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Zähne Neue Volkskrankheit – Kreidezähne

Zahnärzte sind besorgt, denn eine neue Zahnschmelzerkrankung breitet sich bei Kindern aus: die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), auch "Kreidezähne" genannt. Sie treibt so manchem Kind die Tränen in die Augen. Und das, obwohl es sich immer fleißig die Zähne geputzt hat. Was sich dahinter verbirgt, erklärt Zahnarzt Dr. Dietmar Hellebrand.

Stand: 10.07.2018

Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), auch Kreidezähne genannt | Bild: picture-alliance/dpa

Kreidezähne

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) warnt vor einer neuen Volkskrankheit: die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), umgangssprachlich "Kreidezähne" oder auch "Bröselzähne" genannt, tritt heutzutage in bestimmten Altersgruppen häufiger auf als Karies. Jeder dritte Zwölfjährige ist inzwischen davon betroffen, aber auch bei Jugendlichen ist der Anstieg rasant. Insgesamt sind hierzulande zwischen 10% und 15 % der Kinder von MIH betroffen. Obwohl diese Krankheit bereits 1987 erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde und heutzutage allgegenwärtig ist, gibt MIH den Zahnärzten bis heute Rätsel auf.

Bei dieser Krankheit kommen die nachwachsenden Zähne, also die "Zweiten", schon mit Mängeln aus dem Kiefer in die Mundhöhle. Normalerweise bildet der Körper aus den beiden Mineralien Phosphat und Calcium harten Zahnschmelz. Bei MIH-Patienten ist dieser Vorgang gestört und die Zähne wachsen mit brüchig-weichen Stellen aus dem Kiefer. Der Zahnschmelz ist also bereits beschädigt oder erst gar nicht ausgebildet, bevor der Zahn überhaupt sichtbar ist. Sobald die Diagnose "Kreidezähne" gestellt wird, ist es also eigentlich schon zu spät.

Übrigens: Kommt der Zahn gesund in die Mundhöhle, besteht keine Gefahr mehr, dass es sich um einen Kreidezahn handelt.

Symptome

  • weiß-gelbliche oder gelbbraune Flecken auf der Zahnoberfläche, manche Zähne sind fast schwarz
  • Zähne sind porös und bröckelig, manchmal kommt es sogar dazu, dass ganze Zahnstücke abbrechen. Je dunkler der Zahn, umso poröser der Schmelz.
  • raue, kraterähnliche Oberfläche
  • Zahnschmelz hat sich nicht richtig ausgebildet und ist weich
  • sehr schmerzempfindliche Zähne (z. B. druck-, kälte- oder wärmeempfindlich): das Essen, Trinken und Zähneputzen schmerzt

Mögliche Ursachen

Das wohl größte Problem ist, dass diese Krankheit nicht aufgrund mangelnder Mundhygiene oder übermäßigen Konsums von Zucker entsteht. Nach bisherigen Forschungsergebnissen ist der Auslöser wahrscheinlich ein ganz anderer. Folgendes steht bisher unter Verdacht, MIH auszulösen:

  • Als Hauptverdächtiger gilt der Weichmacher in Plastikflaschen, aber auch der Konsum von in Plastik aufbewahrten Produkten (z. B. in Frischhalteboxen oder Lebensmittelverpackungen). Grund: Plastikbehälter enthalten Weichmacher, die aus Bisphenol A (BPA) bestehen. Untersuchungen deuten stark darauf hin, dass Bisphenol A Auslöser der Kreidezähne ist.
  • Die Einnahme von Antibiotika
  • Infektionskrankheiten
  • Windpocken
  • Umweltgifte, z. B. Dioxin
  • Probleme während der Schwangerschaft
  • Erkrankungen der oberen Atemwege

Behandlung

Heilen lässt sich diese Krankheit nicht, den Betroffenen kann allerdings geholfen werden:

  • Die betreffenden Zähne werden mit Keramik oder Kunststoff aufgefüllt - sofern noch eine gesunde Substanz vorhanden ist. Dadurch wird den Kindern der Schmerz genommen und die Fähigkeit, des starken Zubeißens gegeben.
  • Ist am Zahn kein gesunder Bereich mehr vorhanden, würden Füllungen rausbrechen. In diesem Fall bekäme das Kind eine Krone oder aber der beschädigte Zahn wird frühzeitig gezogen. Die übrigen Zähne können dann oftmals mithilfe einer Zahnspange zusammenwachsen.
  • Hilfreich ist zudem die Verwendung einer fluoridhaltigen Zahnpasta, da Fluorid den Zahnschmelz stärkt.
  • Gegen die Schmerzempfindlichkeit der Zähne gibt es außerdem ein aus Milch gewonnenes Gel, das sogenannte Tooth-Mousse, das mit dem Finger auf die betreffenden Zähne aufgetragen wird.

Vorbeugung

Gegen Kreidezähne hilft keine vorbildliche Zahnhygiene, da die Zähne ja bereits geschädigt aus dem Kiefer wachsen. Dennoch sollte natürlich auf gutes Zähneputzen geachtet werden. Verzichten Sie ansonsten soweit es geht auf Plastikprodukte sowie in Plastik verpackte Lebensmittel. Achten Sie außerdem schon im frühen Kindesalter auf regelmäßige Zahnarztbesuche.


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