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Hunde Anti-Giftköder-Grundlagentraining

Giftköder oder mit scharf schneidenden Gegenständen gespickte Köder sind eine tödliche Gefahr für Hunde und gefürchteter Schrecken aller Hundehalter. Im Idealfall ist der Hund so trainiert, dass er Herumliegendes nicht eigenständig aufnimmt. Wie dieses Training aussieht und wie man seinen Hund schützen kann, weiß Hundetrainerin Anja Petrick.

Stand: 23.11.2018

Gespickter Köder auf steinigen Untergrund | Bild: Anja Petrick

Ist die Gefahr durch Giftköder gerade aktuell?

Leider tauchen Giftköder immer mal wieder auf, meist erfährt man in den sozialen Netzwerken, wo gerade neue Fälle aufgetaucht sind. Es gibt auch Internetseiten, die aktuelle Giftköder-Meldungen veröffentlichen. Allerdings rate ich dazu, sich nicht vollkommen verrückt zu machen.

Woran kann man Giftköder optisch eventuell erkennen?

Häufig werden Giftköder in Fleischpflanzerln oder Wurst ausgelegt. Wenn ich so etwas auf einem Spaziergang irgendwo liegen sehe, sollte ich meinen Hund nicht hinlassen und überprüfen, ob der Köder präpariert ist. Halbiert man die Fleischpflanzerl oder Wurst, kann man sehen, ob Rattengift (grünes, rotes oder blaues Granulat) darin enthalten ist oder auch Nägel, Rasierklingen oder Scherben.

Was sollte man tun, wenn man einen Giftköder bzw. einen anderweitig präparierten Köder findet?

Am besten z.B. in einem Kotbeutel sichern und zur Polizei bringen und möglichst genau angeben, wo und wann man den Köder gefunden hat. Außerdem die Stelle so sichern/reinigen, dass kein anderer Hund verletzt werden kann.

Was muss man tun, wenn der Hund den Köder bereits im Maul hatte?

In jedem Fall zu einem Tierarzt fahren und durchchecken lassen, am besten wäre es, wenn man den Köder mitbringen kann, dann weiß der Tierarzt gleich, worauf behandelt werden muss. Bitte warten Sie nicht ab, sondern wenden Sie sich sofort an Ihren Tierarzt, einige Gifte wirken erst Tage später und dann ist es meist schon zu spät.

Was tun, wenn der Verdacht besteht, dass der Hund einen Giftköder gefressen hat?

Schnelles Handeln ist angesagt. Zunächst eventuelle Reste des Köders aufsammeln und mitnehmen - zum Tierarzt, und zwar umgehend! Falls es keine Reste mehr gibt, der Hund sich aber erbrochen haben sollte, einsammeln und ebenfalls mitnehmen. Alles, was dem Tierarzt Aufschluss darüber geben kann, um welches Gift es sich handelt, ist wichtig. Markieren Sie die Stelle, damit andere Hundehalter gewarnt werden. Ganz wichtig ist, dass Sie nicht selbst versuchen, den Hund zum Erbrechen zu bringen. Je nachdem was der Hund gefressen hat, kann man die Situation dadurch nämlich noch verschlechtern.  

Kann man den Hund vor präparierten Ködern schützen?

Zunächst einmal sollte man sehr aufmerksam spazieren gehen, also möglichst im Blick haben, wo und woran der Hund schnüffelt, denn Giftköder werden meist in Büschen versteckt, wo der Halter nicht mehr genau sehen kann, was herumliegt. Bei Hunden, die extrem schnell alles fressen, was sie appetitlich finden, kann auch ein bequemer Maulkorb eine Möglichkeit sein. Ein Anti-Giftköder-Training wäre aber das Nachhaltigste, um die Gefahr zu vermeiden.

Welche Fähigkeiten sollte man seinem Hund optimaler Weise antrainieren, um eine Gefahr durch Giftköder ausschließen zu können?

Wichtig sind folgende Kommandos und Verhaltensweisen:

  • "Gib’s mir": Ihr Hund spuckt alles sofort aus, was er gerade im Maul hat.
  • "Tabu", "No" oder "Nix da": Ihr Hund nimmt nichts ins Maul sobald er dieses Kommando hört.
  • Und die "Königsklasse": Ihr Hund nimmt von sich aus nichts mehr vom Boden auf oder zeigt sogar an, wenn er etwas findet, indem er sich davor absetzt und auf Ihre Freigabe wartet, ob er es haben kann.

