BR Fernsehen - Wir in Bayern


4

HNO Speichelstein - Symptome, Ursachen, Therapie

Manche Menschen sind "steinreich". Das allerdings ungewollt. Denn: Bei ihrem Reichtum handelt es sich nicht um Geld oder Gold, sondern um eher lästige und unangenehme Speichelsteine. HNO-Arzt Dr. Thomas Meier-Lenschow klärt auf, was dahintersteckt und welche Behandlungsmethoden angewendet werden.

Stand: 15.03.2019

Frau fässt sich an den Hals | Bild: picture-alliance/dpa

Entstehung

Der Mensch hat drei paar große und hunderte kleine Speicheldrüsen. Die großen Drüsen bestehen aus einem Drüsenkörper sowie einem Kanal. Durch diesen Kanal bzw. Gang fließt der Speichel in die Mundhöhle. Ca. 1.000 bis 1.200 ml Speichel produzieren diese Drüsen am Tag.
Vor den Ohren sitzen - rechts wie links - die Ohrspeicheldrüsen, unter dem Unterkiefer die Unterkieferspeicheldrüsen und im Mundboden die deutlich kleineren Unterzungenspeicheldrüsen.
Ist der Kanal zwischen Drüse und Mund verletzt, entzündet oder wird nur zähflüssiger Speichel produziert, kann sich um einen kleinen Mineralstoffkern eine Art Stein bilden - der sogenannte Speichelstein oder Sialolith. Dieser blockiert den Speichelfluss und schon hat der Betroffene die typischen Beschwerden. Die Steine bestehen meist aus Kalziumverbindungen (Hydroxylapatit).

Symptomatik

Die typische Symptomatik eines Speichelsteins ist eine plötzlich auftretende Schwellung vor dem Ohr oder unter dem Unterkiefer zu Beginn oder während einer Mahlzeit. Ist der Drüsengang vollständig blockiert, dauert die Schwellung über Stunden an und wird schmerzhaft; bei teilweiser Blockade schwillt die Drüse langsam wieder ab. Diese Problematik wiederholt sich bei jedem Essen und verleidet dadurch den Betroffenen eine weitere Nahrungsaufnahme. Durch den Speichelstau können Bakterien in die Drüse gelangen und sehr unangenehme Entzündungen bis hin zum Halsabszess verursachen.

Ursachen

Speichelsteine entstehen immer dann, wenn der Speichelabfluss gestört oder der Speichel chemisch verändert ist: Verletzungen des Ganges, z. B. durch versehentliches Draufbeißen auf das Gangende, durch Manipulation im Mund, bei vorangegangenen Entzündungen.

Der Speichel wird zähflüssig bei

  • zu geringer Trinkmenge
  • bei Infekten der Drüse mit veränderter Sekretionsleistung
  • als Nebenwirkung von medizinischen Behandlungen

Therapie

Der Arzt wird zum Klempner: Durch erhöhte Trinkmenge wird der Speichelfluss angeregt, durch entzündungshemmende Medikamente der Gang abgeschwollen und der Stein durch die Aufweitung des Ganges und das Ausmassieren des Speichels geborgen.
Zudem besteht - wie bei einem Nierenstein auch - die Möglichkeit, einen großen Speichelstein zu zertrümmern.
Die neueste Methode ist die Sialendoskopie: Dabei wird ein ultrafeines Endoskop in den Speichelgang eingeführt, der Stein unter Sicht gefasst oder zerkleinert und aus dem Kanal entfernt.
Manchmal hilft jedoch nur die operative Entfernung der Speicheldrüse, z. B. wenn der Stein zentral in der Drüse sitzt oder häufige Speichelsteine die Drüse in einen chronischen Entzündungszustand gebracht haben.

Vorbeugung

  • ausreichend trinken
  • keine groben Manipulationen im Mund (z. B. zu harte Zahnbürste, Zahnstocher, Zungenschaber)
  • gute Mundhygiene
  • keine austrocknenden Maßnahmen (z. B. Rauchen)

4