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Hundeerziehung Tipps, wenn Sie sich einen Hund anschaffen möchten

Homeoffice, viel Zeit zu Hause, allein im Lockdown - diese Umstände sorgen nun schon seit geraumer Zeit dafür, dass immer mehr Menschen "auf den Hund kommen". Doch gleichzeitig füllen sich die Tierheime mit "Lockdown-Hunden", deren Besitzerinnen und Besitzer mit den Konsequenzen der Haustierhaltung dann doch überfordert waren. Damit es nicht so weit kommt, hat Hundetrainerin Anja Petrick zahlreiche Tipps für all diejenigen, die zurzeit mit dem Gedanken spielen, sich einen Hund anzuschaffen.

Stand: 28.01.2021

Dachshund puppy indoors | Bild: picture alliance / Mary Evans Picture Library | Jean-Michel Labat

Das Thema "Hunde-Anschaffung" ist groß und breit gefächert. Folgende Fragen sollten Sie sich stellen:

Passt ein Hund in Ihr Leben?

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Hund ein gutes Leben bei Ihnen führen kann:

  • Der Hund ist maximal 4-5 Stunden am Tag alleine.
  • Sie verfügen über Geldreserven, um eventuell anfallende Tierarztkosten und eine Hundeschule bezahlen zu können.
  • Sie haben 2-3 Stunden am Tag Zeit, sich mit dem Hund zu beschäftigen: Training und Gassigehen sind zeitintensiv. Außerdem sollten Sie sich auch einmal die Woche die Zeit nehmen, mit ihm eine Hundeschule zu besuchen.
  • Jeder in der Familie ist mit der Anschaffung eines Hundes einverstanden.
  • Ein Hund kann bis zu 15 Jahre alt werden. Sie sind bereit, über einen langen Zeitraum die Verantwortung für ihn zu übernehmen.
  • Sie haben jemanden, der auf Ihren Hund aufpasst, wenn Sie in den Urlaub fahren oder können ihn mitnehmen. Was ist, wenn Sie in den Urlaub fahren? Kann Ihr Hund mitgenommen werden oder haben Sie jemanden, der auf ihn in dieser Zeit aufpasst?
  • Außerdem sollten Sie sich Gedanken machen, wer Ihren Hund ausführen kann oder ganz betreuen kann, wenn Sie krank sind.

Grundsätzlich gilt:

Wenn Sie viel unterwegs sind, abends gerne ausgehen, es Ihr Job nicht erlaubt, einen Hund mitzubringen und Sie Vollzeit arbeiten, ist ein Hund in diesem Abschnitt Ihres Lebens keine gute Idee.

Wenn Sie aber Teilzeit oder von zuhause aus arbeiten können, gerne Urlaub machen, bei dem ein Hund mitkommen kann und Sie grundsätzlich bei jedem Wetter in der Natur sein möchten, dann lohnt es sich, den nächsten Schritt zu tun und zu überlegen, was für ein Hund der richtige für Sie sein könnte.

Welcher Hund passt zu Ihnen?

Die Vielfalt an Rassen und Mischungen ist kaum zu überschauen. Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter und die einzelnen Rassen sind auf bestimmte Verhaltensmerkmale gezüchtet worden. Daher sollten Sie sich vor der Anschaffung eines Hundes Gedanken machen, welche Eigenschaften er mitbringen sollte, damit ein harmonisches Zusammenleben möglich ist.

  • Wo und wie leben Sie? In einer kleinen Wohnung im 6. Stockwerk ist ein kleinerer Hund besser aufgehoben als eine Dogge.
  • Was für ein Auto fahren Sie? Auch hier kann die Größe ein Ausschlusskriterium sein.
  • Sind Sie sehr sportlich unterwegs oder eher Typ "Couchpotatoe"?
  • Haben Sie eine große Familie mit Kindern? Oder ist bei Ihnen einfach viel los? Dann sollten Sie darauf achten, dass Ihr Hund nervenstark ist.
  • Wie fit sind Sie? Schaffen Sie es körperlich, einen größeren Hund im Notfall zu halten, wenn dieser zu seinem Spielkumpel will?
  • Wie viel möchten Sie trainieren? Manche Rassen sind anspruchsvoll und müssen deutlich mehr beschäftigt werden als Hunde, die vom Wesen her eher anpassungsfähig sind. Aber auch im letzteren Fall sollten Sie so viel wie möglich über Ihren Hund lernen, um ihn gut durchs Leben führen zu können.

Sie haben genügend Zeit, Geld und eine gute Vorstellung davon, was Ihr Hund für Voraussetzungen mitbringen sollte? Dann können Sie zum nächsten Schritt übergehen.

Soll es ein Welpe sein?

Die meisten Menschen möchten einen kleinen Welpen haben. Welpen sind süß und man kann sie sich so erziehen, wie man es gerne hätte. Oder vielleicht auch nicht?

Die Vorteile:

  • Sie haben die Erziehung selbst in der Hand.
  • Die Welpenzeit ist sehr intensiv und fördert eine starke Bindung zwischen Mensch und Tier.
  • Sie können die Grundsteine für ein gutes Zusammenleben legen.
  • Es ist wunderschön, die "Kinderstube" mitzubekommen.

Die Nachteile:

  • Welpen lernen frühestens ab dem 5. Monat das Alleinbleiben. Das heißt, ein sechs Monate alter Junghund schafft es langsam, vier Stunden alleine zu bleiben. Wenn Sie das nicht gewährleisten können, sollten Sie überlegen, ob ein etwas älterer Hund, der schon alleine bleiben kann, eine bessere Wahl wäre.
  • Die Beißhemmung muss noch erlernt werden, die spitzen Zähnchen können schmerzhaft sein.
  • Die Stubenreinheit muss erlernt werden.
  • Wenn Kinder im Haushalt sind: Je kleiner die Kinder sind, desto schwieriger wird es, alle unter einen Hut zu bekommen.
  • Ein Welpe ist deutlich anstrengender, als Sie zu Beginn möglicherweise glauben!

Welpen können zuckersüß sein, doch mit einem Senior im eingespielten Team kann das Leben unter Umständen entspannter sein. Deshalb sollten Sie sich auch mit den Vor- und Nachteilen dieser Variante auseinandersetzten.

… oder lieber ein erwachsener Hund?

Auch dieser Schritt sollte gut überlegt sein.

Die Vorteile:

  • Wenn Sie Glück haben, sind die Grundlagen einer guten Erziehung bereits vorhanden.
  • Die meisten erwachsenen Hunde können nach einer Eingewöhnungsphase problemlos alleine bleiben.
  • Sie kennen den Charakter des Hundes und können besser einschätzen, was auf Sie zukommt (z. B. Verträglichkeit mit Kindern).
  • Hunde, die älter als 2 Jahre sind, haben die anstrengende Phase der Pubertät bereits hinter sich.

Die Nachteile:

  • Bestimmte unschöne Verhaltensweisen haben sich eventuell bereits gefestigt und benötigen viel Zeit, um wieder umtrainiert zu werden.
  • Gerade Tierschutzhunde können Überraschungspakete sein und Sie sehen erst nach Wochen oder Monaten, wie sie sich entwickeln.

Egal ob Welpe oder erwachsener Hund - Sie sollten sich sowohl die Züchter als auch die Privatpersonen sowie die Tierschutzorganisationen Ihrer Wahl genau ansehen.

Worauf Sie hierbei achten sollten, erfahren Sie im zweiten Teil, Fortsetzung folgt!

Eine gute Wahl bei der Hunde-Anschaffung wünschen Ihnen "Wir in Bayern" und Hundetrainerin Anja Petrick!


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