BR Fernsehen - Wir in Bayern


5

Geld Wie sicher ist kontaktloses Bezahlen?

An der Kasse entsteht schnell Stau. Die einen suchen nach Kleingeld, die anderen stecken ihre Karte falsch ins Lesegerät. Die Lösung: kontaktlos bezahlen. Einfach die Bankkarte an das Kassenterminal halten und der Betrag wird abgebucht. Doch kann so eine Technologie sicher sein? Finanzexperte Sebastian Hanisch erklärt, was Verbraucher beachten müssen.

Stand: 18.10.2018

Kontaktloses Bezahlen wird immer beliebter und erhält neuen Schub durch Mobile Payment: 15 Prozent der Kartenzahlungen im deutschen Handel sind inzwischen kontaktlos / Kontaktlose Zahlung mit Mastercard / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/113997 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Mastercard Deutschland" Foto: Mastercard/Mastercard Deutschland/obs | Bild: dpa-Bildfunk/Mastercard

Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen?

Viele Unternehmen bieten ihren Kunden mittlerweile eine simple Bezahlmethode an: kontaktloses Bezahlen. Damit kann die Rechnung beim Einkaufen in Sekundenschnelle beglichen werden - ohne Einstecken der Karte, ohne Unterschrift und ohne PIN-Eingabe.

Das kontaktlose Bezahlen funktioniert mittels Near Field Communication (NFC), zu Deutsch Nahfeldkommunikation. Diese Technologie ist in Kassenterminals und Chips von Giro-Karten (früher EC-Karten) oder Kreditkarten eingebaut und kann Daten per Funk übertragen. Allerdings nur über eine sehr kurze Distanz. Die Karte darf nicht mehr als vier Zentimeter vom Lesegerät entfernt sein, sonst klappt der Bezahlvorgang nicht.

Ansonsten ist alles sehr einfach: Kunden müssen ihre Karten einen kurzen Moment an das Kassenterminal halten und schon ist alles bezahlt. So entfällt das lästige Ratespiel, in welche Richtung man die Bankkarte in das Lesegerät stecken muss.

Im Hintergrund wird, wie bei einer herkömmlichen Kartenzahlung auch, bei der man die Karte in ein Lesegerät steckt und seine PIN eingibt, eine Abbuchung vom Konto veranlasst.

Info

Seit längerem bereits gibt es das girogo-Verfahren: Hier muss erst ein Guthaben auf die Karte aufgeladen werden. Damit kann man an entsprechenden Terminals Einkäufe kontaktlos bezahlen - solange Guthaben vorhanden ist.

Woran erkenne ich, ob meine Bankkarte NFC-fähig ist?

Wer gerne wissen möchte, ob seine Giro- oder Kreditkarte NFC-fähig ist, kann das leicht überprüfen. Befindet sich auf der Karte ein Wellensymbol, das aussieht wie ein WLAN-Zeichen, das um 90 Grad nach rechts gedreht wurde, dann funktioniert das kontaktlose Bezahlen an der Kasse.

Bereits NFC-fähig sind verschiedene Karten:

  • einige Kreditkarten, darunter Visa und Mastercard
  • Girokarten verschiedener Banken

Brauche ich beim kontaktlosen Bezahlen meine PIN nicht mehr?

Bei kleineren Beträgen muss die Geheimzahl im Normalfall nicht mehr eingetippt werden. Auch eine Unterschrift ist nicht notwendig. Dies gilt bis zu einer Höchstgrenze von 25 Euro. Bei Kreditkarten (VISA) kann die Grenze auch bei 50 Euro liegen (das ist auch abhängig vom Händler, bei dem man bezahlt). Hin und wieder wird eine PIN-Eingabe auch bei kleineren Summen eingefordert - ein Mechanismus, der für größere Sicherheit sorgen soll.

Kann es passieren, dass meine Karte aus Versehen im Vorbeigehen bezahlt?

