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Finanzen Sinnvolle "Geldgeschenke" für (Enkel-)Kinder

Viele Großeltern schenken zu Weihnachten gerne Geld. Eine Möglichkeit ist es, einen Umschlag mit Bargeld unter den Baum zu legen. Viele eröffnen aber lieber ein Sparbuch, auf das sie Geld einzahlen oder schenken Goldmünzen als Wertanlage. Finanzexperte Sebastian Hanisch gibt Tipps, welche Form der Geldgeschenke für (Enkel-)Kinder empfehlenswert ist.

Stand: 05.12.2020

Geldscheine werden in eine Karte gelegt | Bild: picture-alliance/dpa/ Christin Klose

Sparbücher sind keine gute Geldanlage

Für die Kinder oder Enkel ein Sparbuch zu eröffnen und jedes Jahr an Weihnachten und zum Geburtstag eine kleine Summe einzahlen, das war in den vergangenen Jahrzehnten die Standard-Geldanlage für die lieben Kleinen. Schließlich sollte das Geld für die Kinder vor allem sicher angelegt werden. In der Zwischenzeit hat das Sparbuch aber fast überall ausgedient. Und das ist gut so: Die Rendite liegt bei nahe Null. Das Geld auf dem Sparbuch wird aufgrund der Inflation also im Laufe der Jahre weniger wert.

Banksparpläne bringen kaum Rendite

Auch Banksparpläne, auf die regelmäßig eine bestimmte Summe eingezahlt wird, sind derzeit keine gute Anlageform, da sie kaum Rendite bringen.

ETF-Sparpläne sind eine bessere Geldanlage - aber nur langfristig

Wenn für das Kind schon möglichst früh der Grundstein für ein kleines Vermögen gelegt werden soll (etwa als Anteil für den Kauf einer eigenen Wohnung), ist es sinnvoll, breitgestreut in Aktien zu investieren. Gut geeignet sind hier ETF-Sparpläne. Damit können Anleger in verschiedenen Branchen und Ländern in Aktien investieren. Kursrückschläge lassen sich aussitzen, wenn das Geld erst im Erwachsenenalter, zum Beispiel erst in 15 oder 20 Jahren, gebraucht wird. Wichtig ist dabei aber, nur in günstige, breit gestreute ETFs zu investieren.

Tagesgeldkonten bringen kaum Rendite

Soll das Geld nicht bar geschenkt werden, aber dennoch kurzfristig verfügbar sein, weil sich das Kind z. B. bald etwas Größeres kaufen oder den Führerschein machen möchte, ist ein Tagesgeldkonto eine Möglichkeit, um das Geld "zwischenzuparken". Das Geld ist sicher angelegt (Einlagensicherung beachten) und kann jederzeit abgehoben werden. Es bringt aber keine nennenswerte Rendite.

Festgeldkonten sind sicher - bringen aber auch meist keine nennenswerte Rendite

Festgeldkonten mit einer festen Laufzeit bringen meist eine höhere Verzinsung als Tagesgeld. Dennoch ist die Verzinsung oft so niedrig, dass die Inflation damit nicht ausgeglichen werden kann. Immerhin: Es besteht kein Verlustrisiko, sofern die Einlagensicherung beachtet wird.

Geld auf den Namen der (Enkel-)Kinder anlegen und Freistellungsauftrag dem Kreditinstitut erteilen

Legen Sie Geldgeschenke immer auf den Namen des Kindes an, dann gehört das Geld auch wirklich den Kindern.
Das bringt auch steuerliche Vorteile, denn Minderjährige haben einen eigenen Sparerpauschbetrag von 801 Euro. Wichtig ist aber, dass dem Kreditinstitut ein Freistellungsauftrag erteilt wird. Ohne Freistellungsauftrag müssen Kreditinstitute bei Kapitalerträgen (Zinsen, Kursgewinne, Dividenden usw.) automatisch eine Abgeltungssteuer von 25 Prozent an das Finanzamt abführen.

Vorsicht bei Gold- und Silbergeschenken

Um für Kinder ein Vermögen aufzubauen und gleichzeitig etwas zu haben, was man ihnen an Weihnachten unter den Baum legen kann, schenken Großeltern gerne Silber- oder Goldmünzen. Damit schenkt man Kindern "solide" Werte, so ist oft die Überlegung. Doch hier sollten Sie genau aufpassen: Oft sind beworbene "wertvolle und seltene Sammlermünzen" alles andere als eine gute Geldanlage, denn sie sind nur zu einem Bruchteil des Kaufpreises wieder veräußerbar.

Auch Schmuck ist keine Geldanlage. Wer Kindern Gold schenken möchte, sollte das lieber in Form von Anlagemünzen tun. Besonders verbreitet sind etwa der Krügerrand, der Wiener Philharmoniker oder der Maple Leaf.

Achtung: Wer lieber Gold-Barren als Anlage verschenkt, sollte nicht zu kleine wählen. Hier ist der Preisaufschlag zu hoch.

Ein Bausparvertrag bringt kaum Zinsen

Einen Bausparvertrag für Kinder anzulegen ist derzeit nicht sinnvoll, denn Bausparverträge bringen derzeit nur sehr niedrigere Zinsen. Zudem fallen Gebühren an. Ein Bausparvertrag verspricht zwar niedrige Bauzinsen, wenn der Nachwuchs später einmal baut, aber meist ist es schwer vorherzusagen, wann die Kleinen wirklich einmal bauen möchten.

Ausbildungsversicherungen sind nicht zu empfehlen

Mit einer Ausbildungsversicherung wollen Eltern (oder Großeltern) für die Kleinen schon früh Geld ansparen, damit später zum Beispiel das Studium finanziert werden kann. In die Versicherung wird auch dann weiter einbezahlt, wenn der Einzahler verstirbt. Das klingt sinnvoll, ist aber im Prinzip nichts anderes als eine besondere Form der Kapitallebensversicherung, gekoppelt mit einer Risikolebensversicherung. Die Gebühren sind jedoch bei Ausbildungsversicherungen häufig hoch. Besser ist, eine Risikolebensversicherung für den/die Hauptverdiener abzuschließen und für die Kinder zum Beispiel mit ETFs Geld anzusparen.

Fazit

Geld für Kinder sicher und mit Rendite anzulegen, ist im Moment schwierig, weil wir in einer Phase der extrem niedrigen Zinsen leben. Wenn Kinder über das Geld aber ohnehin erst in ein oder zwei Jahrzehnten verfügen sollen, sollten Sie über breitgestreute Aktienanlagen mithilfe von ETFs nachdenken.

Und seien Sie bitte vorsichtig, wenn es um Schmuck und Edelmetalle geht. Das sind zwar "schöne" Geschenke, aber im Regelfall keine guten Geldanlagen. Ausnahme: Anlagemünzen und -barren.


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