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Finanzen Tipps rund um den Freistellungsauftrag

Ohne Freistellungsauftrag wird von Ihren Kapitalerträgen automatisch die Abgeltungssteuer von rund 25 Prozent abgezogen. Dennoch haben längst nicht alle Anleger einen Freistellungsauftrag erteilt oder diesen optimal eingesetzt. Finanzexperte Sebastian Hanisch erklärt, wie Sie Ihren Sparerfreibetrag effektiv ausschöpfen können.

Stand: 07.01.2019

Recht und Gesetz - adpic CD 39 | Bild: adpic/M. Baumann

Freistellungsauftrag

Ohne Freistellungsauftrag müssen Kreditinstitute bei Kapitalerträgen (Zinsen, Kursgewinne, Dividenden usw.) automatisch eine Abgeltungssteuer an das Finanzamt abführen. Diese beträgt 25 Prozent. Auf den Steueranteil werden zusätzlich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag fällig. Gegebenenfalls muss außerdem Kirchensteuer gezahlt werden. Insgesamt liegt die Steuer auf Kapitalerträge für Kirchenmitglieder in Bayern bei 27,82 Prozent, für Konfessionslose bei 26,38 Prozent.

Um Kapitalerträge von der automatischen Besteuerung bis zu einem bestimmten Freibetrag zu befreien, können Anleger ihrem Kreditinstitut einen sogenannten Freistellungsauftrag erteilen.

Für Einzelpersonen beträgt der jährliche Sparerpauschbetrag 801 Euro, für Verheiratete 1602 Euro. Das heißt, nur bei Kapitalerträgen, die darüber hinaus gehen, fällt die Abgeltungssteuer an.

Der Freistellungsauftrag gilt für alle Kapitalerträge, die bei einem bestimmten Kreditinstitut erwirtschaftet werden, also nicht nur für einzelne Konten.

Der Auftrag kann online oder auch in der Filiale erteilt werden.

Achtung: Um Freistellungsaufträge zu erteilen, ist die Steueridentifikationsnummer notwendig. Die elfstellige Nummer gilt ein Leben lang und ist aus der letzten Steuerbescheinigung ersichtlich bzw. kann beim zuständigen Finanzamt erfragt werden.

Freistellungsaufträge bei Ehepaaren

Ehepaare können entweder einzelne Freistellungsaufträge bis zu 801 Euro oder gemeinsame bis zu 1602 Euro erteilen. Vor allem dann, wenn beide Ehepartner bei der gleichen Bank Geld angelegt haben, kann ein gemeinsamer Freistellungsauftrag Sinn machen.

Denn dann verrechnet die Bank gegebenenfalls im Rahmen einer ehegattenübergreifenden Verlustverrechnung zum Jahresende Gewinne und Verluste verschiedener Konten der Ehepartner, die gemeinsam oder auch getrennt geführt werden.

Bei gemeinsamen Konten muss ein gemeinsamer Freistellungsauftrag erfolgen.

Lässt sich das Ehepaar scheiden, müssen gemeinsame Freistellungsaufträge durch einzelne ersetzt werden.

Stirbt ein Ehepartner, kann der Hinterbliebene im Todesjahr noch den gemeinsamen Sparerpauschbetrag von 1602 Euro ausschöpfen. Im Folgejahr muss er allerdings einen Einzel-Freistellungsauftrag stellen.

Tipp:

Sollten Ehepartner bei einer Bank den Sparerpauschbetrag bereits komplett in Anspruch genommen haben (1602 Euro), können Sie trotzdem bei anderen Banken die Vorteile einer ehegattenübergreifenden Verlustverrechnung nutzen. Dazu müssen Sie einfach einen Freistellungsauftrag in Höhe von 0 Euro erteilen.

Freistellungsauftrag für Kinder

Wenn Minderjährige bereits über eigenes Vermögen verfügen, müssen auch sie die Kapitalerträge versteuern. Wenn Sie ein eigenes Konto besitzen, führt die Bank auch hier die Steuern ab. Um das (bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags) zu verhindern, können Eltern einen eigenen Freistellungsauftrag für die Kinder erteilen. Denn auch Minderjährigen steht der Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro zu.

Sparerfreibetrag splitten

Wenn Sie Kapitalanlagen bei verschiedenen Kreditinstituten haben, können Sie auch mehrere Freistellungsaufträge erteilen. Insgesamt darf jedoch der Pauschbetrag von 801 Euro für Einzelpersonen oder 1602 Euro für Verheiratete nicht überschritten werden. Überlegen Sie daher vorab, wie viel Kapitalerträge Sie voraussichtlich bei welchem Geldinstitut erwirtschaften werden und splitten Sie den Pauschbetrag entsprechend.

Tipp: Wenn es doch passiert ist, dass Sie die Pauschbeträge ungünstig auf verschiedene Banken verteilt haben und deswegen zu viel Steuern abgeführt wurden, können Sie sich diese über die Einkommenssteuererklärung zurückholen. Dazu müssen Sie das Formular "Einkünfte aus Kapitalvermögen" ausfüllen (Anlage KAP).

Hinweis: Die Anlage KAP sollten Sie auch dann ausfüllen, wenn bei Ihnen Kapitalerträge über dem Pauschbetrag angefallen sind, Sie insgesamt aber ein geringes zu versteuerndes Einkommen haben - dann liegt Ihr persönlicher Steuersatz nämlich unter Umständen unter dem Satz der Abgeltungssteuer (25 Prozent). In diesem Fall müssen Sie auch Kapitalerträge nur mit Ihrem niedrigeren Steuersatz versteuern. Das Finanzamt prüft dann, welche die für Sie günstigere Lösung ist.

Geltungsdauer

Freistellungsaufträge können befristet oder unbefristet erteilt werden (dann gelten sie so lange, bis sie geändert oder widerrufen werden).

Sie gelten ab dem 1. Januar des Jahres, in dem sie erteilt wurden und können in der Regel bis zum letzten Bankgeschäftstag des Jahres storniert oder geändert werden. Bei einigen Banken ist der Stichtag früher, z. B. Mitte Dezember.

Antrag auf Nichtveranlagung

Wenn Sie nicht zur Einkommenssteuer veranlagt werden, weil Ihre Einkünfte unter dem Grundfreibetrag liegen (z. B. als Rentner oder Schüler), können Sie statt des Freistellungsauftrages mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung auch Kapitaleinkünfte, die über den Freibetrag von 801 Euro hinausgehen, von der Abgeltungssteuer freistellen lassen. Diese Bescheinigung erhalten Sie beim zuständigen Finanzamt.


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