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Hundeerziehung Hund kommt nicht? Hier die besten Rückruf-Tipps

Wer kennt das nicht? Ohne Ablenkung ist der eigene Hund gut abrufbar. Doch sobald ein anderer Hund auftaucht, ist die gute Erziehung vergessen und es gibt kein Halten mehr. Die Ohren sind auf Durchzug gestellt, schließlich muss der andere Hund unbedingt begrüßt werden. Auch wenn der Jagdinstinkt erwacht, lassen sich Hunde oft nicht mehr abrufen. Doch das kann trainiert werden. Wie? Das erklärt Hundetrainerin Anja Petrick.

Stand: 27.04.2020

Spielende Hunde | Bild: picture-alliance/dpa/Sabine Schürhagel

Den Hund auch mal ohne Leine laufen lassen? Dann ist es unerlässlich, dass sich der Hund abrufen lässt. Bei den meisten Hunden funktioniert das ohne Ablenkung recht gut. Sobald jedoch ein anderer Hund auftaucht oder gar der Jagdinstinkt geweckt wird, weil der Hund zum Beispiel einen Hasen erblickt, lassen sich viele Hunde nicht mehr zurückrufen. Und bringen damit Ihre Besitzer schier zur Verzweiflung.

Doch auch das Abrufen unter Ablenkung kann und muss trainiert werden.  Wichtig ist, dass Ihr Hund vor diesem Training schon gut unter wenig Ablenkung abrufbar ist. Ist er das noch nicht, üben Sie bitte erst den Rückruf unter geringer Ablenkung, bevor Sie mit diesem Training von Hundeexpertin Anja Petrick beginnen:

Abruftraining unter Ablenkung

Sie benötigen:

  • 10 Meter Schleppleine
  • richtig gute Leckerchen ("Jackpot"-Belohnung)
  • einen zweiten, gelassenen Hund (am besten einen, mit dem Ihr Hund sich gut versteht)

So trainieren Sie das Abrufen unter Ablenkung

Ihr Hund ist an einer 10 Meter langen Schleppleine am Brustgeschirr eingehängt, der zweite Hund steht in großem Abstand von Ihnen und Ihrem Hund entfernt.

Gehen Sie auf den anderen Hund zu. Ist Ihr Hund ein Stück in Richtung des anderen Hundes gelaufen (maximal 5 Meter), rufen Sie ihn freundlich zurück. Verwenden Sie dabei das Abrufkommando, das Sie auch sonst haben. Bei Hundeexpertin Anja Petrick ist das "Schau mal her". Aber auch ein "Hier" oder "Komm" funktioniert gut.

Wenn der Hund jetzt kommt, wird er gelobt und erhält ein besonders gutes Leckerchen ("Jackpot"). Als zusätzliche Belohnung können Sie Ihren Hund mit dem anderen Hund spielen lassen. So lernt Ihr Vierbeiner, dass der Spaß nicht vorbei ist, wenn er abgerufen wird.

Zu Beginn ist es wichtig, das Ganze in einem Abstand zu trainieren, den Ihr Hund gut schafft.
Außerdem sollten Sie darauf achten, dass Ihr Hund nicht mit voller Wucht in das Ende der Schleppleine rennt. Denn auch am Brustgeschirr kann dies schmerzhaft sein.
Wiederholen Sie diesen Schritt zwei- bis dreimal.

Dann machen Sie die Übung langsam schwerer: Es geht immer näher zum anderen Hund heran, der andere Hund spielt währenddessen mit seinem Frauchen/Herrchen.
Funktioniert das gut an der Leine, beginnen Sie wieder in größerem Abstand, diesmal ohne Leine.

Wichtig: Bitte denken Sie daran, nie zu viel zu üben und die Belohnung muss immer richtig gut sein, damit die Motivation Ihres Hundes hoch bleibt.

"Jackpot"-Belohnung

Eine "Jackpot"-Belohnung ist ein äußerst gutes Leckerchen, dass der Hund sonst nicht bekommt. Geben Sie ihm davon viel, aber einzeln, damit es nicht mit einem Happs weg ist.

Notfallsignal einüben

Das Notfallsignal ist dafür da, Ihren Hund aus extrem hoher Ablenkung abzurufen, wenn er zum Beispiel einen Hasen jagen möchte.

Notfallkommando

Nutzen Sie für den Notfall ein Kommando, dass Ihr Hund noch nicht kennt, wie etwa "Kehrt" oder "Zurück". Empfehlenswert ist es auch, das Notfallsignal zusätzlich zum stimmlichen Kommando mit einer Pfeife aufzubauen, da eine Pfeife deutlich lauter und weiter zu hören ist.

Aber: Bauen Sie das Notfallsignal nicht nur mit einer Pfeife auf, denn dann nützt es Ihnen nichts, wenn Sie diese einmal zu Hause vergessen haben.

1. Woche:

  • Täglich ein- bis zweimal üben.
  • Notfallsignal geben, selbst umkehren und weglaufen.
  • Wenn der Hund kommt, ganz doll freuen und "Party machen", es gibt eine "Jackpot"-Belohnung.

2. Woche:

  • Täglich ein- bis zweimal üben, selbst nicht mehr laufen, aber immer noch wahnsinnig freuen, wenn der Hund kommt und "Jackpot"- Belohnung geben

3. Woche:

  • Immer seltener üben, denn irgendwann wird die schönste Party langweilig.
  • "Jackpot"-Belohnung und wahnsinnig freuen bleibt immer erhalten.

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