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Finanzen Reha - Wenn Ihr Antrag abgelehnt wird

Medizinische Reha-Maßnahmen helfen Patienten, z. B. nach einem Herzinfarkt, einer Operation oder bei chronischen Krankheiten, ihre Beweglichkeit und Selbständigkeit wiederzuerlangen und Folgeerkrankungen zu verhindern. Doch nicht selten wollen Kranken- oder Rentenversicherungen die Kosten dafür nicht übernehmen, obwohl der behandelnde Arzt die Reha empfiehlt. Tipps von Finanzexperte Sebastian Hanisch, was Sie in so einem Fall tun können.

Stand: 11.09.2020

ILLUSTRATION - Ein Stempel mit dem Wort "Abgelehnt", aufgenommen am 10.03.2017 in Potsdam (Brandenburg). | Bild: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

Eine Reha nach einer Erkrankung oder einem Unfall soll den Patienten nach der Akutphase helfen, weiter gesund zu werden und möglichst wieder ohne Einschränkungen selbständig leben zu können. Auch bei vielen chronischen Krankheiten ist eine Reha eine sinnvolle medizinische Behandlung. Dennoch werden 20 bis 30 Prozent der Reha-Anträge von den Krankenkassen oder der Rentenversicherung abgelehnt, auch wenn der behandelnde Arzt die Maßnahmen für medizinisch notwendig erachtet. Das kann schlimmstenfalls dazu führen, dass die betroffenen Patienten pflegebedürftig und/oder erwerbsunfähig werden, obwohl das mit einer Reha wahrscheinlich verhindert werden könnte.

Hier erfahren Sie, was Sie tun können, wenn Ihr Reha-Antrag abgelehnt wird.

Wer zahlt die Reha?

Für die Übernahme der Kosten der medizinischen Reha-Maßnahmen kommen mehrere Träger in Frage: Rentenversicherung, Krankenkassen, Unfallversicherungen, Berufsgenossenschaften und einige andere.

Für Menschen im Erwerbsleben ist meist die Rentenversicherung zuständig, für Rentner in der Regel die gesetzliche Krankenkasse. Sollte ein Kostenträger nicht für einen Antrag zuständig sein, ist er verpflichtet, den Antrag an den zuständigen Kostenträger weiterzuleiten.

Anders als bei den gesetzlichen Kassen, zahlen die privaten Krankenversicherungen nicht grundsätzlich Reha-Maßnahmen. Es kommt darauf an, wie der konkrete Tarif ausgestaltet ist und um welche Maßnahmen es sich handelt.

Welche Kosten werden übernommen?

Der zuständige Träger übernimmt nicht nur die Kosten für die eigentlichen medizinischen bzw. therapeutischen Leistungen der Maßnahme, sondern auch die Kosten für Unterkunft, Reise und Verpflegung. Beschäftigte haben außerdem einen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Je nach Einkommen kann eine Zuzahlung von bis zu 10 Euro pro Tag fällig werden.

Wieder fit für den Job: Voraussetzung für Reha-Maßnahmen

Damit Reha-Maßnahmen genehmigt werden, müssen sie medizinisch notwendig und erfolgsversprechend sein.

Damit die Deutsche Rentenversicherung die Kosten übernimmt, müssen zudem versicherungsrechtliche Vorgaben erfüllt sein. So müssen Sie zum Beispiel als Pflicht- oder freiwillig Versicherter in der Regel eine Mindestversicherungszeit von 15 Jahren aufweisen oder in den vorangegangenen zwei Jahren mindestens sechs Monate Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Andere Regeln gelten etwa für erwerbsgeminderte Personen.

Recht auf Wunschklinik

Grundsätzlich können Sie eine Reha-Einrichtung selbst wählen. Hier kommt es allerdings häufig vor, dass der Leistungsträger eine andere Einrichtung auswählt. Daher sollten Sie möglichst genau begründen, warum Sie zum Beispiel eine ganz bestimmte Klinik bevorzugen (z. B. Wohnortnähe). Die Krankenkasse oder die Rentenversicherung kann Ihren Wunsch dann nur aus bestimmten Gründen ablehnen, etwa wenn Sie die Reha-Einrichtung für ungeeignet hält oder unverhältnismäßig hohe Kosten anfallen würden.

Sollte Ihrem Wunsch nicht entsprochen werden, können Sie Widerspruch einlegen.

Frist für die Entscheidung über den Reha-Antrag

Grundsätzlich sollen die Kostenträger innerhalb von drei Wochen entscheiden. Die Frist kann sich allerdings verlängern, wenn zum Beispiel der Antrag zunächst beim falschen Kostenträger landet oder wenn ein medizinisches Gutachten notwendig ist.

Widerspruch gegen die Ablehnung des Reha-Antrags

Wird Ihr Reha-Antrag abgelehnt, haben Sie in der Regel vier Wochen Zeit für einen Widerspruch gegen die Entscheidung. Die Rentenversicherung oder die Krankenkassen müssen eine Ablehnung begründen. Wenn Sie widersprechen, sollten Sie auf diese Ablehnungsgründe eingehen und versuchen, diese zu entkräften.

Widerspruch abgelehnt - Klage beim Sozialgericht?

Wird Ihr Widerspruch abgelehnt, können Sie beim Sozialgericht Klage einreichen. Lassen Sie sich davor aber auf jeden Fall entweder von einem Fachanwalt für Sozial- oder Medizinrecht beraten oder bei einer dieser Beratungsstellen:

Alternativ zur Klage können Sie auch einen neuen Antrag stellen.

Reha nur alle 4 Jahre?

Grundsätzlich muss der Versicherungsträger nur alle vier Jahre eine Reha genehmigen. Eine Ausnahme bildet ein wichtiger medizinischer Grund, z. B. eine andere/neue Krankheit, bei der eine Reha-Maßnahme sinnvoll ist. Hatten Sie beispielsweise aufgrund einer Hüftoperation vor 2 Jahren eine Reha und nun einen Schlaganfall erlitten, liegt aufgrund des Schlaganfalles ein wichtiger medizinischer Grund vor, vor Ablauf der Wartezeit von vier Jahren erneut eine Reha in Anspruch zu nehmen.

Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Ihr Reha-Antrag zunächst abgelehnt wird, sondern legen Sie fristgerecht Widerspruch ein.


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