Der NFC-Chip in der Bankkarte sendet nicht automatisch seine Daten an alle Lesegeräte in der Nähe. Der Chip sendet nur dann Funksignale, wenn der Kassierer im Laden die Zahlung per Eingabe aktiviert. Zudem muss die Karte wirklich sehr nahe an den Terminal gehalten werden. Auch Münzen oder andere Karten im Geldbeutel können die Funksignale stören. Ein Bezahlen im Vorbeigehen ist deshalb laut Banken so gut wie unmöglich. Wer trotzdem auf Nummer sichergehen möchte, hat bei einigen Anbietern die Möglichkeit, sich einen SMS-Service zu bestellen. So wird der Kunde immer benachrichtigt, wenn er kontaktlos bezahlt und kann mögliche Fehlkäufe sofort erkennen.

Wie sicher ist das kontaktlose Bezahlen?

Wer mit Karte zahlt, ist immer einem gewissen Risiko ausgesetzt, so auch beim kontaktlosen Bezahlen. Mit einer Software können Betrüger beispielsweise die Nummer und das Ablaufdatum einer Kreditkarte auslesen. In den meisten Fällen nützen den Betrügern diese Daten aber nichts, da die meisten Online-Händler zusätzlich die Kartenprüfziffer abfragen, die nicht ausgelesen werden kann.

Private Daten wie Name und Adresse überträgt die NFC-Technologie nicht. Zudem sind die via NFC übermittelten Informationen mit Algorithmen geschützt.

Wer dieser neuen Technologie aber nicht uneingeschränkt vertrauen möchte, für den gibt es noch eine andere Möglichkeit: eine beschichtete Hülle, die das Auslesen der Karte verhindert. Wenn Ihre Bank diese Hüllen nicht anbietet, können Sie diese auch für unter zehn Euro im Internet bestellen.

Wirklich risikobehaftet ist in jedem Fall Diebstahl oder Verlust. Fremde könnten mit der kontaktlosen Karte kleinere Einkäufe bezahlen, solange die Geheimzahl nicht abgefragt wird.

Deshalb gilt: Bei Verlust sofort sperren lassen! Für welche Summe der Kunde im Schadensfall selbst haften muss, entscheidet jede Bank individuell. Im Regelfall aber für nicht mehr als 50 Euro, bis die Karte gesperrt wird, manche Banken übernehmen auch alle Kosten.

Kann die Kontaktlos-Funktion bei Bankkarten abgeschaltet werden?

Das wird von den Banken unterschiedlich gehandhabt - auch abhängig davon, ob es sich um eine Kreditkarte oder eine Girocard handelt. Im Zweifelsfall sollten Kunden bei ihrer Bank nachfragen.

Funktioniert kontaktloses Bezahlen auch mit dem Handy?

Mit dem Handy funktioniert kontaktloses Bezahlen rein technisch ähnlich wie mit der Bankkarte. Das Handy wird nah an den Kassenterminal gehalten und der Einkauf abgebucht. Dafür benötigen Sie ein NFC-fähiges Android-Smartphone.

Zudem benötigen Sie eine entsprechende App und eine Kreditkarte oder Girocard eines Anbieters. Hier gibt es derzeit verschiedene Lösungen. Einige Banken, wie die Commerzbank oder Comdirect kooperieren mit Google. Kunden können dann mit der App Google Pay zahlen, nachdem sie ihre Kreditkarte in der App hinterlegt haben. Deutsche Bank, Postbank, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und einige andere Institute bieten das kontaktlose Bezahlen als Funktion in eigenen Apps an.

Der Zahlungsdienstleister Wirecard bietet mit der App Boon die Möglichkeit an, sich eine digitale Prepaid-Kreditkarte generieren zu lassen. Damit können Kunden über Google Pay bezahlen.

Nutzer eines iPhones müssen sich noch gedulden. Apple Pay soll voraussichtlich ab Ende des Jahres 2018 auf den deutschen Markt kommen.


5