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Hunde "Hilfe, mein Hund zieht!" - Tipps zur Leinenführung

Ein Spaziergang mit dem Hund könnte so entspannt sein, wenn da nicht das ständige Ziehen an der Leine wäre ... "Das lässt sich trainieren. Mit Geduld und Konsequenz können Hund und Halter das Problem miteinander in den Griff bekommen", sagt Anja Petrick, Hundetrainerin aus Stephanskirchen im Chiemgau.

Stand: 06.07.2018

Ricky ist aggressiv gegen andere Hunde | Bild: BR

Es gibt ja sehr viele unterschiedliche Ansätze in der Hundeerziehung. Welcher Ansatz liegt deiner Arbeit mit Hunden zugrunde?

Anja Petrick: "Ich stehe für einen fairen Umgang mit Hunden ohne Gewalt und Druck. Es ist mir wichtig, gemeinsam mit dem Hund zu arbeiten und nicht gegen ihn."

Warum ziehen manche Hunde so stark an der Leine?

"In vielen Fällen handelt es sich um Junghunde, die sehr viel Energie haben und deren Gehirn dank der Pubertät quasi 'wegen Umbaus geschlossen ist'. Die denken dann nicht mehr daran, dass am Ende der Leine ein Halter hängt, der es nicht so gut findet, durch die Gegend gezogen zu werden. Und es entspricht ja auch nicht dem normalen Hundeverhalten, durch eine Leine eingegrenzt zu werden, d. h. wir müssen unseren Hunden beibringen, dass es sich lohnt, an lockerer Leine zu laufen."

Gibt es Hunderassen, denen es an der Leine schwerer fällt als anderen?

"Eigentlich zieht sich dieses Problem durch alle Hunderassen, aber bei allen sehr agilen Rassen, z. B. bei Jagdhunden, tritt es gehäuft auf."

Wie gehst du das Problem an?

"Als erstes schaue ich, warum der Hund an der Leine zieht. Ist es ein Hund, der aus Angst oder Stress an der Leine zieht, muss man mit dem Training woanders ansetzen. Ist es ein Hund, der es einfach noch nicht gelernt hat, rate ich dazu, vor den Übungen, wenn möglich, den Hund erst einmal ohne Leine rennen zu lassen, damit der erste Dampf raus ist. Dann kann man zu den Übungen übergehen."

Übung 1: "stop & go"

"Ziel dieser Übung ist es, dass der Hund lernt, von selbst den Druck aus der Leine zu nehmen. Man geht mit dem angeleinten Hund los. Solange der Hund schön an lockerer Leine läuft, lobt man immer mal wieder, sobald der Hund in Zug kommt, bleibt der Halter ganz ruhig stehen. In dem Moment, in dem der Hund den Druck aus der Leine nimmt, wird er gelobt. Er bekommt kein Leckerli (er soll ja nicht lernen, zum Halter zurück zu laufen), aber wird deutlich gelobt und es geht weiter. Das Loben, sobald der Druck aus der Leine geht, ist sehr wichtig, damit der Hund weiß, dass das 'Druck aus der Leine Nehmen' das richtige Verhalten ist. Der Halter muss signalisieren: 'Das, was du jetzt machst, ist richtig, das möchte ich haben.'"

Wie oft trainiert man diese Übung?

"Die Leinenführigkeit zu trainieren ist recht anstrengend, weil es am Anfang viel 'stop & go' bedeutet. Diese Übung führt man 2-3 Minuten durch, danach lässt man den Hund wieder ohne Leine laufen. Hier empfehle ich: doppelt so lange im Freilauf wie an der Leine. Das geht natürlich nur, wenn der Hund auch ohne Leine abrufbar ist und man sich in einer Gegend befindet, in der der Hund gefahrlos freilaufen kann. Man sollte dabei immer im Kopf haben, dass dieses Training sehr viel Konzentration vom Hund erfordert und gerade für die jüngeren Hunde sehr schwierig ist."

Übung 2: "Richtungswechsel"

"Ziel dieser Übung ist es, die Aufmerksamkeit des Hundes mehr auf den Halter zu legen. Hier spricht der Hundehalter den Hund an und zwar kurz, bevor der Hund in die Leine zieht: 'Luna, wir gehen hier weiter' und zeigt die Richtung mit dem Arm an. Der Hund lernt dabei, die Aufmerksamkeit mehr auf den Halter zu legen. Das ist vor allem bei Hunden wichtig, die nur noch nach vorn schauen und wegziehen, statt in Verbindung mit ihrem Halter zu bleiben.

Diese Übung kann man gut auf einer freien Fläche oder Wiese üben, auf der man beliebig oft die Richtung wechseln kann, nämlich immer dann, bevor der Hund wieder in Zug kommt. Auch diese Übung sollte nicht länger als 2-3 Minuten durchgeführt werden."

Was für eine Ausrüstung empfiehlst du?

"Man sollte mit einer Leine von drei Metern Länge arbeiten, damit der Hund auch mal rechts und links gehen kann, ohne direkt auf Zug zu kommen. Außerdem ist ein gut sitzendes Brustgeschirr sehr wichtig, damit der Hund nicht am Halsband gewürgt wird."

Kann man die Leinenführigkeit auch noch mit älteren Hunden trainieren?

"Das klappt eigentlich mit jedem Hund, auch mit älteren Hunden. Ich habe selbst einen älteren Hund, der viele Flausen im Kopf hat, aber sehr lernwillig ist. Wenn man den Hund positiv bestärkt, ihm beharrlich zeigt, wie der richtige Weg aussieht, statt nur mit 'nein' zu arbeiten, klappt es ziemlich gut."

Wie lange braucht es deiner Erfahrung nach, dass Spazierengehen an der Leine ohne Ziehen möglich ist?

"Das hängt von Mensch und Hund ab. Wer keine Geduld hat, wird sicher länger brauchen, seinen Hund auf den richtigen Weg zu bringen, als konsequente Hundehalter. Dranbleiben ist wichtig, auch wenn es anstrengend ist, dann kann es innerhalb von drei Wochen erledigt sein. Wer weniger intensiv arbeitet, kann auch ein halbes Jahr oder länger damit beschäftigt sein. Es hängt auch davon ab, wie der eigene Hund drauf ist und viele andere Faktoren spielen eine Rolle, wie passende Auslastung etc. Sollte sich durch dieses Training keinerlei Besserung ergeben, suchen Sie sich bitte einen positiv arbeitenden Trainer, der dann für Sie und Ihren Hund ein passendes Trainingsprogramm erarbeitet."


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