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Finanzen So vermeiden Sie unnötige Ausgaben im Alltag

Viele Deutsche sind überschuldet oder landen regelmäßig am Ende des Monats im Dispo. Wenn eigentlich genügend Geld zur Verfügung steht, sollte man bei den Ausgaben ansetzen. Oft lässt sich sparen, ohne dass die Lebensqualität darunter leidet. Tipps von Finanzexperte Sebastian Hanisch.

Stand: 06.02.2020

Geldscheine und Münzen | Bild: BR/Lisa Hinder

Haushaltsbuch

Führen Sie ein Haushaltsbuch, in das Sie alle Ausgaben eintragen. So haben Sie am Ende des Monats einen guten Überblick, wie viel Sie wofür ausgegeben haben und können so extrem hohe oder unnötige Ausgaben entlarven und Sparpotenzial entdecken. Vielen wird z. B. erst durch das Führen eines Haushaltsbuches bewusst, dass sich kleinere Ausgaben für Extras, die nicht ins Gewicht zu fallen scheinen, im Monat zu einer beachtlichen Summe anhäufen. Überprüfen Sie auch regelmäßig Ihre Kontoauszüge und gegebenenfalls Ihre Kreditkarten-Abrechnungen.
Zudem geben die meisten, die ein Haushaltsbuch führen, auch schon deshalb weniger Geld für unnötige Extras aus, weil sie alle Ausgaben dokumentieren.

Einkaufen

  • Gehen Sie Lebensmittel mit einer Einkaufsliste einkaufen. Das spart Zeit und Geld, weil Sie dann nur kaufen, was Sie wirklich benötigen. Übrigens: Wer hungrig einkauft (und ohne Liste), tendiert dazu, zu viele Lebensmittel in den Wagen zu legen.
  • Vergleichen Sie Preise. Lassen Sie sich aber nicht von Angeboten dazu verführen, Dinge zu kaufen, die Sie eigentlich nicht brauchen.
  • Vermeiden Sie Spontankäufe. Überlegen Sie sich, ob Sie ein Produkt wirklich benötigen. Bei großen Anschaffungen lassen Sie sich ruhig ein paar Tage Zeit, bevor Sie kaufen.
  • Muss es immer neu sein? Bevor Sie größere Neuanschaffungen tätigen, überlegen Sie sich, ob zum Beispiel ein altes Möbelstück, das Sie ersetzen wollen, nicht noch repariert werden kann. In Second-Hand-Kaufhäusern finden Sie teils sehr hochwertige, aber eben gebrauchte Gegenstände. Wer auch mal Gebrauchtes kauft, schont seinen Geldbeutel und ganz nebenbei die Umwelt.
  • Manchmal lohnt es sich, Dinge zu leihen, statt zu kaufen. Beispiel: Leihen Sie Bücher in Ihrer Stadtbücherei, anstatt sie neu zu kaufen.

Noch ein Tipp: Lassen Sie sich keinesfalls von so genannten Null-Prozent-Finanzierungen dazu verführen, etwas zu kaufen, das Sie sich gar nicht leisten können und gar nicht benötigen. Über zu viele Ratenkredite gerät man schnell in eine Überschuldung.

Strom, Gas oder Telefon: Vergleichen Sie die Anbieter

Es lohnt sich, regelmäßig die Tarife von Strom-, Gas- oder Telefonanbietern zu vergleichen und gegebenenfalls zu einem anderen Anbieter oder in einen anderen Tarif zu wechseln. So können jährlich teils mehrere hundert Euro gespart werden, ohne dass man sich in irgendeiner Weise einschränken muss. Die Tarife lassen sich bequem auf Vergleichsportalen im Internet vergleichen. Achten Sie dabei aber auch auf den Service. Nicht immer ist der billigste Anbieter auch der richtige für Sie.

Kündigen Sie unnötige Versicherungen oder Mitgliedschaften

Neben sehr wichtigen Versicherungen, wie z. B. der Privathaftpflicht, gibt es Versicherungen, die Sie sich sparen können, wie zum Beispiel eine Sterbegeldversicherung oder eine Reisegepäckversicherung.

Versicherungen für Elektrogeräte sollten Sie beim Kauf erst gar nicht abschließen. Im Vergleich zur Leistung, sind die Policen in der Regel einfach zu teuer.

Kapitallebensversicherungen abzuschließen, lohnt sich in aller Regel auch nicht. Doch Vorsicht: Bevor Sie eine bestehende Versicherung vorschnell kündigen, lassen Sie sich zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale beraten, ob die Kündigung, die Beitragsfreistellung, der Verkauf der Police oder doch das weitere Einzahlen am besten für Sie ist.

Außerdem: Prüfen Sie, ob Sie sich monatliche Belastungen, wie die fürs Fitnessstudio, das Sie vielleicht doch nie besuchen, oder Vereinsmitgliedschaften weiterhin leisten wollen. Machen Sie im Zweifelsfall eine Liste: Was ist mir am wichtigsten, worauf kann ich verzichten?

Sparen beim Girokonto

Viele Banken haben in den vergangenen Monaten Ihre Gebühren deutlich erhöht. Durch einen Wechsel des Girokontos lässt sich monatlich Geld sparen. Ob sich ein Wechsel für Sie aber wirklich lohnt, kommt darauf an, wie Sie Ihr Konto nutzen. Wenn Sie zum Beispiel Ihre Bankgeschäfte hauptsächlich online abwickeln, dann kann ein Wechsel zu einer Direktbank lohnen, da diese teilweise noch kostenlose Girokonten im Angebot haben.
Kalkulieren Sie auch ein, ob Sie eine Kreditkarte benötigen, oder welche Gebühren beim Geldabheben anfallen.

Übrigens: Seit 2016 sind die Banken gesetzlich verpflichtet, beim Wechsel des Girokontos zusammenzuarbeiten. Damit ist der Wechsel für Bankkunden sehr einfach geworden. Die neue Bank fordert die Kontodaten der vorangegangenen 13 Monate bei der alten Bank an, übernimmt alle Daueraufträge und Lastschriften und informiert Versicherungen, Stromanbieter usw.

Umschuldung

Falls Sie Ihr Konto überzogen haben und wahrscheinlich längerfristig im Dispo sein werden, ist es besser, einen preiswerten Ratenkredit für diese Summe aufzunehmen, denn für die Inanspruchnahme des Dispokredits verlangen Banken sehr hohe Zinsen. Wählen Sie die Ratenhöhe so, dass Sie diese jeden Monat sicher zahlen können.

Falls Sie bereits einen Ratenkredit aufgenommen haben, kann es sich lohnen, diesen umzuschulden, um von günstigeren Zinsen zu profitieren. Kreditangebote lassen sich einfach auf entsprechenden Internetportalen vergleichen.

Was tun bei Überschuldung?

Sollte Ihnen klarwerden, dass Sie Ihre Schulden nicht mehr begleichen können, dann sollten Sie aktiv werden. Wenden Sie sich rechtzeitig an eine Schuldnerberatung von Verbraucherzentralen, Kommunen oder Wohlfahrtsverbänden. Hüten Sie sich aber vor unseriösen Schuldnerberatern, die Hilfe versprechen, Sie in Wirklichkeit aber nur abkassieren wollen.


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