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Hunde Aggression gegen andere Hunde

Aufgestelltes Nackenhaar, gefletschte Zähne, Knurren, Bellen, Zerren an der Leine - manche Hunde sind nicht besonders gut auf andere Hunde zu sprechen. Eine für alle Beteiligten höchst unangenehme Situation, die zahlreiche Ursachen haben kann, sich aber durch gezieltes Training vermeiden lässt. Wie das geht, erklärt Hundetrainerin Anja Petrick.

Stand: 19.11.2019

Manchester-Terrier, knurrt / knurren, knurrend | Bild: picture alliance / Arco Images GmbH

Mögliche Ursachen für Aggression gegen andere Hunde

  • Ihr Hund hat schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden gemacht, wurde evtl. gemobbt, über den Haufen gerannt oder auch gebissen. Nun denkt er sich, dass Angriff die beste Verteidigung sei.
  • Ihr Hund hat Schmerzen oder gesundheitliche Probleme, die ihn reagieren lassen.
  • Ihr Hund ist alt. Alte Hunde reagieren häufiger unwirsch, weil sie keine Lust mehr auf "Junggemüse“ oder ungestüme Hunde haben.
  • Ihr Hund wurde mit unfreundlichen Methoden trainiert, z. B. dem Leinenruck am Halsband – hierbei lernt der Hund Folgendes: Sieht er einen anderen Hund, wird dieser mit dem schmerzhaften Leinenruck am Halsband verknüpft. Und damit haben Sie die klassische Leinenaggression.
  • Ihr Hund ist im pubertären Alter und reagiert nicht aggressiv, sondern schlicht und ergreifend frustriert, dass er nicht gleich zum Spielkumpel darf. Das Training ist ähnlich aufgebaut, da auch diese Hunde lernen sollten, dass man sich nicht "aufführen" muss, wenn man einen Spielkumpel entdeckt hat.

Bitte beachten Sie:

Im Folgenden werden nur kleine Ausschnitte eines möglichen Trainings behandelt! Wenn Hunde aggressiv reagieren, sollte vorher immer eine Anamnese gemacht werden: Gesundheitliche Aspekte, Lernerfahrungen sowie die Lebensumstände müssen in Betracht gezogen werden, um ein effektives Training durchführen zu können.

Trainingsmethode 1: Umgang mit der Leine

Sie brauchen eine mindestens drei Meter lange Leine und ein gut sitzendes Brustgeschirr. Bitte trainieren Sie keinesfalls am Halsband! Dies kann zu gesundheitlichen Schäden und weiteren Fehlverknüpfungen, bzw. vermehrter Aggression Ihres Hundes führen.

Wichtig ist zunächst, dass Sie selbst ein gutes Gespür für die richtige Leinenführung haben. Druck erzeugt Gegendruck! Wenn Sie also an der Leine rucken oder diese immer auf Spannung halten, wird Ihr Hund viel eher reagieren.

Wenn Ihr Hund stark auf andere Hunde reagiert, wird er selbstverständlich immer wieder in die Leine springen. Aber dann sollte zumindest von Ihnen nicht auch noch Druck aufgebaut werden, halten Sie stattdessen die Leine so locker es eben geht.

Hat Ihr Hund noch keine gute Leinenführigkeit und zieht grundsätzlich stark an der Leine, sollten Sie als erstes oder zumindest parallel auch an der Leinenführigkeit arbeiten.

Trainingsmethode 2: Hundebegegnungen

Das Zauberwort heißt hier: Abstand.

Im Training wird stets in dem Abstand gearbeitet, in dem es der Hund noch gut aushalten kann. Löst er z. B. ab einem Abstand von fünf Metern zum anderen Hund aus, fangen wir mit einem Abstand von mindestens sieben Metern an.

