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Hunde Welpenschule Teil 4: Gassi gehen am Anfang

Die ersten Gassigänge mit dem Hundewelpen sind spannende Erlebnisse für den kleinen Vierbeiner. Man sollte jedoch nicht gleich stundenlange Gänge durch unbekanntes Gelände wagen, sondern klein anfangen und sich gedanklich mit möglichen Situationen auseinandersetzen. Tipps zu den ersten Spaziergängen mit Welpen von Hundetrainerin Anja Petrick.

Stand: 05.04.2019

Sherlock | Bild: Anja Petrick / Wir in Bayern

Ab wann kann ich den Welpen außerhalb des Wohnbereichs bzw. des Gartens ausführen?

Je nach Wohnsituation und Welpe kann man das sofort machen. Wichtig ist zu wissen, dass Welpen das sichere Zuhause ungern verlassen. Also wundern Sie sich nicht, wenn der Welpe sich zu Beginn weigert spazieren zu gehen - die Welt ist einfach noch zu spannend.

Welche Art Leine und ggf. sonstige Ausstattung brauche ich für die ersten Spaziergänge?

Wichtig sind eine möglichst leichte Drei-Meter-Leine und ein gut sitzendes Brustgeschirr. Außerdem gehören gute Leckerlis zum Loben in Ihre Tasche. Meist ist es so, dass Sie Ihren Welpen an den Orten, an denen es sicher ist, wo also keine Straße in der Nähe ist, ohne Leine laufen lassen können. Viele Welpen müssen sich erst einmal an Geschirr und Leine gewöhnen und tun sich leichter, wenn man dies nur in kurzen Abschnitten übt und sie ansonsten ohne Leine frei mitlaufen können. In den ersten Wochen werden die wenigsten Welpen von Ihrer Seite weichen.

Wie lange sollte ich anfangs maximal unterwegs sein?

Die Formel lautet: Pro Lebenswoche eine Minute spazieren gehen bzw. pro Lebensmonat fünf Minuten. Dies gilt pro Spaziergang, nicht pro Tag! Die Kleinen müssen sehr viele Umweltreize verarbeiten, außerdem ist das Knochenwachstum noch nicht abgeschlossen (frühestens ab einem Jahr) und es kann sonst zur Überbelastung kommen. Also lieber im ersten Jahr weniger machen und dafür den Rest des Lebens einen gesunden Hund haben, als gleich im ersten Jahr zu viel und zu lang zu machen und später Probleme mit Arthrosen etc. zu haben.

Was kann ich tun, wenn der Welpe nicht mitkommen möchte, wenn ich ihn zum Spazierengehen motiviere?

Sie können alternativ "Spazieren-Gucken" machen. Wenn Ihr Welpe nicht weiter will, lassen Sie ihn einfach in Ruhe schauen und die ganzen Umweltreize aufnehmen. Alternativ können Sie ihn ein Stück von zuhause wegtragen und dann einen neuen Versuch starten, meist geht es dann deutlich besser. Oder mit dem Auto woanders hinfahren und dort spazieren gehen.

Sind Wegstrecken noch zu viel verlangt - lieber anfangs nur an einem Ort aufhalten?

Gehen Sie gerne schon ein kleines Stück und zeigen Sie dem Welpen die große weite Welt - solange es keine Bergtoren sind und es sich zeitlich im oben genannten Rahmen bewegt, darf der Welpe ruhig ein Stück mitlaufen. Aber bitte geben Sie Ihrem Welpen Zeit! Zu Beginn werden Sie mehr "spazieren stehen" als spazieren gehen, da alles genauestens "untersucht" werden muss.

Was tun, wenn uns unterwegs andere Hunde begegnen?

Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie den anderen Hundehalter, ob der Hund freundlich mit Welpen ist. Den viel gerühmten Welpenschutz gibt es in der Art nicht ! Es gibt zwar eine gewisse Welpen-Toleranz, aber es gibt auch durchaus Hunde, die Welpen nicht mögen. Ansonsten ist es grundsätzlich gut, wenn Ihr Welpe Kontakt zu anderen freundlichen Hunden hat, um "hündisches" Verhalten zu lernen.

In welche Situationen zwischen Hunden sollte ich besser eingreifen?

Wenn die Hunde schön spielen oder einfach nur Kontakt aufnehmen, ist das wunderbar. Wenn aber ein anderer Hund Ihren Welpen zu sehr bedrängt oder der Welpe Angst hat, schützen Sie ihn bitte. Die Hunde machen das NICHT unter sich aus! Achten Sie darauf, dass Ihr Welpe nicht gejagt wird oder "geärgert". Wenn es ihm zu viel wird, unterbrechen Sie das Spiel (das ist es dann nämlich nicht mehr) und helfen Sie Ihrem Welpen. Bitten Sie den anderen Halter, seinen Hund zu rufen und anzuleinen und gehen Sie mit Ihrem Schützling.

Was tun, wenn ein Fahrrad oder andere Fahrzeuge in der unmittelbaren Nähe fahren?

Für den Anfang sollten Sie sich zwar besser wenig bis nicht befahrene Gegenden aussuchen, aber wenn doch mal viel los ist, halten Sie Ihren Welpen bei sich, entweder an der Leine oder indem Sie sich zu ihm runterhocken und am Geschirr halten bis das Fahrrad vorbei ist. In der Nähe oder direkt an Straßen sollte Ihr Welpe grundsätzlich an der Leine gesichert sein. Loben Sie ihn freundlich, wenn er nur neugierig hinschaut, falls er Angst hat, gehen Sie in die Hocke, nehmen ihn zwischen Ihre Beine und geben ihm dadurch Sicherheit.

Wie überqueren wir am besten eine Straße?

Sichern Sie den Welpen bereits an der Leine, bevor Sie sich der Straße nähern. Fürs Erste, wenn es schnell gehen muss, nehmen Sie Ihren Welpen einfach kurz auf den Arm und tragen Sie ihn auf die andere Seite. Ansonsten gehen Sie einfach gemeinsam mit ihm rüber. Übungen zum Warten am Straßenrand lernt Ihr Welpe später in der Hundeschule.

Es kommt vor, dass Passanten den Welpen ansprechen und streicheln möchten - wie gehe ich damit um?

Das kommt ganz auf Sie und den Welpen an. Ist es ein schüchterner Welpe, der nicht von Fremden angefasst werden möchte, bitten Sie die Menschen, ihn in Ruhe zu lassen.

Ist Ihr Welpe sehr "Menschen-begeistert", bitten Sie die Menschen am besten, zu ihm runter zu gehen, damit er sich nicht zu sehr das Hochspringen angewöhnt.


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