Kann man dieses Training zielführend allein durchführen?

"Gib’s mir" kann man leicht alleine trainieren, beim "Tabu" jedoch ist es wichtig, einen (gewaltfrei arbeitenden) Trainer an seiner Seite zu haben, denn hier braucht es meist ein gutes Training. Beim Trainieren des Anzeigeverhaltens rate ich in jedem Fall dazu, mit einem Trainer zusammenzuarbeiten, da es hier auf ein gutes Timing und konsequentes Training ankommt. Oft hilft es auch, sich beim Training filmen zu lassen, um besser im Timing zu werden.
"Gib’s mir" sollte übrigens immer trainiert werden, es kann schließlich auch mal sein, dass der Hund z.B. das Spielzeug des Kindes im Maul hat, dafür ist dieses Kommando auch da. Außerdem wäre ein sicher sitzendes Abrufkommando sinnvoll, damit ich den Hund abrufen kann, sobald ich sehe, dass er auf etwas Essbares zusteuert.

Wie trainiert man "Gib’s mir", also das Abgeben von bereits aufgenommenen Dingen?

  1. Gib deinem Hund etwas ins Maul, das er toll findet, z.B. ein Spielzeug (mit dem kann kurz gespielt/leicht gerangelt werden) oder etwas zum Knabbern, das so groß ist, dass dein Hund es nicht gleich abschlucken kann und du es festhalten kannst.
  2. Dann halte ihm ein richtig gutes Leckerli unter die Nase und sage freundlich: "Gib’s mir!"
  3. Wenn dein Hund das Spielzeug ausspuckt, bekommt er gleich das Leckerli aus der Hand und wird gelobt. Wenn er es fertig gegessen hat, bekommt er das Spielzeug/Knabberzeug, das er vorher abgegeben hat, zurück!

Ganz wichtig:

Das sollte in den verschiedensten Situationen mit den unterschiedlichsten Dingen trainiert werden. Freut euch bitte immer, wenn euer Hund euch etwas bringt, auch wenn’s manchmal eklig ist. Besser ihr freut euch gemeinsam über die tote Maus und ihr habt die Gelegenheit, diese "einzutauschen", als dass euer Hund schnell alles abschluckt was er findet.

Nochmal in Stichpunkten zusammengefasst:

  • Hund Spielzeug oder großes Knabberzeug geben
  • Spielzeug/Knabberzeug festhalten, sehr gutes Leckerli unter die Nase halten und freundlich "Gib’s mir!" sagen
  • Loben und Leckerli geben, wenn der Hund das andere ausspuckt
  • Spielzeug/Knabberzeug zurückgeben

Wie trainiert man "Tabu", also dass der Hund einen möglichen Köder gar nicht erst aufnimmt?

Dieses Training ist etwas kleinteiliger aufgebaut und sollte, wie gesagt, am besten mit einem Trainer gelernt werden. Im Folgenden beschreibe ich die Trainingsschritte:

  • In eine Hand ein gewöhnliches Leckerli nehmen, in die andere Hand ein besonders gutes Leckerli. Die Hand mit dem besonderen Leckerli hinter den eigenen Rücken legen.
  • Das gewöhnliche Leckerli auf den Boden legen, in dem Moment, in dem der Hund das Gutti am Boden wahrnimmt, freundlich "Tabu" sagen und das Leckerli mit der freien Hand schützen, so dass der Hund nicht drankommt.
  • Den Hund alles versuchen lassen, um an das Leckerli zu kommen, sie ihm aber nicht geben.
  • In dem Moment, in dem der Hund kurz NICHT versucht dran zu kommen, loben und die Belohnung aus der anderen Hand mit dem besonderen Leckerli reichen, dabei den Hund von der anderen Hand weglocken.
  • So oft wiederholen bis der Hund sich beim "Tabu"-Kommando nicht mehr auf das Leckerli zu stürzen versucht.

Wenn das gut klappt, kann man das Training weiter ausbauen und generalisieren. Das heißt, der Hund lernt, dass das "Tabu"-Kommando überall und auch für besonders reizvolle Leckerli gilt. Ich empfehle hilfreiche Literatur zum Thema:

  • "Anti-Giftköder-Training: Übungsprogramm für Staubsauger-Hunde" von Sonja Meiburg, Cadmos Verlag
  • "All you can eat: über Hunde, die alles (in sich rein) fressen, mit Anti-Giftköder-Training!" von Clarissa von Reinhardt, Animal Learn Verlag

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