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Haut Wellness für gestresste Winterhaut

Kälte und Heizungsluft machen der Haut im Winter zu schaffen. Kommen noch Stress und zu wenig Schlaf hinzu, bleiben Hautirritationen oft nicht aus. Zeit für einen Wellness-Tag zu Hause! Wer sich und seiner Haut etwas Gutes tun will, bekommt Tipps von Hautärztin Dr. Monique Stengel.

Stand: 07.12.2018

Creme auf der Handfläche  | Bild: picture-alliance/dpa

Was tut gestresster Winterhaut im Allgemeinen gut?

Erst einmal tut es der Haut gut, eine Pflege anzuwenden, die die Haut in ihrer Funktion als unsere wichtigste Schutzschicht unterstützt. Eine gute Pflege ist genau auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Hautzustands abgestimmt. Bei trockener Haut, wie sie im Winter oft vorkommt, ist das eine Pflege, die langanhaltend Feuchtigkeit spendet und Beschwerden wie Trockenheit, Juckreiz und Schuppung vorbeugen oder lindern kann.

Was sollten Pflegeartikel für die Winterhaut beinhalten?

Gut geeignet zur Pflege trockener Winterhaut sind Inhaltsstoffe, die helfen, Feuchtigkeit in der Haut zu binden. Dazu gehören u. a. Urea (Harnstoff), Glycerin und Milchsäure. Weitere gute Inhaltsstoffe sind meiner Meinung nach hautverwandte Lipide, wie Ceramide oder Squalane, und hochwertige Öle, wie beispielsweise Nachtkerzenöl.

Viele gehen, besonders im Winter, gerne in die Sauna oder ins Dampfbad. Ist das gut für die Haut?

Ja, denn durch die Kälte draußen verengen sich die Blutgefäße in der Haut, sie wird weniger mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und erneuert sich dann nur noch langsam. Durch die hohen Temperaturen in Sauna oder Dampfbad weiten sich die Blutgefäße und transportieren Sauerstoff und Nährstoffe in Haut und andere Organe. Das kurbelt den gesamten Stoffwechsel an. Durch das Schwitzen werden auch die Poren gereinigt, was sich positiv auf das Hautbild auswirken kann.

Worauf sollte man beim oder nach dem Saunagang achten, damit die Haut gut versorgt ist?

Grundsätzlich ausreichend trinken, das tut nicht nur der Haut, sondern dem ganzen Körper gut, weil man durch das Schwitzen ja viel Flüssigkeit verliert. Die Haut nach dem Saunagang kurz kalt abduschen, das fördert die Durchblutung und damit die Versorgung der Haut mit Sauerstoff und bringt den ganzen Kreislauf in Schwung. Unmittelbar nach dem Abtrocknen mit einer geeigneten Feuchtigkeitspflege eincremen, denn dann erzielt man die beste Pflegewirkung.

Was hältst du von Hautölen, die gern bei Wellness-Anwendungen eingesetzt werden?

Öl allein reicht bei trockener Haut zur Pflege meist nicht aus, da es der Haut auch an Feuchtigkeit und nicht nur an Fett fehlt. Für die tägliche Pflegeroutine also lieber Cremes mit einem hohen Lipidanteil, z. B. mit Mandel-, Jojoba-, Nachtkerzenöl oder Sheabutter verwenden, und gleichzeitig auf feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe achten. Reines Olivenöl löst meiner Erfahrung nach auch schon mal Hautirritationen aus. Beliebt ist momentan ja das Kokosöl, auch das reicht als alleinige Pflege trockener Haut aber nicht aus. Gegen eine gelegentliche Ölmassage spricht bei trockener Haut aber überhaupt nichts - vorausgesetzt natürlich, es besteht keine Kontaktallergie gegen den jeweiligen Inhaltsstoff und ätherisches Öl.

Was ist wiederum von Peelings zu halten - empfiehlst du die und wie oft sollte man sie anwenden?

Das ist abhängig vom Hautzustand. Gesunde Haut verträgt auch im Winter ein Peeling. Ist die Haut allerdings schon gereizt, schuppig und trocken, so würde ein Peeling, insbesondere ein mechanisches Peeling mit Schleifpartikeln, zusätzlich irritieren. Bei eher trockener Haut sollte man also besser pflegen als peelen oder, wenn man gern ein Peeling machen möchte, dann ein Enzympeeling verwenden, das abgestorbene Hautpartikel sanft entfernt.

Wasserdampf wird gern im Kosmetiksalon angewandt. Empfiehlst du dies auch für die Heimanwendung?

Richtig, Wasserdampf wird gelegentlich im Kosmetiksalon verwendet und soll die Poren öffnen, was im Anschluss das Ausreinigen der Haut erleichtert. Als Heimanwendung ist das meiner Ansicht nach definitiv kein Muss. Lieber mal ins Dampfbad gehen, das ist unkomplizierter.

Wenn ich mal zu Hause ausgiebig "Winter-Wellness" machen möchte - wie könnte das unter dermatologischen Aspekten idealerweise aussehen?

  • Baden: Ein Vollbad ist beliebt und kann schön entspannend wirken. Allerdings besser nicht zu lange und nicht zu heiß baden. Das heißt, max. 20 Minuten bei einer idealen Temperatur von 32 bis 35 Grad Celsius.
  • Badezusatz: Auf gewöhnliche Seifen möglichst verzichten, denn sie sind meist zu alkalisch und greifen damit den Säureschutzmantel der Haut an. Gerade bei trockener Haut lieber ein medizinisches Ölbad verwenden oder z. B. ein "Kleopatra-Bad" selber machen. Dazu braucht man 1 l Vollmilch und 2 EL Honig. Den Honig leicht erwärmen, damit er flüssig wird, in die Milch einrühren, beides dem warmen Badewasser zugeben. Das enthaltene Milchfett und die Milchsäure spenden der Haut Feuchtigkeit und beruhigen, die Milchproteine und der Honig machen die Haut zart und weich.
  • Körpercreme: Unmittelbar nach dem Bad die Haut mit rückfettenden Cremes und feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen, wie Glycerin, Milchsäure und Harnstoff, eincremen. Harnstoff allerdings nicht bei Kindern und nicht auf offenen Hautstellen anwenden, da die Haut sonst brennen kann. Am besten gut verträgliche Cremes ohne mögliche Irritanzien, wie Konservierungs- oder Duftstoffe und Emulgatoren, verwenden. Achtung: auch ätherische Öle, wie sie oft in der Naturkosmetik vorkommen, können bei sensibler Haut Irritationen bzw. Kontaktallergien auslösen.
  • Maske: Eine Maske mit feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen, wie Glycerin und Hyaluronsäure, kann danach aufgetragen werden. Aber bitte nicht übertreiben. Man kann die Haut nämlich auch "überpflegen", was wiederum Unreinheiten und Rötungen verursachen kann.

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