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Hundeerziehung Hund anschaffen: vom Züchter, aus dem Tierheim oder aus dem Ausland?

Homeoffice, viel Zeit zu Hause, allein im Lockdown - diese Umstände sorgen nun schon seit geraumer Zeit dafür, dass immer mehr Menschen "auf den Hund kommen". Doch gleichzeitig füllen sich die Tierheime mit "Lockdown-Hunden", deren Besitzerinnen und Besitzer mit den Konsequenzen der Haustierhaltung dann doch überfordert waren. Damit es nicht so weit kommt, hat Hundetrainerin Anja Petrick zahlreiche Tipps für all diejenigen, die zurzeit mit dem Gedanken spielen, sich einen Hund anzuschaffen.

Stand: 11.02.2021

Ein Jack Russel-Welpe liegt auf seinen Pfoten und schaut den Betrachter an | Bild: mauritius images / Pitopia / fdenb

Was erwartet mich beim Züchter?

Sie haben sich informiert, Rassebücher gewälzt, mit Züchtern und Hundehaltern gesprochen und sich letzten Endes für eine bestimmte Hunderasse entschieden? Dann sollten Sie beim Züchter auf folgende Dinge achten:

  • Wird mit mehr als einer Rasse gezüchtet oder gibt es mehrere Würfe auf einmal?

Ein seriöser Züchter bietet nicht mehrere Rassen auf einmal an und sollte auch nicht mehrere Würfe gleichzeitig haben. Hier ist die Gefahr zu groß, dass es sich um illegalen Welpenhandel handelt, oder der Züchter sich nicht ausreichend um die Aufzucht und Sozialisierung der Welpen kümmern kann.

  • Dürfen Sie "Ihren" Welpen öfter besuchen und ist die Mutterhündin bei diesen Besuchen anwesend?

Dies sollte immer möglich sein. Schauen Sie sich die Mutterhündin ebenfalls genau an. Ist sie freundlich mit ihren Welpen und geht sie offen auf Menschen zu? Lassen Sie sich, wenn möglich, auch Fotos oder Videos vom Vater zeigen.

  • Stellt der Züchter viele Fragen und möchte wissen, wie sein Schützling bei Ihnen leben wird?

Das ist ein sehr gutes Zeichen! Ein seriöser Züchter hält die Verbindung zu Ihnen und möchte das bestmögliche Zuhause für seine Welpen. Seien Sie also nicht irritiert, wenn Ihnen viele Fragen gestellt werden.

  • Wie reagieren die Hunde auf den Züchter und auf Sie?

Gehen die Welpen angstfrei und neugierig auf Sie zu und freuen sich, wenn der Züchter kommt? Oder sind sie zögerlich und verstecken sich vielleicht sogar vor Menschen? Im letzteren Fall würde ich davon abraten, aus dieser Zuchtstätte einen Welpen zu nehmen.

  • Sehen die Welpen gesund aus?

Das Fell und die Augen sollten glänzen. Genauso wichtig ist es, dass die Welpen gut genährt sind. Sie sollten agil sein (außer, es ist gerade Schlafenszeit) und sich nicht permanent von allen anderen zurückziehen.

Extratipp

Suchen Sie im Internet nach "Ihre-ausgesuchte-Rasse in Not". Hier finden Sie häufig deutlich ehrlichere Einschätzungen der Rasse, als beim Züchter oder begeisterten Halter der entsprechenden Rasse.

Ein Hund aus dem Tierheim?

Sie haben sich für einen Hund aus dem Tierschutz entschieden? Egal ob es ein Welpe oder ein erwachsener Hund ist, Sie sollten unbedingt folgende Dinge beachten:

  • Oft sind die Aufzuchtbedingungen nicht bekannt. Es kann sein, dass die Hunde krank sind, stressanfälliger sind, oder ein schlechtes Immunsystem haben.
  • Die Tierschutzorganisation oder das Tierheim sollte Vor- und Nachkontrollen durchführen. Nur so können Sie sicher sein, dass es ein seriös arbeitender Verein ist.
  • Hunde aus dem Tierschutz können Überraschungspakete sein. In der Regel benötigen sie ca. 3 Monate, bis sie richtig angekommen sind und zeigen häufig erst dann ihren wahren Charakter. Das kann positiv sein, es kann aber auch sein, dass Verhaltensweisen zum Vorschein kommen, die unerwünscht sind.
  • Gehen Sie öfter mit dem Hund Ihrer Wahl spazieren, fragen Sie die Organisation auch über seine negativen Eigenschaften aus. Je mehr Sie über Ihren neuen Mitbewohner wissen, umso besser. Oft ist zwar nicht viel bekannt über die Hunde, aber die Mitarbeiter können eine gute Einschätzung geben, wie sich der Hund im Tierheim entwickelt hat.

