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Hundeerziehung Tipps für den Umgang mit älteren Hunden

Auch Hunde bleiben nicht ewig jung! Irgendwann springen sie nicht mehr so hoch und laufen nicht mehr so schnell wie früher. Wenn unsere Vierbeiner in die Jahre kommen, bedeutet das auch für uns Halter*innen, dass wir unseren Alltag darauf einstellen müssen. Wie das gelingt, verrät Hundetrainerin Anja Petrick.

Stand: 16.07.2020

Ein alter Mischlingshund liegt am 15.03.2019 in Hamburg in seinem Hundekorb. | Bild: picture alliance / Markus Scholz

Wenn der beste Freund des Menschen ins "Seniorenalter“ kommt, ändert sich auch der Tagesablauf von Frauchen und Herrchen. Für Hundetrainerin Anja Petrick sind betagte Hunde ein Herzensthema:

"Ich persönlich bin ein riesengroßer Fan von alten Hunden. Sie haben unglaublich viel Charme, Lebenserfahrung und oft auch eine gehörige Portion ‚Dickschädel‘. Das Leben mit älteren Hunden kann natürlich anstrengend sein. Man muss mehr putzen und den eigenen Alltag umstellen, um es dem Senior so angenehm wie möglich zu machen. Aber es lohnt sich. Ich finde, das sind wir unseren Hunden auch schuldig. Sie gehen mit uns ihr Leben lang durch dick und dünn. Da sollten wir in der letzten Lebensphase auch für unsere Hunde da sein.“

Ältere Hunde bleiben nicht gerne alleine

Wenn Augen und Ohren nicht mehr so gut funktionieren und auch der Hund nicht mehr so fit ist, fühlen sich viele ältere Tiere unsicher. Damit geht oft einher, dass sie nicht mehr so gerne alleine bleiben und sich sicherer fühlen, wenn ihre Menschen daheim sind.

Das Zuhause sollte angepasst werden

Die Kraft lässt nach, immer mehr Wehwehchen stellen sich ein und der Körper wird immer wackliger. Glatte, rutschige Böden sind deshalb für viele Hunde-Senior*innen ein echtes Problem und Treppen können sogar gefährlich werden. So können Sie Ihrem Hund in dieser Zeit helfen:

  • Legen Sie Teppiche auf rutschigen Böden aus, damit Ihr Hund einen besseren "Grip“ hat und nicht wegrutscht.
  • Bringen Sie Rampen an, wenn Ihr Hund beispielsweise die Treppe zur Terrasse nicht mehr alleine hochkommt.
  • Sichern Sie Treppen mit Türgittern, damit er nicht aus Versehen runterpurzelt oder beim Hochgehen schlappmacht.
  • Lassen Sie den Hund ganztägig ein Brustgeschirr tragen, denn so können Sie ihm beim Aufstehen helfen und beim Treppengehen gut sichern.
  • Räumen Sie nicht zu viel in der Wohnung um, wenn Ihr Hund nicht mehr so gut sieht, denn er braucht dann die Vertrautheit der alten Umgebung, um nicht versehentlich irgendwo dagegen zu laufen.
  • Gestalten Sie den Tagesablauf so vorhersehbar wie möglich, denn Rituale geben Sicherheit, ganz besonders im Alter.
  • Bewahren Sie Geduld und Ruhe, denn auch Hunde können dement und verwirrt werden und beispielsweise "Geister" im Garten verbellen oder nicht mehr den Weg zurückfinden.
  • Wechseln Sie auf lange Leine statt Freilauf, wenn das Hörvermögen Ihres Hundes nachgelassen hat, so muss er in einer Notlage nicht unbedingt abrufbar sein.
  • Schaffen Sie einen Hundewagen an, falls Ihr Hund nicht mehr so gut zu Fuß sein sollte, Sie aber dennoch größere Runden unterwegs sein möchten. Hier kann er einfach einsteigen, wenn er nicht mehr kann.

Thema Gesundheit

Im Alter muss man sich, auch bei Hunden, auf alles Mögliche einstellen: Es kann sein, dass Ihr Hund inkontinent, blind oder taub wird. Die Kraft lässt nach und die Knochen schmerzen. Dadurch entstehen natürlich Verspannungen. Bitte schimpfen Sie Ihren alten Hund nicht, wenn er oder sie inkontinent wird, und mal etwas danebengeht. Kein Hund macht dies mit Absicht und den meisten ist es sogar sehr unangenehm. Manchmal können bei diesem Problem Medikamente helfen, manchmal sind Windeln keine schlechte Lösung. Hier müssen Sie aber darauf achten, ob Ihr Hund diese auch gerne trägt und sie müssen selbstverständlich regelmäßig gewechselt werden!

Um Körper und Geist Ihres Hundes auch im Alter noch fit zu halten, empfehlen sich folgende Maßnahmen:

  • Check-Up beim Tierarzt: Lassen Sie ab einem Alter von 10 Jahren jährlich Blutbilder erstellen und allgemeine Gesundheit überprüfen. So können eventuelle Krankheiten früh erkannt und therapiert werden.
  • Besuch beim Hundephysiotherapeuthen: Hier werden Verspannungen gelöst und Übungen gezeigt.
  • Gymnastik und Kopfarbeit: Viele ältere Hunden lieben es, wenn man im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit ihnen arbeitet und sie nicht einfach aufs Abstellgleis stellt.
  • Schmerzmittel: Wenn Physiotherapie und natürliche Futterzusätze für ein schmerzfreies Leben nicht mehr ausreichen, muss in Absprache mit dem Tierarzt medikamentös geholfen werden, wobei es hier auch natürliche Heilmittel und Präparate gibt. Unter Berücksichtigung der Blutwerte lassen sich Schmerzmittel am besten einstellen.

Hundebegegnungen im Alter

Es kann sein, dass Ihr Hund im Alter nicht mehr ganz so freundlich auf andere Hunde reagiert. Gründe gibt es dafür genug, vielleicht hat er Schmerzen oder er erschrickt sich schlicht, da er aufgrund der Einschränken seiner kognitiven Fähigkeiten den anderen Hund erst spät wahrnimmt. Bitte schützen Sie Ihren Hund vor zu aufdringlichen Jungspunden und geben Sie ihm den Raum, den er braucht!

Wenn Ihr Hund nicht mehr gut sieht oder hört, können Sie ihn mit Signalen ggf. darauf aufmerksam machen, dass ein anderer Hund auf ihn zukommt.

Vielleicht genießt Ihr Hund aber auch, mit anderen gemütlichen Hunden gemeinsam eine entspannte Runde zu gehen. Solche "Seniorenausflüge“ sollten Sie, wenn machbar, ermöglichen.

Plädoyer für "Best Ager“-Hunde

Anja Petrick:
"An dieser Stelle möchte ich noch eine Lanze für ältere Hunde aus dem Tierschutz brechen. Auch wenn der Abschied dann schwerfällt, ich möchte keine Minute missen, die ‚mein‘ Kasper bei mir verbracht hat. Er ist mit ca. 14 Jahren bei mir eingezogen und mit 16 Jahren verstorben. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich alles genauso wieder machen. Dieser kleine Hund hat jedem ein Lächeln auf die Lippen gezaubert und mein Leben so sehr bereichert!“


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