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Dermatologie Inhaltsstoffe von Kosmetika

Wer unter Hautpflege versteht, dass man Haut und Gesundheit etwas Gutes tut, der sollte sich mit Inhaltsstoffen von Kosmetika auskennen. Nicht immer lässt sich auf einen Blick erkennen, ob bedenkliche Stoffe enthalten sind. "Man sollte wissen, wonach man suchen muss", rät Hautärztin Dr. Monique Stengel und klärt auf.

Stand: 13.09.2018

Eine Frau begutachtet ein Kosmetikprodukt | Bild: colourbox.com

Die Inhaltsstoffliste von Kosmetika ist lang, die Begriffe unverständlich und noch dazu meist kleingedruckt. Es wird uns Verbrauchern schwer gemacht zu verstehen, was tatsächlich in unserer Hautpflege oder auch dekorativer Kosmetik enthalten ist. Unsere Wahl hängt meist von Duft, Konsistenz, dem Vertrauen zu einer Marke oder einer Empfehlung in der Parfümerie ab. "Darauf kann man sich nicht immer verlassen", sagt Dr. Monique Stengel und fasst die wichtigsten Inhaltsstoffe von Kosmetika zusammen, auf die Sie besser verzichten sollten.

Warum sollte man nicht bedenkenlos jedes Pflege- oder dekorative Produkt auf die Haut geben?

Wir haben tagtäglich Kontakt mit Kosmetika. Über unser größtes Organ, die Haut, nehmen wir damit täglich Inhaltsstoffe in unseren Körper auf. Insbesondere Menschen mit empfindlicher, zu Allergien neigender Haut und Neurodermitis, sollten kritisch die Inhaltsstoffe prüfen, da manche Kontaktallergien auslösen und das Hautbild verschlechtern können.

Gibt es bereits erforschte Zusammenhänge zwischen Inhaltsstoffen in Kosmetika und Krebserkrankungen?

Bestimmte Konservierungsstoffe, wie z. B. Parabene, zählen zu den hormonell wirksamen Inhaltsstoffen. Es gibt Hinweise darauf, dass sie in Zusammenhang mit schlechter Spermienqualität, Hoden- und Brustkrebs stehen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist "von einigen Parabenen aus Tierversuchen bekannt, dass sie das Hormonsystem beeinflussen können." Allerdings seien Ethyl- und Methylparaben (zwei häufig verwendete Konservierer) aufgrund der vorliegenden toxikologischen Daten in einer Konzentration von bis zu 0,4 % als sicher für alle Bevölkerungsgruppen anzusehen.

Anders sieht es mit Propyl- und Butylparaben aus. Diese Konservierungsstoffe hat die EU-Kommission vor Kurzem teilweise verboten, beziehungsweise ihre Konzentration in Kosmetika stark eingeschränkt: Für Produkte für den Windelbereich von Kindern unter drei Jahren gilt ein Verbot. Hersteller mussten die Menge an Propylparaben und Butylparaben in Shampoos und Duschgelen reduzieren.

Welche Inhaltsstoffe sollte man in Kosmetika besser meiden?

Duftstoffe

Duftstoffe werden häufig in Kosmetika eingesetzt und sollen den Geruch positiv beeinflussen. Sie sind relativ häufige Auslöser von Kontaktallergien. Gerade Allergiker oder Menschen mit Ekzemen, wie Neurodermitiker, die eine gestörte Hautbarriere haben, sollten Duftstoffe meiden. Aus diesem Grund sind sie in medizinischer Hautpflege meist auch nicht enthalten. Vorsicht ist bei allergiegefährdeter Haut auch bei Naturkosmetik geboten: die enthaltenen ätherischen Öle verursachen nicht selten eine Kontaktallergie!

Parabene

Parabene sind Konservierungsstoffe, die Kosmetikprodukte länger haltbar machen. Das Problem: Sie können Kontaktallergien auslösen. Aus Tierversuchen ist außerdem bekannt, dass Parabene hormonell aktiv sind und eine ähnliche Wirkung wie Östrogen haben können. Es gab vermehrt Berichte, dass Parabene für Brustkrebs verantwortlich sein könnten. Auch wenn dieser Zusammenhang nie bewiesen werden konnte, verzichten mittlerweile immer mehr Kosmetikhersteller auf diese Konservierer. Man erkennt sie in der Inhaltsstoffliste einfach an der Endung "-paraben", z. B. Methylparaben oder Ethylparaben.

