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Hunde "Runter vom Sofa!" - Hundealltagsregeln

Betteln am Tisch, aufs Sofa springen und Pantoffel klauen - drei "Klassiker" im Alltag mit Hunden, die noch nicht gelernt haben, wie ihre Menschen es gern hätten. "Das Training für diese Alltagsregeln ist ganz einfach", sagt Hundetrainerin Anja Petrick und gibt Tipps, wie Sie "schlechte Angewohnheiten" Ihres lieben Vierbeiners in den Griff bekommen.

Stand: 15.05.2019

Hund auf Sofa  | Bild: colourbox.com

Der Hund "bei Tisch", der Hund auf dem Sofa und "Gib das her" - Alltagsregeln für die lieben Vierbeiner. Hundetrainerin Anja Petrick gibt Tipps, wie Sie mit Ihrem Hund üben können.

Betteln am Tisch ist eine "schlechte Angewohnheit", die die meisten Hundebesitzer nicht gern sehen und manchmal recht hartnäckig sein kann...  

Die meisten Hunde essen nun mal gerne. Das Betteln am Tisch verfestigt sich meistens aus zwei Gründen:

  • Der Hund hat einmal angefangen zu betteln, weil es für ihn appetitlich roch und hat daraufhin etwas vom Tisch bekommen. Also hat er gelernt, dass es sich lohnt zu betteln.
  • Der Hundehalter hat irgendwann damit angefangen, seinem Hund immer mal wieder etwas vom Tisch zu geben. Dadurch werden selbst aus Hunden, die nicht von sich aus betteln würden, Bettler am Tisch.

Wie gewöhne ich meinem Hund das Betteln am Tisch ab?

Das Wichtigste ist Konsequenz, das heißt, es gibt NIE etwas vom Tisch. Wichtig ist auch, dass sich die ganze Familie daran hält. Denn wenn einer immer wieder heimlich etwas vom Tisch gibt, wird der Hund das Betteln nicht aufhören können.

Außerdem können diese Dinge helfen:

  • Füttern Sie Ihren Hund bevor Sie essen - ein satter Hund tendiert nicht so stark zum Betteln wie ein hungriger.
  • Geben Sie Ihrem Hund etwas zum Knabbern, womit er länger beschäftigt ist während Sie essen. So hat er etwas zu tun und kein Verlangen, bei Ihnen zu betteln.

Kann der Hund mit Ausnahmen umgehen, ohne gleich wieder alles zu verlernen?

Das ist sehr schwierig für Hunde. Die Hunde, die zum Betteln neigen, tolerieren keine einzige Ausnahme. Sobald sie einmal wieder vom Tisch gefüttert wurden, geht die Bettelei wieder los. Aber Hunde lernen durchaus, bei wem sich das Betteln lohnt. Meine Kisha bettelt bei mir nicht, sobald Freunde da sind, von denen sie weiß, dass es etwas gibt, wird dort gebettelt...

Manche Hunde möchten am liebsten den ganzen Tisch abräumen, wenn etwas Gutes darauf liegt. Was tun?

Alles wegräumen ist das einzige was hilft! Man kann trainieren, dass sie es wenigstens lassen, wenn man anwesend ist, indem man sofort reagiert und zum Beispiel ein "Sitz" verlangt und anschließend lobt mit zum Beispiel "Unten ist prima!". Am besten ist es, den Hund abzulenken, noch bevor er zugreift - sobald er auch nur auf den Braten schielt: reagieren, zum Beispiel mit einem warnenden Ruf "Denk nach!"

Der Hund auf dem Sofa ist für einige Hundehalter eine gemütliche Vorstellung, für andere ein No-Go. Wie siehst du das?

