widerfährt. Zum anderen sehen sie auch, dass es nach dem Liebeskummer auch weitergehen kann und soll.
Hier brauchen weibliche Teenager Unterstützung von Frauen und männliche Teenager den Beistand von Männern. Sie sollten hier lernen, wie man adäquat mit diesen Situationen umgeht. Auch im Vorfeld ist es wichtig, dass Jugendliche Aufklärung und Orientierung von uns Erwachsenen erhalten, z. B. wie man eine Beziehung beenden kann oder wie man sich gut verhält, wenn man merkt, dass man jemandem die Liebe nicht erwidern kann oder will."

Wie erkenne ich, ob es sich nicht mehr nur um Liebeskummer, sondern um eine Depression handelt?

"Wichtig ist hier das Zeitkriterium sowie die Intensität: Bestehen nach wenigen Wochen noch deutliche Schwierigkeiten, die Schule, soziale Kontakte und Hobbys wie gewohnt aufrecht zu erhalten, dann ist es zu viel der Belastung. Bei Anzeichen wie Nicht-mehr-essen, Ritzen, Suizidgedanken oder -handlungen sollte sofort ein Kinder- und Jugendpsychiater aufgesucht werden.
Das heißt nicht, dass Jugendliche dann für immer depressiv sind. Aber es gibt Episoden, die so tiefgehen, dass Jugendliche Hilfe brauchen."


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