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Haut Narben

Frische wie ältere Narben empfinden die meisten als Schönheitsmakel. Doch bei der Narbenpflege geht es nicht nur um die Optik, sondern auch darum, das Hautgewebe und die Durchblutung intakt zu halten. Tipps zur richtigen Behandlung von Narben gibt Hautärztin Dr. Monique Stengel.

Stand: 31.10.2018

Frau cremt ihr Gesicht ein. | Bild: picture-alliance/dpa

Warum ist Narbenpflege wichtig?

Narben, die nicht optimal verheilen, können unterschiedliche Beschwerden verursachen, z. B. Juckreiz, Rötung, Brennen, Schmerzen, überschießende Narbenbildung oder sogar Narbenwucherung. Hier kann man selbst viel tun, um vorzubeugen, wenn man ein paar grundsätzliche Dinge beachtet und mit der Narbenbehandlung rechtzeitig beginnt, nämlich solange die Narbe noch jung ist. Bis die Narbenbildung endgültig abgeschlossen ist, können sechs bis zwölf Monate vergehen.

Was für Narbentypen gibt es?

Es gibt frische, gerötete und alte Narben, überschießende (hypertrophe) Narben, über das eigentliche Wundgebiet hinaus wuchernde Narben (Keloide) und eingesunkene (atrophe) Narben, die häufig nach entzündlichen Prozessen wie einer schweren Akne auftreten können.

Wie kann man sich die Struktur von Narbengewebe vorstellen?

Narben sind der natürliche Wundverschluss des Körpers nach einer Verletzung der Haut bis in tiefere Schichten. Narben bestehen aus Bindegewebe, das vom Körper gebildet wird, um die geschädigte Haut zu ersetzen.

Wie gehe ich mit frischen Narben am besten um?

In den ersten Wochen sollte man möglichst Spannung und Zug z. B. durch schweres Heben oder Sport vermeiden. Sonst kann es zu einer überschießenden Narbenbildung kommen, da der Körper meint, mehr schützendes Bindegewebe bilden zu müssen. Sehr wichtig ist auch die Verwendung eines hohen Sonnenschutzes mit Lichtschutzfaktor 50+, da frische Narben keine pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) als körpereigenen Sonnenschutz enthalten und es leicht zu Pigmentverschiebungen, also einem heller oder dunkler werden der entsprechenden Areale kommen kann. Als Prophylaxe können diverse Narbengele oder Silikonpflaster angewendet werden. Hiermit sollte bei einer operativ mit Wundnaht verschlossenen Wunde unmittelbar nach dem Fadenzug begonnen werden. Bei Schürfwunden und anderen sekundär heilenden Wunden beginnt man am besten nach Bildung einer geschlossenen Hautoberfläche. Je früher man mit der Narbentherapie startet, desto besser sind auch die Ergebnisse.

Wie pflege ich ältere Narben?

Bei störenden, älteren Narben, also solchen, die jucken, brennen oder überschießen, habe ich sehr gute Erfahrungen mit der Verwendung eines hautfarbenen, silikonhaltigen Pflasters gemacht, das zwölf bis 24 Stunden auf der Haut verbleiben kann und lediglich zur Körperpflege beim Duschen abgenommen wird. Diese Behandlung ist unkompliziert, gut verträglich, nicht schmerzhaft und sollte je nach Befund für etwa drei bis sechs Monate durchgeführt werden. Zusätzlich tut eine regelmäßige Massage der Narbe gut, z. B. mit fertigen Narbengelen auf Silikonbasis, Heparin, Zwiebelextrakt und Allantoin. Treten dagegen anhaltende Beschwerden in Form von Juckreiz, Rötung, Brennen, Schmerzen, eine überschießende Narbenbildung oder eine Wucherung von Narbengewebe über die eigentliche Verletzung hinaus auf, sollte man rechtzeitig einen Hautarzt aufsuchen.

Was sollten die Pflegeprodukte enthalten?

Ich habe bei überschießenden Narben sehr gute Erfahrungen mit dem Wirkstoff Silikon gemacht. Das Wirkprinzip dahinter ist noch nicht ganz geklärt, aber vermutlich kommt es durch die Bildung einer feuchten Kammer auf der Haut (Okklusionseffekt) zu einer besseren Durchfeuchtung vor allem der Hornschicht und damit zu einer Verbesserung der Elastizität des Narbengewebes. Weitere Inhaltsstoffe, die sich günstig auf die Narbenbildung auswirken sind Panthenol (wirkt wundheilungsfördernd), Allantoin (wirkt u.a. feuchtigkeitsspendend und antioxidativ), Heparin und Zwiebelextrakt. Zwiebelextrakt wirkt entzündungshemmend und hemmt das Wachstum von Fibroblasten, die verantwortlich für eine überschießende Bindegewebsbildung der Narbe sind.

An welchen Körperstellen heilen Narben besonders gut oder schlecht?

Narben heilen erfahrungsgemäß in spannungsreichen Arealen schlechter, z. B. im Bereich der Schultern oder des Dekolletés und über dem Schienbein. Grundsätzlich gilt: Je mehr eine frische Wunde unter Spannung oder Zug steht, desto schlechter ist die Narbenbildung. Hierbei spielt auch immer die individuelle genetische Veranlagung eines Menschen eine entscheidende Rolle. So können z. B. sehr dunkle Hauttypen schon nach kleinsten Verletzungen oder Mückenstichen Keloide (Narbenwucherungen) entwickeln.

Welche Narben-Therapiemöglichkeiten hat der Dermatologe?

Das ist je nach Narbenbefund sehr unterschiedlich:

  • Durch Stickstoffvereisung wird die Bindegewebsbildung gehemmt und die Narbe abgeflacht.
  • Unterspritzung mit Kortisonkristallen wirkt entzündungshemmend und hemmt die Kollagenproduktion.
  • Mit Kompressionsverbänden und der Kombination unterschiedlicher Verfahren lässt sich eine gute Besserung erzielen.
  • Bei frischen, geröteten Narben hilft eine Behandlung mit dem Farbstofflaser, der gezielt die verstärkte Durchblutung in diesen Narben verringert.
  • Bei überschießenden Narben kann eine sogenannte ablative (das Gewebe abtragende) Lasertherapie durchgeführt werden.
  • Hier ist allerdings Vorsicht geboten, da es im Anschluss zu einem Wiederauftreten von überschießendem Narbengewebe kommen kann. Dem versucht man durch unmittelbar nach dem Lasern angewendete Maßnahmen, wie Unterspritzung mit Kortison, Narbenpflastern und Druckverbänden vorzubeugen.
  • Eingesunkene (atrophe) Narben, wie sie z. B. bei einer Akne auftreten können, sprechen gut auf eine Needling- oder fraktionierte Lasertherapie an, bei der in der Haut kleinste Verletzungen gesetzt werden und somit die Haut zur Kollagenneubildung angeregt wird.
  • Narben, die unter Zugspannung stehen oder auch Narbenkontrakturen mit möglicher Bewegungseinschränkung, wie sie zum Beispiel bei großflächigen Verbrennungen auftreten, können mit operativen Verfahren (z. B. Z- oder W-Plastik) spannungstechnisch entlastet werden.

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