… oder ein Hund aus dem Ausland?

Sie haben sich im Internet in einen Hund aus dem Ausland verliebt? Ich bin eine große Freundin von Tierschutzhunden, sehe aber gerade für Ersthundhalter die Adoption eines Hundes, den Sie vorher nicht kennenlernen können, kritisch.

Auf folgende Dinge sollten Sie deshalb achten

  • Informieren Sie sich über die Tierschutzorganisation. Leider arbeiten nicht alle sauber und manche vermitteln nur des Vermittelns wegen. Wenn dann ein Straßenhund bei Ihnen zuhause landet, der lieber auf der Straße geblieben wäre und gar nicht mit den Regeln der Menschen klarkommt, ist das für beide Seiten keine gute Vermittlung.
  • Sie müssen mit allem rechnen. Dadurch, dass sich Hund und Mensch nicht kennenlernen konnten, fällt das langsame Sich-aufeinander-Einstellen weg.
  • Ihr Hund wird nach dem Transport sehr k.o. sein und zunächst viel Ruhe brauchen.
  • Eine doppelte Sicherung ist unabdingbar, das sollte Ihnen auch die Tierschutzorganisation genau erklären. Auslandshunde können in unserer engen Welt überfordert sein und mit Flucht reagieren. Vorsicht ist also das Gebot der Stunde.
  • Häufig sind auch erwachsene Hunde aus dem Ausland (noch) nicht stubenrein.

Wie bereite ich mich auf einen Hund vor?

Sie haben sich für einen Hund entschieden und das Einzugsdatum steht auch schon fest?

Dann sollten Sie folgende Dinge besorgen:

  • 1 Fressnapf
  • 2 Wassernäpfe (einer steht neben dem Futter, der zweite in einem anderen Raum oder im Garten)
  • Mindestens 2 verschiedene Liegeplätze: Decke, Körbchen oder Kissen. Erkundigen Sie sich, ob bekannt ist, welche Vorlieben der Hund hat.
  • Spielzeug für Hunde (v. a. bei Welpen wichtig)
  • Gutsitzendes Brustgeschirr, im Falle eines Tierschutzhundes ein Sicherheitsgeschirr
  • 3 Meter Leine, im Falle eines Tierschutzhundes 5 oder 10 Meter Leine
  • Futter (zu Beginn, wenn möglich das Futter, welches er bisher gewohnt ist. Nach und nach können Sie auf ggf. hochwertigeres Futter umsteigen)
  • Sicherung für das Auto: Box, Anschnallgurt oder Gitter für den Kofferraum

Worauf muss ich in der ersten Woche achten?

Ihr Hund ist endlich da! Und auch wenn Sie wahnsinnig stolz auf Ihren neuen Mitbewohner sind, beachten Sie in der Anfangszeit bitte folgende Punkte:

Veranstalten Sie keine Willkommensparty für Ihren Hund

Nachbarn, Freunde und Familie können ihn auch noch in ein paar Wochen kennenlernen. Die erste Woche gehört Ihnen, Ihrem Hund und der bei Ihnen lebenden Familie. Lassen Sie ihn in Ruhe ankommen und sein neues Zuhause kennenlernen.

  • Geben Sie Ihrem Hund Zeit
  • … sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden. Das bedeutet, dass Sie ihn nicht gleich am ersten Tag mit ins Café nehmen, ihm die Stadt zeigen oder eine schöne Bergtour mit ihm gehen. Entspannte Spaziergänge, die zu Beginn immer die gleichen Runden beinhalten, machen es dem Hund leichter, sich einzugewöhnen.
  • … die neuen Regeln kennenzulernen, die in Ihrem Zuhause für ihn gelten. Je mehr Geduld Sie haben und je fairer Sie Ihrem Hund diese Regeln erklären, desto schneller wird er lernen.
  • … zum Schlafen! Hunde brauchen 16-20 Stunden Schlaf am Tag! Je mehr Ihr Hund ruht, desto besser.

Lassen Sie sich nicht verunsichern!

Sobald Sie mit Ihrem Hund spazieren gehen, werden Ihnen viele Menschen begegnen, die es besser wissen als Sie, wie ein Hund erzogen wird. Ihnen werden seltsame Tipps und Methoden zu Ohren kommen: Wasser ins Gesicht des Hundes spritzen, am Halsband rucken, in die Seite zwicken, etc.

Lassen Sie sich in solchen Fällen nicht auf Diskussionen ein, bevor Sie nicht genug Wissen rund um den Hund und Lerntheorie haben, um solchen Menschen freundlich und fachlich zu kontern.

Eine gute Wahl bei der Hunde-Anschaffung wünschen Ihnen "Wir in Bayern" und Hundetrainerin Anja Petrick!


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