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Haut Häufigste Fehler bei der Hautpflege

Über 35 Milliarden Euro gaben wir letztes Jahr hierzulande für Körperpflege aus. Wir meinen es also gut mit unserem Körper. Doch nicht alles, was wir z. B. in Sachen Hautpflege tun, ist auch richtig. Welche Fehler wir am häufigsten begehen und was wir stattdessen tun sollten, erklärt Hautärztin Dr. Monique Stengel.

Stand: 27.09.2019

Häufige Fehler bei der Hautpflege - hier: verschiedene Kosmetika auf einem Tisch | Bild: Colourbox

1. Fehler: Pflege ist nicht auf den Hautzustand abgestimmt

Mögliche Folge

  • Wer fettige Haut mit zu reichhaltigen Kosmetika "pflegt", riskiert, dass sich Unreinheiten verstärken oder sogar eine Kosmetika-induzierte Akne (Acne cosmetica) bildet.
  • Trockene Haut dagegen benötigt eine Pflege, die - je nach Hautzustand - neben Feuchtigkeit auch einen höheren Fettanteil enthält. Wichtig: Pflegen Sie bei trockener Haut auf keinen Fall ausschließlich mit Öl, da es ihr vor allem an Feuchtigkeit mangelt. Meiden Sie unbedingt reines Olivenöl, da es Hautirritationen auslösen kann.
  • Gerade bei einer zu Allergien neigenden Haut sollten mögliche Irritanzien wie Konservierungs- oder Duftstoffe und Emulgatoren vermieden werden.
  • Es ist übrigens ein Mythos, dass trockene Haut nicht eingecremt werden sollte. Man hört immer wieder das Argument, dass die Haut bei täglichem Eincremen ja ihre eigene Talgproduktion einstellen würde. Dem ist nicht so! Ganz im Gegenteil: Wir können trockene Haut durch eine geeignete Basispflege, die gezielt auf unseren Hautzustand angepasst ist, in ihrer Funktion als Schutzbarriere unterstützen und der Bildung von Ekzemen vorbeugen.

So ist es richtig

Wählen Sie das richtige Präparat für Ihren Hauttyp und achten Sie dabei auf hochwertige Inhaltsstoffe. Wer Allergien auf bestimmte Inhaltsstoffe hat, muss dies bei der Auswahl seiner Pflegeprodukte natürlich unbedingt berücksichtigen. Gerade Menschen mit Neurodermitis, empfindlicher Haut, die mit Spannungsgefühl einhergeht, sehr trockener, allergischer oder fettiger/unreiner Haut, sollten sich gezielt z. B. vom Hautarzt beraten lassen, welche Pflege am besten zu ihrer Haut passt. Meist kann bereits durch eine geeignete Basispflege eine deutliche Besserung des jeweiligen Hautzustandes erzielt werden.

2. Fehler: Pickel ausdrücken

Mögliche Folge

Durch die unsachgemäße Manipulation wird der Eiter oft tiefer ins umliegende Gewebe gedrückt, was zu ausgedehnten Abszessen mit Narbenbildung führen kann. Ein Abszess muss dann operativ beim Arzt eröffnet, gespült und im Verlauf die Wunde entsprechend versorgt werden. Im Gesicht verlaufen zudem Blutgefäße, die mit den Gefäßen im Gehirn verbunden sind und theoretisch zu einer Thrombose im Hirn und zu Hirnhautentzündungen führen können.

So ist es richtig

Finger weg aus dem Gesicht! Außerdem waschen wir zwar regelmäßig unsere Hände, vergessen aber das Smartphone-Display gern bei unseren Reinigungsmaßnahmen. Hier hilft die regelmäßige Anwendung von Einmaldesinfektionstüchern.

Achten Sie immer auf eine Pflege, die Ihrem Hautzustand angepasst ist. Pickel sind oft das Symptom einer falschen Hautpflege oder Ernährung, von zu viel Stress oder einer Akne-Erkrankung. Lassen Sie sich Pickel von einer medizinischen Kosmetikerin entfernen, die entsprechende Hygienevorkehrungen trifft und sorgfältig arbeitet.

3. Fehler: Zu langes, heißes Duschen und Hautreinigung mit gewöhnlicher Seife

Mögliche Folge

Zu langes, heißes Duschen oder Baden kann den natürlichen Säureschutzmantel der Haut zerstören.