PEG

Polyethylenglykole (PEG) wirken als Emulgator, verbinden also Wasser mit Öl und verbessern die Konsistenz von Kosmetikprodukten. Sie gerieten vor allem wegen ihres Ausgangsstoffs Ethylenoxid in Verruf, besser bekannt als Grundstoff für Frostschutzmittel, der als krebserregend gilt. Dass Kosmetika mit PEG ebenfalls dieses Risiko bergen, wurde zuvor noch nicht wissenschaftlich bewiesen. Sie wirken penetrationsfördernd, das heißt sie machen die Haut durchlässiger für Wirkstoffe, aber möglicherweise auch für Schadstoffe. PEG selbst sind harmlos. In der Liste der Inhaltsstoffe werden sie als PEG-8, PEG-15 und unter anderen Ziffern aufgeführt.

Bestimmte chemische UV-Filter

Chemische UV-Filter dienen in Kosmetika dazu, die Haut und das Produkt gegen UV-Strahlung zu schützen. Bestimmte UV-Filter wie Benzophenon-3, Homosalat, 4-Methylbenzyliden-Kampfer oder Oktyl-Methoxycinnamat stehen im Verdacht, hormonähnlich wirksam zu sein.

Alternativen: Mittlerweile gibt es zahlreiche UV-Filter auf dem Markt, die verträglich sind und gut gegen UV-Licht schützen. Sie haben solch unaussprechliche Namen wie u. a. Bis-Ethylhexyloxyphenol Methoxyphenyl Triazine (Tinosorb S), Terephthalylidene Dicamphor Sulfonic Acid (Mexoryl SX), Drometrizole Trisiloxane (Mexoryl XL) oder Ethylhexyl Triazone (Uvinul T 150). 

Mikroplastik

Mikroplastik sind kleine Plastikpartikel, die in Kosmetika als Füll- und Bindestoff und als Schleifpartikel zum Peelen der Haut eingesetzt werden. Beim Abwaschen gelangen die Plastikpartikel über die Kanalisation in die Umwelt. Kläranlagen können Mikroplastik nur unzureichend herausfiltern. Forscher konnten Mikroplastik schon in Fischen, Flusskrebsen und Muscheln nachweisen. So landen die Plastikteilchen über die Nahrungskette letztlich in unserem Körper. Das Bundesumweltministerium geht zwar nach bisherigem Kenntnisstand nicht von einer Gefahr für den Menschen aus, allerdings schädigt das schwer abbaubare Plastik das Ökosystem nachhaltig. In den USA und Schweden ist die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetika bereits verboten. Mikroplastik verbirgt sich in der Inhaltsstoffe-Liste hinter so komplizierten Begriffen wie Polyethylen, Polypropylen, Acrylate Copolymer, Polymethalacrylat oder Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer.

Silikone

Silikone werden synthetisch hergestellt und dienen in der Kosmetika-Herstellung als Ersatz für hochwertige Pflanzenöle. Sie haben den Vorteil, dass sie gut hautverträglich sind und kaum Allergien auslösen. Außerdem sind sie eine kostengünstige Alternative für die teuren Pflanzenöle. Silikone hinterlassen ein geschmeidiges Hautgefühl und werden aus diesem Grund z. B. häufig in faltenglättenden Cremes (aber auch in vielen anderen Kosmetika) eingesetzt. Silikone schaden der Haut zwar nicht, sind aber in der Umwelt nur schwer abbaubar. "Meiner Meinung nach haben sie keinen pflegenden Effekt auf die Haut im Gegensatz zu hochwertigen pflanzlichen Ölen." Bei der Haarpflege wird außerdem kritisiert, dass sie sich Schicht um Schicht auf den Haaren ablagern können (sogenannter „Build-up-Effekt“) und diese beschweren. Man erkennt sie in der Inhaltsstoffe Liste an der Endung "-xane" oder "-cone" wie z. B. Dimethicone oder Methicone.

Noch mal kurz zusammengefasst: Worauf muss ich achten, um Produkte mit schädlichen Inhaltsstoffen ausschließen zu können?

Wer sichergehen möchte, sollte Kosmetika verwenden, die den Zusatz "Ohne Parabene", "Ohne Mikroplastik" und "Ohne PEG" tragen. Dazu gehören die meisten Naturkosmetikprodukte, aber auch andere. Ich kann empfehlen, beim Einkauf von Kosmetika eine App zu Rate zu ziehen, die Informationen zu Inhaltsstoffen sehr unkompliziert aufzeigt. Einfach die App zu Hause runterladen, beim Einkaufen öffnen, den Strichcode des fraglichen Produkts mit dem Handy einscannen und direkt erkennen, ob bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten sind. Eine tolle Hilfe, um sich im "Inhaltsstoffe-Dschungel" zurecht zu finden. Ich verwende z. B. diese Apps, die unkompliziert funktionieren: ToxFox (vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.), CodeCheck und barcoo.


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