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HNO Plötzlich Stille - Hörsturz-Therapie

Ein Hörsturz kommt ganz plötzlich und kann jeden treffen. Vergangenen Sommer traf es Campino, den Sänger der Toten Hosen. Bei der Frage, warum jedes Jahr tausende Menschen in Deutschland plötzlich auf einem Ohr schlecht hören, tappt die Wissenschaft im Dunkeln. HNO-Arzt Dr. Thomas Meier-Lenschow über mögliche Ursachen und Behandlungsmethoden.

Stand: 16.04.2019

Frau fasst sich an die Ohren  | Bild: picture-alliance/dpa

Symptome

Der Hörsturz wird als plötzlich aufgetretene Hörminderung, meist auf einem Ohr, ohne erkennbare äußere Ursachen - wie z. B. Schnupfen mit Mittelohrentzündung, durch Ohrschmalz verstopfte Gehörgänge o. ä. definiert. Der Schaden liegt im Innenohr, also in der "Elektronik des Hörens". Ohrensausen und Schwindel können begleitend auftreten. Auch von einem Druckgefühl tief im Ohr (so als stecke ein Ohrstöpsel oder Watte im Gehörgang) oder Gefühlsstörungen um das betroffene Ohr herum, wird berichtet. Der Umfang der Hörstörung reicht von gering und kaum bemerkbar, bis zur Taubheit auf dem betroffenen Ohr.

Der Hörsturz - ein medizinischer Eilfall, aber nicht Notfall!

Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung, dass ein Hörsturz sofort und innerhalb weniger Stunden (Notfall) behandelt werden muss, gilt der Hörsturz in Expertenkreisen als sog. Eilfall. Das heißt: Ein Behandlungstermin innerhalb von 48 Stunden bringt gleiche Ergebnisse, wie ein Therapiebeginn innerhalb von wenigen Stunden. Ausnahme: Taubheit und heftiger Schwindel.

Im Falle eines vermuteten Hörsturzes sollten Sie viel trinken, am besten Mineralwasser. Innerhalb von 24 Stunden ist eine Vorstellung beim HNO-Facharzt sinnvoll. Nicht selten stellt sich dann übrigens der Hörsturz als Ohrschmalzpfropf, der den Gehörgang verstopft, heraus.

Ursache

Die Ursache eines Hörsturzes ist letztendlich nicht geklärt. Vermutet wird eine Einschränkung der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung im Innenohr, z. B. durch Virusinfektionen, Kreislaufschwankungen oder hormonelle Störungen. Hier kommt auch Stress als Mitauslöser ins Spiel.

Behandlung

Die medizinische Behandlung des Hörsturzes hat in den letzten Jahren einige Änderungen erfahren. Grund dafür sind Studienergebnisse bei verschiedenen Therapieverfahren und eine kritische Überprüfung bisheriger Behandlungen. Derzeit läuft an vielen HNO-Kliniken eine Multicenterstudie, die den Effekt der Hörsturztherapie überprüft.

Therapieverfahren, die in der Breite nicht überzeugt haben und Einzelfällen vorbehalten sind:

  • chemisch definierte Durchblutungsmittel
  • hyperbare Sauerstofftherapie
  • Infusionen mit Hydroxyaethylstärke

Empfohlene Therapieverfahren:

  • Infusionsbehandlung mit Cortison, hochdosiert, aber nur für 3 Tage
  • Applikation deutlich geringerer Cortison-Mengen ins Mittelohr - und damit direkt vor die Fenster des Innenohres. (Intratympanale Therapie)
  • Orales Cortisonschema mit anfangs hoher Dosis und dann langsamem Ausschleichen
  • In den USA liegt der Schwerpunkt auf der oralen Cortison-Therapie, in der Regel 60 - 80 mg Prednisolon am Tag für wenige Tage.

Zusätzlich mögliche Therapieverfahren

  • Gingkopräparate in ausreichend hoher Dosierung
  • osteopathische und chirotherapeutische Behandlung
  • Arginin
  • Magnesium
  • Ruhe und Entspannung

Therapiekosten

Da es keine gesicherte Therapie gibt, haben sich die Krankenkassen aus der Bezahlung der Hörsturz-Behandlung teilweise zurückgezogen. Somit muss der Patient oder die Patientin viele der angewandten Medikamente selbst bezahlen. Die Therapie des Hörsturzes ist bis auf wenige Ausnahmen eine Selbstzahler-Leistung der Betroffenen.

Heilungsrate

Der Hörsturz hat eine Spontanheilungsrate von ca. 50%. Vor allem bei geringem Ausprägungsgrad der Hörminderung kann 1-2 Tage ohne spezielle Therapie zugewartet werden. Der Betroffene sollte dabei zumindest auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine gesunde Lebensführung achten.

Nachsorge und Prävention

Auf Nachsorge und Prävention wird immer mehr Wert gelegt. Patienten mit einer chronischen Erkrankung (z. B. Diabetes, Bluthochdruck, Hypercholesterinämie) benötigen eine zielorientierte, ärztliche Behandlung. Raucher sollten auf den blauen Dunst verzichten, um die Innenohrdurchblutung nicht zu gefährden.

Zur Vorbeugung wird geraten, ausreichend zu trinken, auf einen normalen Blutdruck sowie normale Fettwerte zu achten sowie Stressbelastungen zu vermeiden.


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