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Hunde "Meiner tut nix..." - Hundebegegnungen

Für jeden Hundehalter, für jede Hundehalterin, ist eine Sache klar: Man muss raus mit dem Tier. Spielen, Trainieren, Notdurft-Verrichten, der Hund "zwingt" einen an die frische Luft. Das ist gesund und macht Freude, kann aber auch in Stress ausarten, wenn das eigene Tier seine Artgenossen nicht besonders gut leiden kann…

Stand: 21.06.2019

Hunde bellen sich an  | Bild: picture-alliance/dpa

Nicht jeder Hund mag andere Hunde. Hundetrainerin Anja Petrick zählt einige Hundehalter zu ihrer Kundschaft, deren Tiere aggressiv auf andere Hunde reagieren. Das Gassigehen kann dann schnell zur Qual werden, wenn so eine "Krawallnudel" zerrend und bellend an der Leine hängt, sobald ein anderer Hund auftaucht.

Ursachen für das Verhalten von Hunden bei Begegnungen mit andern Hunden

  • Schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit: Eine Rauferei, ein Beißvorfall, und so mancher Hund hat den Rest seines Lebens Panik vor anderen Hunden. Er agiert dann frei nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung!"
  • Sogenannte "Leinenaggression": Möglicherweise hat der aggressive Hund o.g. Erfahrungen gemacht, als er angeleint war, dann ist sein Verhalten nicht auf den anderen Hund, sondern auf das "An-der-Leine-Sein" zurückzuführen – ohne Leine sind Hundebegegnungen dann eventuell gar kein Thema mehr. Oder aber er projiziert den Schmerz, den er beim ruckartigen Zurückziehen durch seine*n Halter*in spürt, auf den anderen Hund. Das Tier merkt sich: "Kommt ein anderer Hund auf mich zu, dann tut das weh."
  • Schlechte Sozialisation: Manche Hunde haben schlichtweg nie gelernt, wie sie mit anderen Hunden umgehen sollen, und verspüren deshalb Angst.
  • Hohes Alter: Alte und/oder kranke Hunde können mit aufdringlichen anderen Hunden oft nicht mehr viel anfangen. Die Knochen schmerzen, das Sehvermögen ist eingeschränkt, da reagieren einige auf andere eher unwirsch oder ihnen ist der Kontakt schlichtweg unangenehm, selbst wenn sie nicht aggressiv reagieren.
  • Ungleiche Passung: Ein Chihuahua ist deutlich empfindlicher als ein Labrador. Wenn man nun seinen Labrador ungehindert auf einen Chihuahua treffen lässt, kann dies für den kleineren Hund sehr schmerzhaft werden, auch wenn der andere Hund "nur spielen" möchte. Stellen Sie sich einfach vor ein 15-jähriger Junge schubst einen 3-jährigen um, weil er "nur" rumgealbert hat. Das würden Sie doch auch nicht zulassen.

Die "Etikette" unterwegs

Ist man nun mit seinem Hund unterwegs und wünscht keinen Kontakt zu anderen Hunden – sei es nun, weil der entgegenkommende Hund doppelt so groß ist wie der eigene, man selbst gerade trainiert mit seinem Hund, oder man eine "Krawallnudel" an der Leine hat, empfiehlt es sich, anzuleinen, Distanz zu anderen Hunden zu halten und ggf. weiträumig auszuweichen. Entdeckt man in der Ferne einen anderen Hund, sollte die Leine verkürzt werden und der Hund mit entsprechenden Kommandos und Trainingsmethoden beruhigt werden.

Kommen die anderen Hundehalter bzw. deren möglicherweise freilaufenden Hunde trotzdem auf einen zu, bittet man diese höflich, noch aus sicherer Entfernung, ihren Hund abzurufen.

Wenn das nicht funktioniert, kann es zu unschönen Situationen und leidigen Diskussionen kommen.

 „Mein Hund tut nix-Situation“

Jeglicher Trainingserfolg kann binnen Sekunden um Wochen zurückgeworfen werden, wenn die Halter*innen anderer Hunde keine Notwendigkeit sehen, ihren Hund zurückzurufen und auf Distanz zum eigenen Tier zu halten. Der Grund dafür: Ihr Hund "tut ja nix".

"Das ist falsch, der andere Hund tut sehr wohl etwas," so Anja Petrick, "er zwingt meinen Hund zu einer Reaktion!"

Hier eine Auswahl der häufigsten Sätze, mit denen die Hundetrainierin konfrontiert wird, und ihre Antworten:

  • "Die regeln das schon unter sich!" – "Nein, das müssen die Hunde nicht unter sich regeln, und ich möchte auch gar nicht, dass mein Hund meint, er muss das regeln. Das kann erstens ungut für den anderen Hund ausgehen, zweitens wirft uns das, wie schon erwähnt, im Training zurück."
  • "Meiner hält was aus." – "Hier möchte ich am liebsten jedes Mal fragen: Ist das Ihr Ernst? Sie lassen Ihren Hund bewusst in eine Begegnung laufen, in der er verletzt, zumindest aber mal sehr grob von einem anderen Hund behandelt wird? Sie wollen doch auch nicht, dass ihr Kind von einem anderen angegriffen oder geschubst wird und sich eine blutige Nase holt."
  • "Sie sollten mal in die Hundeschule gehen, Ihrer ist ja aggressiv!" – "Meiner hätte nicht aggressiv reagiert, hätten Sie die Distanz eingehalten, um die ich sie bat, und damit das Training der letzten 3 Wochen zerstört haben. Darf ich Ihnen die Rechnung für die nächsten Trainings schicken, bis wir wieder an dem Punkt sind, an dem wir waren bis ihr "Tut nix" in uns reingerannt ist?"
  • Und der Klassiker: "Meiner tut nix!" - "Aber meiner!" 

Und darum die Bitte an alle glücklichen Besitzer*innen von "braven" Hunden: Wenn Ihnen jemand mit angeleintem Hund entgegenkommt, leinen Sie Ihren ebenfalls an. Wenn sie sehen, dass ein*e andere*r Hundehalter*in mit seinem Tier auf Distanz geht, respektieren sie das und halten Sie diese Distanz ein, lassen Sie Ihren Hund nicht hinlaufen. Gehen Sie zügig an dem anderen Mensch-Hund-Team vorbei, ohne belehren zu wollen oder eine Diskussion anzufangen. Denken Sie daran: Es wird einen guten Grund geben, warum die anderen Ihnen ausgewichen sind.

Falls das Abrufen noch nicht so gut funktioniert: Bitte gehen Sie vorausschauend spazieren und leinen Sie Ihren Hund frühzeitig an. Die "Krawallnudel"-Halter*innen werden es Ihnen danken!


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