Übungsaufbau:

  • Ihr Hund nimmt den anderen Hund wahr.
  • Loben Sie ihn und geben Sie ihm eine sehr hochwertige Belohnung für das Ruhigbleiben.
  • Wiederholen Sie diesen Schritt so oft, bis Ihr Hund nicht mehr ganz so angespannt ist.
  • Machen Sie eine Pause! Entfernen Sie sich vom anderen Hund weit genug, dass sich Ihr Hund entspannen kann.
  • Wiederholen Sie den Schritt einige Male in dem Abstand, in dem Ihr Hund es vorher gut geschafft hat. Gehen Sie dann einen Schritt näher und trainieren Sie wie beim ersten Schritt.
  • Loben Sie Ihren Hund freundlich, wenn er sich von alleine abwendet oder Beschwichtigungssignale, wie Schnüffeln, Über-den-Fang-schlecken oder Blickabwenden, zeigt.
  • Wenn Sie sich dem anderen Hund nähern möchten, Ihr Hund sie aber ausbremst und langsamer wird, locken oder zwingen Sie ihn auf keinen Fall näher! Geben Sie ihm die Zeit, die er braucht. Zeigt Ihr Hund an, dass er mehr Abstand benötigt, dann sollte er diesen auch bekommen.

Das wird so lange geübt, bis Sie recht nahe an den anderen Hund herankommen, ohne dass Ihr Hund auslöst.

Wenn Sie auf den anderen Hund zugehen, tun Sie dies bitte in einem leichten Bogen. Das wird es Ihrem Hund deutlich leichter machen, da das Bogengehen zu den Beschwichtigungssignalen gehört.

Sollten Sie die Distanz falsch eingeschätzt haben und Ihr Hund doch auslösen, sprechen Sie ihn freundlich an und versuchen Sie ihn aus der Situation heraus zu holen. Vergrößern Sie wenn möglich wieder den Abstand. Ist das nicht möglich, bitten Sie Ihren Trainingspartner, den Abstand zu vergrößern!

Empfehlung:

Wenn Sie einen wirklich aggressiven Hund haben, sollten Sie den direkten Kontakt grundsätzlich nur im Beisein eines gewaltfrei arbeitenden Trainers aufbauen!

Trainingsmethode 3: Gemeinsame Spaziergänge in großem Abstand

Suchen Sie sich einen Trainingspartner, der einen möglichst entspannten Hund hat. Mit diesem gehen Sie in einem großen Abstand zueinander spazieren. Der Abstand sollte immer so gewählt sein, dass Ihr Hund den anderen wahrnehmen kann, gleichzeitig aber noch ruhig bleibt. Wenn Sie merken, dass Ihr Hund sich anspannt oder von selbst langsamer wird und einen größeren Abstand braucht, gewähren Sie Ihm dies selbstverständlich.

Grundsätzlich gilt: Je "langweiliger" das Training ist, desto besser ist es für Ihren Hund und umso schneller kann er lernen, dass andere Hunde keine Gefahr darstellen.

Zusätzlich ist es wichtig, dass Sie als Hundehalter viel über die Körpersprache Ihres Hundes lernen, um zu erkennen, wann er sich noch wohl fühlt und ab wann es ihm zu viel wird. Diese Signale sind oft sehr subtil und es braucht eine gute Beobachtung, um Hunde richtig lesen zu können.

Tipps für den Alltag

Natürlich ist es bei einem "normalen“ Spaziergang nicht immer möglich, den Abstand so einzuhalten, dass es für Ihren Hund gut ist. Achten Sie deshalb während des Trainings auf folgende Punkte:

  • Meiden Sie Strecken, auf denen viele Hunde unterwegs sind.
  • Wählen Sie Wege, auf denen Sie gut ausweichen können.
  • Wenn Sie doch mal nicht weit genug ausweichen können: Schimpfen Sie nicht mit Ihrem Hund, halten Sie ihn und warten ab bis er sich wieder beruhigt hat. Alles andere nutzt in diesem Moment eh nicht.
  • Legen Sie sich ein dickes Fell gegenüber anderen Menschen zu. Es wird Ihnen passieren, dass Sie gutgemeinte Ratschläge bekommen, oder abwertende Blicke, weil Sie so ein "Monster" an der Leine haben, oder auch Beschimpfungen, weil Sie Ihren Hund nicht im Griff haben. Keiner dieser Menschen kennt Sie oder Ihren Hund. Keiner hat das Recht, zu urteilen oder Sie abwertend anzureden. Ignorieren Sie solche Menschen, bitten Sie sie freundlich, weiterzugehen, und lassen Sie sich auf keine Diskussion ein, denn das hilft weder Ihnen noch Ihrem Hund!



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