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Haut Ursachen und Behandlungsmethoden bei Haarausfall

Beim Kämmen ein paar Haare in der Bürste zu haben, ist völlig normal. Doch ab wann handelt es sich um einen wirklichen Haarausfall? Und lässt sich dagegen etwas unternehmen? Hautärztin Dr. Monique Stengel klärt auf, welche Formen von Haarausfall auftreten können und wie man dem entgegenwirken kann.

Stand: 14.06.2019

Älterer Herr steht vor dem Spiegel und betrachtet seine Haare. | Bild: picture alliance/Ulrich Baumgarten

Ab wann spricht man von "Haarausfall", denn jeder verliert doch täglich ein paar Haare?

Jeder Mensch verliert Haare. Eine Ausfallrate von 50 bis 100 Haaren pro Tag ist normal. Schließlich fällt jedes Haar nach zwei bis sechs Jahren aus. Dafür wachsen wieder neue Haare nach. Fallen mehr Haare aus als nachwachsen (also mehr als 100 Haare pro Tag), spricht man von einem Haarausfall. Haarausfall ist kein rein kosmetisches Problem. Haare haben nämlich eine wichtige biologische Funktion: Sie schützen uns vor den UV-Strahlen der Sonne (weißer, UV-Strahlungsabhängiger Hautkrebs entsteht nur selten am behaarten Kopf!) und zu einem bestimmten Grad auch unser Gehirn vor Überhitzung. Ob und wie man dem Haarausfall entgegenwirken kann, hängt von der Art und der Ursache ab, denn Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall.

Welche Arten von Haarausfall gibt es und wie werden sie behandelt?

Anlagebedingter (hormonell-erblich bedingt) Haarausfall

Mit 95% ist er die häufigste Variante. 80% der europäischen Männer und 40% der Frauen sind im 70. Lebensjahr davon betroffen.

Symptome bei Männern können sein:

  • Geheimratsecken
  • dünnes Haar am Oberkopf
  • Glatzenbildung am Hinterkopf und an der Stirn, bis nur noch ein Haarkranz übrig ist
  • Erste Symptome sind schon bei Jugendlichen möglich.

Symptome bei Frauen können sein:

  • Lichtung der Haare vor allem im Scheitelbereich, häufig nach den Wechseljahren, normalerweise keine Glatzenbildung

Ursache

Bei den betroffenen Männern besteht durch eine erbliche Veranlagung eine Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber Dihydrotestosteron (= DHT, Stoffwechselprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron). Die Haarwurzeln verkümmern und sterben mit der Zeit ganz ab.

Ursache bei Frauen können u. a. vermehrte Androgene (männliche Geschlechtshormone) und eine erhöhte Empfindlichkeit der Testosteronrezeptoren am Haarfollikel sein.

Behandlung

  • äußerlich: Minoxidil 5% Schaum oder Lösung auf die betroffenen Stellen der trockenen Kopfhaut auftragen, mindestens 8 Wochen lang, zur Erhaltungstherapie lebenslang.
  • innerlich: 1 Tablette Finasterid 1 mg pro Tag (nur bei Männern möglich).
  • PRP (=Platelet Rich Plasma), also Einspritzen von Eigenplasma in die betroffenen Areale. In Studien konnte eine Zunahme der Haardichte gezeigt werden, allerdings fehlen noch Aussagen über Langzeiteffekte.
  • low-level Laser Therapie: erfolgt zu Hause mit einem speziellen Laser-Kamm und wird abgesehen von leichten Nebenwirkungen wie Wärmegefühl, Juckreiz und Hauttrockenheit gut vertragen. In Studien zeigte sich eine erhöhte Haardichte, allerdings fehlen noch Aussagen über Langzeiteffekte.
  • Haartransplantation

Kreisrunder Haarausfall

Dabei handelt es sich um einen Haarausfall am Kopf, selten auch im Augenbrauen-/Wimpern-/Bartbereich. Es treten wie ausgestanzt wirkende, kahle Stellen auf. Vor allem Kinder und unter 30-Jährige sind davon betroffen.

Ursache

Autoimmun-Krankheit, d. h. Immunzellen greifen körpereigenes Gewebe an bzw. hier die Haarwurzelzellen der Kopfhaut. Oft geht dies mit Schilddrüsen-Erkrankungen einher.

