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Wirtshaustipp Gasthof Diem im schwäbischen Krumbach

Wolfgang Schneider stellt den in neunter Generation geführten Gasthof vor, der französische und bayerische Küche charmant miteinander verbindet und im sehenswerten Krumbach liegt. Zum Familienbetrieb gehören der Gasthof mit Hotel und Metzgerei sowie ein Feinkosthandel. Bon appétit in Schwaben!

Stand: 11.01.2019 | Archiv

Wirtshaustipp: Gasthof Diem von außen | Bild: Wir in Bayern

Das Besondere an diesem Wirtshaus

"Ohne Familie geht nix! Das gilt vielfach in der bayerischen Gastronomie und für die Diems ganz besonders. Hier arbeitet die achte Generation der Familie, die seit 1735 in Krumbach ansässig ist, Hand in Hand mit der neunten zusammen. Senior Karl Diem ist Metzgermeister, seine Frau kümmert sich um den Laden. Sohn Johannes, ebenfalls im Metzger-, aber auch im Kochhandwerk ausgebildet, ist seit sieben Jahren Küchenchef. Und Hotelkaufmann Benedikt, mit seinen 24 Jahren der Jüngste im Quartett, ist quasi der Mann für alle Fälle und kümmert sich unter anderem um das Hotel und den Feinkosthandel im Internet.

1859 ging's los mit dem Betrieb mitten in Krumbach. Und hier existiert sie auch noch, die hauseigene Metzgerei. Geschlachtet wird in einem EU-zertifizierten Schlachthof im Krumbacher Gewerbegebiet.  

Das Gasthaus selbst ist ein schmuckes Gebäude mit Spitzgiebel, Sprossenfenstern und grünen Fensterläden. Schwäbisch gepflegt und traditionell sieht´s aus. Und dieser Eindruck setzt sich auch im Inneren des Gebäudes fort, wo insgesamt drei Stuben auf die Gäste warten. Zum einen die sogenannte gute Stube, die bis in die 70er Jahre noch Metzgerladen und Wurstküche war sowie die Fichtenstube, die gelungene Arbeit eines heimischen Schreiners. Mein Favorit ist allerdings die kleine Schwemm mit viel Holz und vielen Fotos an den Wänden - urgemütlich und kuschelig."

Küchenart

"'Ich habe mir hier das Kochen neu beigebracht', schmunzelt Küchenchef Johannes Diem, der seine Ausbildung in der Küche eines Fünf-Sterne-Plus-Hotels absolviert hat. Aber Hummer aus Kanada, Thunfisch aus Asien oder das sündhaft teure Wagyu-Rind aus den USA sind für ihn passé. Er setzt 'brutal regional' voll auf heimische Produkte und heimische Lieferanten. Hier wird das gute alte Kochhandwerk hochgehalten, setzt man selbstverständlich Soßen und Fonds selbst an. Zudem ist bayerisch-französisches Crossover angesagt. Zum Beispiel, wenn der Rostbraten mit schwäbischen handgeschabten Spätzle und einer Dijon-Senfkruste serviert wird. Vielerlei Kartoffeln und verschiedene Rillettes (französische Fleisch-Brotaufstriche) sowie Terrinen gehören zum Diem genauso wie die Frische der Produkte und auch der löbliche Grundsatz, das gesamte Tier und nicht nur die besten Teile davon zu verarbeiten. Es gibt eine Mittags-, Nachmittags- und Abendkarte, den Klassiker Schweinsbraten allerdings nur am Sonntagmittag."

Wolfgang Schneiders Vorspeise

"Kalt war's an unserem Drehtag in Krumbach, da hat sich natürlich eine wärmende Suppe angeboten, in diesem Fall eine Rote-Bete-Meerrettich-Suppe. Dazu werden Rote-Bete-Scheiben, Staudensellerie und Schalotten in Knoblauchöl und Schweineschmalz angeschwitzt. Abgelöscht wird mit Riesling, dann kommt der Meerrettich hinzu und selbstverständlich Sahne. Das Ganze köchelt vor dem Aufmixen etwa eine halbe Stunde vor sich hin. Ein paar Weißbrot-Croûtons geben der Suppe Biss und etwas Grün kontrastiert das eindrucksvolle Rot dieser Vorspeise. Hat nicht nur gut ausgesehen, sondern auch so geschmeckt."

Wolfgang Schneiders Hauptspeise

"Diese Speise hat's bei uns zu Hause oft gegeben und als Freund von Innereien hab ich mich darauf ganz besonders gefreut, auch, weil ich's ewig lang nicht mehr gegessen hatte: Kalbsnieren. Um sie möglichst frisch zu servieren, befreit Küchenchef Johannes Diem die Nieren erst unmittelbar vor dem Anbraten vom sogenannten Nierenfett. Serviert werden die Innereien in einer sauren Bratensoße mit grobem Senf.

Als Beilagen gab es wahrhaft formidable Kräuterschupfnudeln, Selleriepüree mit brauner Butter und gelbe Rüben, in Gänze und angenehm bissfest. So stelle ich mir regionale Küche mit Niveau vor - bravo!"

Preise

"Rote-Bete-Meerrettich-Suppe 4,90 Euro, Kalbsnieren 17,90 Euro. Weitere Hauptgerichte kosten von circa 9 bis 22 Euro."

Adresse

Kirchenstr. 5
86381 Krumbachs
Tel.: 08282 88820
https://www.gasthof-diem.de
info@gasthof-diem.de

Öffnungszeiten
Kein Ruhetag.


Anreise
Ab München über die A96 circa 120 km, ab Nürnberg circa 220 km.

Freizeittipp

"Krumbach zu erkunden sollten Sie beim Besuch des Gasthof Diem nicht auslassen. Es ist doch immer wieder erstaunlich, welche historischen Kleinode man beim Spaziergang durch bayerische Städte entdecken kann. Zum Beispiel das alte Krumbacher Schulhaus, ein schmuckes Fachwerkgebäude, dessen Kern noch aus dem 16. Jahrhundert stammt. Besuchen Sie unbedingt auch die Kirche St. Michael, eine einschiffige Saalkirche und ein prächtiges Beispiel für Rokoko-Kirchen in Schwaben. 'Zu seinem 80. Geburtstag hat mein Opa 2006 eine Glocke gestiftet,' erzählt Enkel Benedikt Diem stolz, der mir auch noch den Stadtpark zeigte, wo Kammel und Krumbach, das Krumbächle, wie man hier sagt, zusammenfließen. In unmittelbarer Nähe des Stadtparks befindet sich mit dem sogenannten Hürbener Wasserschlössle ein sehr gut erhaltenes gotisches Wasserschloss, wie es in Bayern nur noch wenige gibt."


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