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Finanzen Internet-Fake-Shops - wie kaufe ich sicher ein?

Aufgrund der Corona-Pandemie haben derzeit viele Geschäfte geschlossen. Da man aber mittlerweile fast alles bequem online bestellen kann, kaufen auch mehr Menschen als sonst im Internet ein. Doch Vorsicht: Mit sogenannten Fake-Shops versuchen Betrüger, Kunden gerade jetzt abzuzocken. Finanzexperte Sebastian Hanisch gibt Tipps, wie Sie sich vor einem Betrug schützen und sicher im Netz einkaufen können.

Stand: 30.03.2020

Eine junge Frau sitzt an einem Laptop und hat zahlreiche Werbeprospekte und Broschüren auf dem Tisch zu liegen | Bild: picture-alliance/dpa

Derzeit haben viele Geschäfte aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Aufs Einkaufen müssen Sie dennoch nicht verzichten. Im Internet können Sie bequem vom Sofa aus fast alles bestellen und bekommen es direkt nach Hause geliefert. Aber leider tummeln sich besonders jetzt im Internet auch Betrüger, die Kunden mit sogenannten Fake-Shops um ihr Geld bringen.

Was sind sogenannte Fake-Shops?

Fake-Shops sind gefälschte Internet-Verkaufsplattformen. Kunden werden abgezockt, indem sie im Voraus für Waren bezahlen, die minderwertig oder gefälscht sind oder die sie im schlechtesten Fall gar nicht erhalten. Im Moment bieten Betrüger zum Beispiel vor allem Atemschutzmasken oder Desinfektionsmittel zu sehr günstigen Preisen an. Natürlich wird diese Ware nie geliefert.

Wie erkenne ich Fake-Shops?

Auf den ersten Blick sind die meisten Fake-Shops nicht leicht zu erkennen. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass es sich um gefälschte Internet-Verkaufsplattformen handeln könnte:

  • Der Preis für ein Produkt ist viel günstiger als bei allen anderen Anbietern.
  • Nur Vorauszahlung ist möglich (Sofortüberweisung, Vorauskasse, Western Union o. ä.). Das Problem bei diesen Zahlungsmethoden: Wenn keine oder minderwertige Ware geliefert wird, haben die Kunden keine Möglichkeit, das Geld zurückzubekommen.

Achtung

Ein gängiger Trick ist, dass zunächst verschiedene Bezahlmöglichkeiten aufgeführt sind, dann aber plötzlich (z. B. aufgrund einer angeblichen technischen Störung) nur noch Sofortüberweisung oder Vorauskasse funktioniert.

  • Der Anbieter hat keine oder nur besonders gute Bewertungen.
  • Auf der Seite finden sich viele Rechtschreib- und/oder Grammatikfehler bzw. die Seite wirkt, als wäre sie von einem automatischen Übersetzungsprogramm übersetzt worden.
  • Fehlendes oder unvollständiges Impressum oder AGB
  • Bankverbindung im außereuropäischen Ausland

Gütesiegel auf Internetseiten oft bedeutungslos

Gütesiegel (Trusted Shops, TÜV Süd, EHI oder ähnliche Siegel) auf der Homepage sind leider kein sicherer Hinweis darauf, dass die Seite seriös ist. Diese können auch gefälscht sein.

Echte Siegel sind mit den Seiten des Siegelanbieters verlinkt.

Übrigens

Auch wenn "https" im Browser erscheint, ist das kein Hinweis darauf, dass es sich um eine seriöse Internetseite handelt. Das bedeutet nur, dass Daten verschlüsselt übertragen werden. Auch Fake-Shops nutzen diese Technik.

Und: Wenn eine Seite auf „.de" endet, bedeutet das nicht, dass der Betreiber des Shops tatsächlich in Deutschland sitzt.

So kaufen Sie sicher im Internet ein

  • Nutzen Sie nur sichere Zahlungswege: Keine Vorauskasse oder Sofortüberweisung (erst recht nicht auf ein ausländisches Konto!), sondern:
  • Kauf auf Rechnung, d. h. Sie zahlen erst nach Erhalt der bestellten Ware.
  • Kauf per Lastschrift, denn Lastschriftabbuchungen können acht Wochen lang widerrufen (rückgängig gemacht) werden.
  • In der Watchlist Internethttps://www.watchlist-internet.at/liste-online-shops/ werden betrügerische Online-Verkaufsplattformen aufgeführt. Überprüfen Sie, ob der Shop dort aufgelistet ist.
  • Geben Sie den Namen des Online-Shops in eine Suchmaschine ein, um zu prüfen, ob es bereits negative Meldungen von anderen Kunden gibt. Tipp: Verknüpfen Sie die Suchanfrage mit Schlagwörtern wie „Erfahrung“, „seriös“ oder „Betrug“!

Fake-Händler bei Amazon

Auch auf der an sich seriösen Internetverkaufsplattform Amazon gibt es betrügerische Marketplace-Händler. Diese versuchen, Kunden auf Internetseiten außerhalb von Amazon zu locken. Dort sollen diese dann per Vorauskasse oder Western Union zahlen. Tun sie das, ist das Geld weg.

Wenn allerdings der Kauf komplett über Amazon abgewickelt wurde (und Sie nicht auf eine andere Internetseite umgeleitet worden sind), bekommen die Kunden von Amazon ihr Geld zurück, wenn sie bei einem betrügerischen Marketplace-Händler eingekauft haben.

Deshalb: Wickeln Sie Einkäufe bei Amazon immer nur über den Amazon-Warenkorb und das Amazon-Bezahlsystem ab. Nur dann greift die Amazon-Garantie und Sie bekommen im Falle eines Betruges Ihr Geld zurückerstattet.

Was kann ich tun, wenn ich auf einen Fake-Shop hereingefallen bin?

  • Versuchen Sie sofort, die Zahlung rückgängig zu machen. Am einfachsten geht das, wenn Sie per Lastschrift bezahlt haben.
  • Bewahren Sie alle Beweise auf: Bestellbestätigung, E-Mail-Verkehr, Screenshot von der Seite usw.
  • Erstatten Sie bei der Polizei Strafanzeige.

Tipp: Bei lokalen Geschäften kaufen - per Internet oder Telefon

Für viele Einzelhändler ist die derzeitige vorübergehende Schließung wegen der Corona-Krise ein harter Schlag. Viele Geschäfte, aber auch Restaurants sind deswegen dazu übergegangen, Waren an ihre Kunden zu liefern. Wenn Sie also ihre lokalen Einzelhändler in der Krise unterstützen und nicht auf ihre gewohnten Produkte verzichten wollen, dann suchen Sie im Internet nach Ihrem Lieblingsladen oder rufen Sie dort einfach an. Vielleicht haben Sie Glück und der Laden liefert Ihnen die Waren nach Hause.

Wenn Sie unsere Tipps beherzigen und auf Ihren gesunden Menschenverstand vertrauen, ist Einkaufen im Internet eine gute Alternative, vor allem jetzt, wenn viele Geschäfte wegen der Corona-Pandemie geschlossen haben bzw. jeder die eigenen vier Wände möglichst wenig verlassen sollte. 


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