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Hunde Hundepflege - Wenn der Hund nicht mitmacht

Fell bürsten, Krallenpflege, Zähne putzen und Baden - Hunde würden natürlicherweise gern auf all das verzichten. Manche wehren sich sogar oder sind ängstlich, wenn es an die Pflege geht. Worauf man bei der Hundepflege achten sollte und wie ein Kooperationssignal Hund und Halter helfen kann, weiß Hundetrainerin Anja Petrick.

Stand: 18.02.2019

Hundepflege - Wenn der Hund nicht mitmacht | Bild: Wir in Bayern

Warum und wie oft darf ein Hund maximal in die Badewanne und was gibt es beim Baden zu beachten?

Hunde sollten nur selten gebadet werden, z. B. wenn sie sich in Fuchskot oder einem Misthaufen gewälzt haben. Wenn es dann nötig ist, verwenden Sie bitte nur spezielle Hundeshampoos oder Hundeseifen. Das ist deshalb wichtig, weil Hunde einen anderen pH-Wert haben als Menschen und der natürliche Säureschutzmantel der Hundehaut durch ein "Menschen-Shampoo" angegriffen werden könnte. Die Wassertemperatur sollte lauwarm sein.

Beim Baden oder Abduschen in der Wanne ist außerdem zu beachten, dass der Untergrund rutschig ist und der Hund schnell den Halt verlieren kann. Um dies zu vermeiden, legen Sie eine Anti-Rutsch-Matte auf den Wannenboden, am besten in einer Farbe, die sich von der Wanne absetzt. So erkennt der Hund besser, wo er steht und kann für besseren Halt sorgen. Ein wichtiger Faktor, um die Angst vor dem Baden oder Duschen zu nehmen.

Um den Hund während des Abduschens abzulenken, kann man gut eine Schleckmatte mit Leberwurst an die gekachelte Wand geben. Durch Gumminoppen halten die Matten gut. Alternativ kann man natürlich auch etwas Leberwurst auf die gekachelte Wand geben. Das klingt vielleicht nicht besonders schick, aber wenn es die Angst des Hundes abschwächt, ist es doch die Sache wert, oder?

Wenn es mit der Badewanne so gar nicht klappt oder auch, weil es für den Hund nicht empfehlenswert ist zu baden, hast du einen Tipp, wie man den Hund alternativ sauber bekommen kann?

Das macht man am besten draußen und mit zwei Eimern: einer mit klarem Wasser, einer mit Seifenwasser. Handtuch mit Seifenwasser durchtränken und damit vorsichtig das verschmutzte Fell abwaschen. Wenn der Hund es erträgt, vorsichtig Eimer mit klarem Wasser über ihn laufen lassen, um das Seifenwasser auszuwaschen.

Worauf sollte man bei der Fellpflege achten?

Bitte nicht zu grob beim Bürsten vorgehen, Hunde sind genauso empfindlich wie wir Menschen. Wenn das Fell sehr schwer durchzubürsten ist, bürsten Sie lieber in mehreren kurzen Einheiten. Je öfter Sie bürsten, desto leichter geht es und desto weniger kann das Fell verfilzen. Bei Hunden mit schwierigem Fell lassen Sie sich im Hundesalon erklären, welche Bürste jeweils am besten geeignet ist. Es gibt auch spezielle Fellpflegesprays, die das Fell leichter kämmbar machen.

Manche Hunderassen kann man trimmen, also scheren lassen. Das macht man am besten nicht selbst, sondern im Hundesalon.

Was ist wichtig bei der Auswahl eines Hundesalons?

Wichtig ist, dass Sie den Hund nie allein im Salon lassen, sondern immer beim Hund bleiben. Wenn der Hundefrisör darauf bestehen sollte, suchen Sie sich besser einen anderen Salon!

Den Hund bitte niemals am sogenannten Galgen befestigen lassen - dabei wird er am Halsband so befestigt, dass er sich nicht hinlegen kann und nicht weg kann. Das kann Panik verursachen.

Wenn der Hund es am Anfang nicht gut schafft, weil er zu ängstlich oder sehr nervös ist, sollten Sie mehrere Termine ausmachen und lieber ein paar Mal öfter hinfahren, dafür nur kurze Zeit bleiben und das Ganze so positiv wie möglich gestalten. Bringen Sie Geduld auf, langfristig lohnt es sich.

Wie ist es mit Ohren-, Zahn- und Krallenpflege - besser zum Tierarzt oder selber machen?

Besprechen Sie das individuell mit Ihrem Tierarzt. Wenn der Hund nur selten die entsprechende Pflege benötigt, lassen Sie es am besten beim Tierarzt machen.
Bei Hunden, die regelmäßig eine bestimmte Pflege benötigen, können Sie sich vom Tierarzt zeigen lassen, wie es geht und dann gegebenenfalls mit einem Kooperationssignal arbeiten.

Was ist ein Kooperationssignal und warum kann es auch bei der Hundepflege hilfreich sein?

Das Kooperationssignal ist z. B. ein bestimmter Griff oder eine Berührung, die dem Hund anzeigt "jetzt kommt etwas", quasi eine kleine Vorwarnung, dass nun seine Kooperation gefragt ist. Wenn der Hund aus diesem vereinbarten Griff herausgeht, muss man reagieren und eine kurze Pause einlegen. Durch seine Möglichkeit, einen gewissen Einfluss auf die Situation nehmen zu können, agiert der Hund kooperativer als wenn man ihn überraschen würde.

Wie kann so ein Kooperationssignal aussehen?

Es gibt viele verschiedene Kooperationssignale. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Signal "Schnauze in die Hand legen" gemacht. Dabei hält man dem Hund die flache Hand vor die Schnauze und er legt seine Schnauze aktiv hinein. Solange die Schnauze in der Hand liegt, darf man bürsten. Sobald der Hund den Kopf aus der Hand rausnimmt, muss man aufhören zu bürsten. So fällt es dem Hund leichter, für ihn nicht ganz so angenehme Situationen "auszuhalten".

Wie übe ich ein Kooperationssignal ein?

  1. Das Signal aufbauen: Die Schnauze/den Kopf in die Hand legen - mit Leckerli belohnen
  2. Kopf länger in der Hand halten - belohnen
  3. Dann erst verbales Signal dazugeben: z. B. "Kinn" oder "Kopf"
  4. Wenn das gut funktioniert: verbales Signal geben, Hund legt Kopf in die Hand und hält für längere Zeit
  5. Wenn der Hund das eine zeitlang schafft, damit anfangen, kurz die Hand z. B. ans Ohr zu legen oder an der Seite zu streicheln (wo man später z. B. kämmen möchte)

Wichtig: Immer wenn der Hund aus dem Kooperationssignal rausgeht, gleich aufhören und erst weitermachen, wenn er den Kopf zurück in die Hand legt.

Bitte erst mit dem nächsten Schritt fortfahren, wenn der vorige sicher sitzt. Haben Sie Geduld - wenn das Kooperationssignal erst mal klappt, haben Sie ein sehr gutes Mittel gewonnen, das auch in anderen und neuen Situationen helfen kann.


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