Außerdem kann gewöhnliche Seife vor allem bei trockener Haut die Trockenheit verstärken, da sie zu alkalisch ist und so den natürlich-sauren pH-Wert unserer Haut aus dem Gleichgewicht bringt. Außerdem werden mit gewöhnlicher Seife wertvolle Lipide aus dem Säureschutzmantel der Haut gelöst. Die Folge: Juckreiz durch sehr trockene Haut, möglicherweise Ekzeme und potenzielle Krankheitserreger durchdringen leichter unsere Hautschutzbarriere, als dies bei intakter Haut der Fall ist.

So ist es richtig

Verwenden Sie gerade bei trockener und zu Ekzemen neigender Haut milde, synthetische Waschlotionen (sog. "Syndets"), die den natürlich-sauren pH-Wert respektieren und zusätzlich feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe wie Glycerin enthalten. Duschen Sie vor allem bei trockener Haut möglichst kurz und kühl. Nach dem Duschen oder Baden die Haut grundsätzlich nicht trocken rubbeln, sondern nur leicht abtupfen. Cremen Sie unmittelbar nach dem Duschen oder Baden die noch leicht feuchte Haut ein. So erzielen Sie die beste Pflegewirkung. Cremen Sie sich lieber öfter dünn als nur selten und dafür dick ein, da die Aufnahmekapazität der Haut begrenzt ist. Baden Sie maximal einmal die Woche, bei trockener Haut am besten mit einem rückfettenden, medizinischen Ölbad. Aber auch hier gilt: Nicht zu lange und nicht zu heiß.

4. Fehler: Häufiger Wechsel der Pflegeprodukte   

Mögliche Folge

Vorsicht ist geboten bei empfindlicher Gesichtshaut von Erwachsenen, die mit Spannungsgefühl einhergeht. Hier wird die Haut oft "überpflegt", d. h. zu reichhaltige Texturen mit zu hohem Fettanteil in der Pflegecreme verwendet, die zu Hautirritationen mit kleinen, roten Knötchen rund um die Mund- und/oder Augenpartie führen können und als "periorale" (= um den Mund herum) oder "periorbitale" (= um die Augen herum) Dermatitis (veraltet auch "Stewardessenkrankheit") bezeichnet wird. Diese Erkrankung kann einen hohen Leidensdruck bei den Betroffenen mit Brennen und Spannungsgefühl der Haut und hartnäckigem Hautausschlag verursachen und heilt oft erst unter entzündungshemmender, äußerlicher Therapie sowie unter Weglassen aller (!) Kosmetika ab.

So ist es richtig

Haben Sie ein gut wirksames und verträgliches Kosmetikum für sich gefunden, bleiben Sie dabei! Tritt doch eine Unverträglichkeit auf, nicht unkritisch gleich zur nächsten Probe greifen, sondern ein vom Arzt verordnetes oder in der Apotheke empfohlenes Präparat auf der Haut anwenden und versuchen, die Ursache für die Hautreaktion zu finden.

5. Fehler: Das Gesicht abends nicht waschen

Mögliche Folge

Die abendliche Reinigung ist ein absolutes Muss, da die Haut von Talg-Rückständen, abgestorbenen Hornzellen und Schminkresten befreit werden sollte. Verstopfte Poren mit Entzündungen, aber auch eine vorzeitige Hautalterung mit Bildung von Altersflecken durch Schmutzpartikel und folgendem oxidativen Stress, sind mögliche Folgen einer fehlenden abendlichen Reinigung.

So ist es richtig

Waschen Sie sich vor dem Gesicht erst einmal die Hände. Verzichten Sie beim Reinigen auf gewöhnliche Seife und verwenden Sie lauwarmes Wasser. Nach dem Händewaschen den Gesichtsbereich - je nach Hautzustand - z. B. mit einer milden Waschlotion oder einem Reinigungsgel sowie lauwarmem Wasser waschen. Das Reinigungsprodukt so sparsam wie möglich dosieren und gründlich abspülen. Anschließend mit einem frischen Kosmetiktuch trocken tupfen und eine hautverträgliche, auf den jeweiligen Hautzustand abgestimmte Creme mindestens einmal am Tag anwenden.

Tipp

Grundsätzlich gilt: Leichte Texturen wie Seren vor reichhaltigeren Texturen wie Cremes anwenden.


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