BR Fernsehen - Wir in Bayern


1

Physiotherapie Physiotherapie nach Hüft-OP

Die Hüft-Totalendoprothese ist die am häufigsten implantierte Endoprothese in Deutschland. Jährlich werden hierzulande rund 200.000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt. Wie Physiotherapie beim Weg zurück zu einem funktionierenden, gesunden Körper helfen kann, erklärt Physiotherapeutin Andy Sixtus.

Stand: 10.06.2021

Wir können keinen Schritt gehen, ohne unsere Hüftgelenke zu bewegen. Kein Wunder also, dass sich bei vielen nach einigen Jahrzehnten ein gewisser Verschleiß bemerkbar macht, häufig in Form einer Koxarthrose. Faktoren wie Fehlstellungen, Überbelastung, Übergewicht, mangelnde Bewegung, viel Sitzen, oder auch nach Frakturen und rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen, wie zum Beispiel Arthritis, begünstigen diesen Prozess zusätzlich.

Bei verstärkten Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit, bedingt durch Koxarthorse, hilft oftmals nur noch eine Operation.

War erwartet mich nach einer Hüft-Operation?

Bei jeder OP werden umliegende Strukturen verletzt, da Gewebe durchtrennt wird. Durch Entzündungen werden anschließend Heilungsprozesse in Gang gesetzt. Die vollständige Heilung kann bis zu einem Jahr dauern.

Die Phasen der Wundheilung

  • Provisorischer Wundheilungsschluss (ca. 1 bis 8 Stunden nach Verletzung)
  • Entzündungsphase (ca. 1. bis 4./5. Tag)
  • Proliferationsphase (ca. 4. bis 10. Tag), Neubildung von Blutgefäßen, Kollagen und Proteinen
  • Reparationsphase (ca. 10. Tag bis mehrere Monate), Neubildung des Gewebes durch Vernetzung der kollagenen Fasern, Narbenbildung

Die medizinische Trainingstherapie beginnt ungefähr am dem 21. Tag nach der Operation.

Achtung

Folgende Übungen sind beispielhaft zu sehen. Aufgrund verschiedener Operationstechniken und verschiedener Heilungsprozesse, muss ein Trainingsplan individuell und von professionellen Physiotherapeuten erstellt werden.

Übung 1: Knie- und Hüftstreckung

 Ziel:

Kräftigung der hinteren Muskelkette, hinterer Ober- und Unterschenkel, Gesäß.

Ausgangsposition:

Rückenlage, Beine gestreckt.

Ausführung:

  • Das gestreckte und angespannte Bein statisch in die Unterlage drücken und ca. 10 bis 15 Sekunden halten.
  • Dabei den Bauch fest anspannen und den unteren Rücken kontrollieren, damit er nicht ins Hohlkreuz fällt.
  • 10 bis 12 Wiederholungen, 2 mal ausführen

Übung 2: Brücke

Ziel:

Kräftigung von Gesäß und Oberschenkelrückseite, Kontrolle der Lendenwirbelsäule, Mobilisation der Hüftstreckung.

Ausgangsposition:

Rückenlage. Die Füße sind hüftbreit aufgestellt, die Knie sind angewinkelt.

Ausführung:

  • Spannen Sie die Gesäßmuskulatur an und heben dann Ihre Hüfte so weit hoch, dass sich Knie, Hüfte und Schultern in einer Linie befinden.
  • 10 bis 12 Wiederholungen, 2 mal ausführen

Übung 3: Leg Slide

Ziel:

Stabilität der Lendenwirbelsäule.

 Ausgangsposition:

Rückenlage, Beine angestellt, Lendenwirbelsäule in Kontakt mit dem Boden.

 Ausführung:

  • Schieben Sie Ihren rechten Fuß über den Fußboden (oder Matte) nach vorne, ohne dabei die Lendenwirbelsäule vom Boden zu lösen.
  • 10 bis 12 Wiederholungen, 2 mal ausführen

Übung 4: Fahrradfahren Einbeinig

 Ziel:

Mobilisation der umliegenden Gelenke.

Ausgangsposition:

Rückenlage.

Ausführung:

  • Das nicht operierte Bein ist aufgestellt, das operierte Bein fährt in der Luft Fahrrad.
  • Auf den unteren Rücken achten und Bauchmuskeln anspannen.
  • Hüfte nicht über 90 Grad beugen.
  • Steigerung: Beide Beine abheben und in der Luft Fahrradfahren.
  • 10 bis 12 Wiederholungen, 2 mal ausführen

Übung 5: Bein zur Seite

 Ziel:

Kräftigung der Abduktoren.

Ausgangsposition:

Rückenlage

Ausführung:

  • Ein Bein wird gestreckt, leicht von der Matte abgehoben und zur Seite gestreckt.
  • Kurz halten und wieder zur Mitte führen.
  • Steigerung im Stand: Bitte zur Sicherheit gut festhalten, das Standbein lecht beugen und das andere Bein zur Seite spreizen und wieder heranführen.
  • 12 bis 15 Wiederholungen auf jeder Seite, 2 mal ausführen

Übung 6: Kniebeuge auf hohen Stuhl

Ziel:

Kräftigung der Oberschenkel, Gesäß und Rückenmuskulatur.

Ausgangsposition:

Aufrechter Stand, Beine hüftbreit auseinander, Arme vor der Brust verschränkt.

 Ausführung:

  • Langsam und kontrolliert in die Knie gehen.
  • Hüfte leicht beugen, aber nicht mehr als 90 Grad.
  • Gesäß nach hinten schieben, die Knie dürfen dabei nicht über die Zehenspitzen hinausragen.
  • Oberkörper gerade halten, mit dem Gesäß nur leicht den Stuhl berühren und sofort wieder nach oben kommen.
  • 10 bis 12 Wiederholungen, 2 mal ausführen

Viel Erfolg bei den Übungen wünschen Andy Sixtus und "Wir in Bayern"!


1