Die Familie sollte für sich verbindlich klären, ob der Hund aufs Sofa darf oder nicht. Nicht jeder mag zum Beispiel Hundehaare oder eingeschleppten Dreck auf dem Sofa. Die weit verbreitete Meinung, der Hund sei schwerer erziehbar, wenn er solche "Privilegien" wie auf dem Sofa zu liegen genießt, ist übrigens Quatsch. Es entstehen dadurch keine Dominanzprobleme oder die Erziehung erschwere sich gar dadurch. Es hat allein damit etwas zu tun, ob ich den Hund bei mir auf dem Sofa haben möchte oder nicht. Für die Bindung zwischen Hund und Halter ist gemeinsames "Sofakuscheln" übrigens sehr gut, muss aber natürlich nicht sein.

Wie kann ich dem Hund beibringen, nicht einfach auf dem Sofa Platz zu nehmen?

Wenn ich verpasst habe, dass er aufs Sofa gehüpft ist, bitte ich ihn einfach, und das immer wieder bis es klappt, runter zu gehen. Erziehung bedeutet Anwesenheit, das heißt, ich versuche schon vorher zu sehen, wenn mein Hund aufs Sofa möchte und rufe ihn ab, bevor er drauf springt. Grundsätzlich ist es auch wichtig, konsequent zu sein. Es ist schlicht und ergreifend unfair, wenn einer im Haushalt erlaubt, dass der Hund mit aufs Sofa darf und der andere ihn immer schimpft, wenn er das tut. Also gilt: Erst besprechen alle Menschen im Haushalt die Regeln, die für den Hund gelten, und dann halten sich ausnahmslos alle an diese Regeln.

Wenn Sie den Hund ganz neu haben und ihn von Anfang an gar nicht erst daran gewöhnen, dass er mit auf dem Sofa liegt, werden Sie in der Regel kein Problem damit haben.

Alternativ könnte man den Hund an einen bestimmten Platz auf dem Sofa gewöhnen, zum Beispiel auf einer Decke?

Ja, das geht natürlich auch. So bringen Sie Ihrem Hund bei, dass er auf die Couch darf, wenn "seine" Decke dort liegt und ansonsten nicht:

  • Zum Trainingsaufbau legen Sie die Decke aufs Sofa und bitten den Hund hinaufzukommen. Dort wird er belohnt und gestreichelt (wenn er das Streicheln mag).
  • Wenn er sich woanders hinlegt auf dem Sofa, schicken Sie ihn freundlich wieder auf seine Decke zurück.
  • Sollte er aufs Sofa springen, wenn seine Decke nicht dort liegt, schicken Sie ihn runter.

Auch das Abgeben von Dingen, die der Hund nicht haben darf, sich aber stibitzt hat, ist eine wichtige Alltagsregel, die funktionieren sollte. Wie trainiert man "Gib’s mir", also das Abgeben von bereits aufgenommenen Dingen?

Das ist ganz wichtig - nicht nur, um Ihre Pantoffeln zu schützen, sondern auch, wenn es mal um eine Sache geht, die für den Hund gefährlich werden könnte. "Gib’s mir" kann man gut als Alltagsregel üben und wird zusätzlich bei Spaziergängen hilfreich sein, wenn der Hund irgendetwas Ungutes aufgenommen hat. Wir haben darüber schon mal im Zusammenhang mit dem Anti-Giftköder-Training gesprochen.

So können Sie üben:

  • Geben Sie Ihrem Hund etwas ins Maul, das er toll findet, z.B. ein Spielzeug (mit dem kann kurz gespielt/ leicht gerangelt werden) oder etwas zum Knabbern, das so groß ist, dass der Hund es nicht gleich abschlucken kann und Sie es festhalten können.
  • Dann halten Sie ihm ein richtig gutes Leckerli unter die Nase und sagen freundlich: "Gib’s mir!" Wenn der Hund das Spielzeug ausspuckt, bekommt er gleich das Leckerli aus der Hand und wird gelobt.
  • Wenn er aufgegessen hat, bekommt er das Spielzeug/ Knabberzeug, das er vorher abgegeben hat, zurück!
  • Trainieren Sie dies in den verschiedensten Situationen mit den unterschiedlichsten Dingen bis es sicher sitzt.

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