Behandlung

  • Bei einer leichten Form: Abwarten, da in 80% der Fälle eine spontane Rückbildung eintritt.
  • äußerlich: antientzündliche Behandlung mit Kortison als Schaum oder Lösung oder alternativ Kortison direkt in die Kopfhaut gespritzt.
  • unterstützend Zink- und Biotin-Tabletten über mindestens 6-8 Wochen.
  • Bei schweren Verläufen: Immunsuppressiva, also das Immunsystem unterdrückende Medikamente (z. B. Cortison, Dapson oder Methotrexat).

Diffuser Haarverlust

Der Haarausfall ist über den ganzen Kopf verteilt.

Ursache

hormonelle Ursachen wie Wechseljahre oder nach Entbindung, Eisen- und Zinkmangel, Schilddrüsen-Erkrankungen, Medikamente, psychische Belastungssituationen.

Behandlung

abhängig vom jeweiligen Auslöser: z. B. Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung oder eines Eisenmangels, Absetzen des auslösenden Medikaments nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

Spezielle Haarausfallformen

u. a. Zug- oder Druckbelastung (z. B. straff zurückgebundene Haare oder ständig auf dem Rücken liegende Säuglinge), entzündliche Erkrankungen wie Pilzinfektionen.

Lassen sich alle Arten von Haarausfall behandeln?

Leider nicht! Aber zumindest die häufigste Variante, der erblich bedingte Haarausfall, lässt sich bei rechtzeitiger Behandlung stoppen und das noch vorhandene Haar kann auch wieder dichter werden.

Generell gilt bei Haarausfall: Je früher die richtige Diagnose gestellt und eine Therapie eingeleitet wird, desto größer ist die Chance, dass möglichst viele Haare erhalten bleiben.

Welche Krankheiten können oftmals dahinterstecken?

  • Infekte (Haarausfall tritt 2-3 Monate danach auf)
  • Kopfhauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte
  • schwere Tumorerkrankungen
  • Schilddrüsen-Erkrankungen
  • Eisenmangel
  • Vitamin D - Mangel
  • Zinkmangel
  • generelle Mangelernährung

Wie kann man als Patient die Heilung unterstützen?

  • Ernährung: Das Vitamin Biotin (Vitamin B7 bzw. Vitamin H) und das Spurenelement Zink sind wichtig für gesunde Haut, Haare und Nägel. Biotin steckt z. B. in Lebensmitteln wie Haferflocken, Nüssen und Eigelb. Zinkhaltige Lebensmittel sind Fisch, Fleisch und Meeresfrüchte, aber auch Haferflocken, Linsen und Käse.
  • Gut sind durchblutungsfördernde Maßnahmen, z. B. regelmäßig eine Kopfhautmassage durchzuführen.
  • Die richtige Bürste verwenden: Naturborsten-Bürsten, die eine pflegende Wirkung haben, weil sie das Fett der Kopfhaut im Haar verteilen und gleichzeitig die Durchblutung der Kopfhaut verbessern. Verwenden Sie Bürsten mit abgerundeten Borsten und Kämme mit nicht so dicht stehenden Zinken.
  • Föhnen Sie die Haare nicht zu heiß und lassen Sie die Haare wann immer möglich an der Luft trocknen.
  • Waschen Sie Ihre Haare nicht täglich. Bei der Haarwäsche nur einmal shampoonieren mit einem milden, ph-hautneutralen Shampoo und anschließend eine auf das Haar abgestimmte Pflegespülung oder –maske verwenden.
  • Prozeduren wie Dauerwelle, Glätten und Bleichen strapazieren die Haare. Das heißt: Je seltener sie erfolgen, desto besser! Binden Sie lange Haare locker und vermeiden Sie Frisuren wie straff gebundener Dutt oder Pferdeschwanz, da sie viel Zug auf die Haarwurzel ausüben und damit Haarausfall begünstigen können.
  • Schützen Sie Ihre Kopfhaut und Haare vor der UV-Strahlung der Sonne.

Fazit

Zeit ist Haar. Je früher die richtige Diagnose gestellt und eine Therapie eingeleitet wird, desto größer ist die Chance, möglichst viele Haare zu erhalten.


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