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Gesundheit Erste Hilfe bei HNO-Krankheiten an Feiertagen

Kennen Sie das auch? Ausgerechnet an den Feiertagen, wenn sämtliche Arztpraxen und Apotheken geschlossen haben, geht’s los: Das Ohr schmerzt, die Nase blutet oder - selten, aber äußerst unangenehm: Die Fischgräte bleibt im Hals stecken. Wüssten Sie, was Sie dann machen sollten? Tipps von HNO-Arzt Dr. Thomas Meier-Lenschow.

Stand: 10.12.2019

Ein Mann hält sich vor Schmerzen das Ohr. | Bild: picture-alliance/dpa

Fischgräte

Fischgerichte sind in der Weihnachts- und Fastenzeit beliebt. Vor allem Süßwasserfische enthalten oft kleine und spitze Gräten, die im Hals hängen bleiben können. Sie spießen sich mit Vorliebe in das Mandelgewebe ein - sowohl im Gaumenbereich als auch auf dem Zungenrücken. Extrem selten bleiben sie dann auch in der Speiseröhre hängen.

Erste Hilfe

  • Wenn Sie eine Fischgräte im Hals vermuten, essen Sie Kartoffelbrei oder weiches Brot. In einigen Fällen wird die Gräte damit abgelöst und abgeschluckt. Sie sollten sich aber nicht allzu lange damit abmühen.
  • Ansonsten bleibt nur der Gang zum HNO-Arzt oder in die HNO-Klinik. Dort gibt es die richtigen optischen und apparativen Hilfsmittel zur Entfernung des Fremdkörpers.

Lassen Sie sich aber nicht vom Fischgenuss abschrecken, denn insgesamt gesehen sind hängengebliebene Fischgräten ein sehr seltenes Ereignis.

Nasenbluten

Die häufigste Ursache für Nasenbluten sind Glutgefäßeinrisse in den vorderen Abschnitten der Nasenscheidewand. Hier trocknen die Gefäße schnell aus und werden porös.

Erste Hilfe

  • Meistens endet Nasenbluten spontan. Dann sollte mit Nasensalbe zweimal täglich die Schleimhaut gepflegt werden (rezeptfrei in Apotheke erhältlich).
  • Bei stärkerem Nasenbluten können Sie versuchen, durch Zusammendrücken der Nasenflügel die Blutgefäße zu verschließen - am besten Kopf nach vorne und zwei Minuten komprimieren.
  • Ein Eis-Beutel im Nacken hat eine reflektorische Wirkung auf die Blutgefäße. Diese ziehen sich etwas zusammen. Ein feuchtes Tuch im Nacken, wie häufig praktiziert - bringt hingegen nichts. Es muss schon gut kalt sein, um eine Wirkung zu erzielen.
  • Eine weitere Notfallmaßnahme sind blutstillende Einlagen in der Nase (eine Art Schaumzäpfchen) oder ein blutstillendes Nasengel.

Wann Sie zum Arzt sollten
Heftiges und/oder wiederholtes Nasenbluten bei sehr hohem Blutdruck und Nasenbluten bei Einnahme von Blutgerinnungsmitteln (z. B. Marcumar, Eliquis, Xarelto) bedarf ärztlicher Therapie. Warten Sie hier nicht zu lange!

Nebenhöhlenentzündung

Die Komplikation eines Schnupfens oder Begleiterscheinung eines grippalen Infekts kann die Nebenhöhlenentzündung ("Sinusitis") sein. Typische Symptome sind: verstopfte Nase, Druck unter und hinter den Augen sowie Stirnkopfschmerzen. Die Sinusitis ist meistens viral bedingt und Sie brauchen daher nicht gleich ein Antibiotikum.

Erste Hilfe

  • abschwellende Nasentropfen
  • viel Tee
  • Inhalationen mit ätherischen Ölen
  • entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen
  • zur besseren Nachtruhe: sogenannte Grippemittel mit abschwellendem und schmerzstillendem Effekt

Ohrenschmerzen

Ohrenschmerzen im Rahmen von Erkältungskrankheiten entstehen meist durch eine viral bedingte Mittelohrentzündung. Oft leidet dabei das Hörvermögen, es kann im Ohr dröhnen und man hört sich selber irgendwie im Kopf reden. Gemeinerweise beginnen diese Schmerzen meist nachts. In einigen Fällen kann auch Flüssigkeit, manchmal sogar etwas blutig, aus dem Ohr austreten.
Hausmittel wie Zwiebelauflage, Zwiebelsäckchen oder heiße Kartoffel aufs Ohr sind immer noch beliebt. Die Wirkung ist aber fraglich.

Erste Hilfe

  • Schmerzmittel, am besten Ibuprofen in Saft- oder Tablettenform
  • Nasentropfen, um die Nase freizumachen

Ohrenschmerzen nach dem Baden oder nach Manipulationen im Gehörgang (Wattestäbchen, eigene Ohrspülung) sind Folge einer Gehörgangentzündung. Es fehlen Erkältungszeichen, das Drücken auf den kleinen Knorpel vor dem Gehörgang oder das Ziehen an der Ohrmuschel sind sehr schmerzhaft.

Erste Hilfe

  • Schmerzmittel (s. o.)
  • schmerzstillende Ohrtropfen (frei verkäuflich in Apotheken).

Wann Sie zum Arzt sollten
Heftigste Ohrschmerzen, die sich auf Schmerztherapie nicht bessern, Ohrschmerzen bei kleinen Kindern und Ohrschmerzen mit ungewöhnlichen Verläufen (Drehschwindel, Eiterlaufen aus dem Ohr, Rötung der Haut um das Ohr und vor allem hinter dem Ohr) gehören in ärztliche Hand.

Ohrsausen und Hörsturz

Der akut aufgetretene Tinnitus und eine plötzliche Hörminderung (möglicher Hörsturz) sind kein Notfall. Die ärztliche Diagnostik und die gezielte Therapie sind innerhalb von 48 Stunden völlig ausreichend.

Erste Hilfe

  • viel Trinken
  • Bewegung an der frischen Luft
  • ggf. ein Gingko-Präparat

Wann Sie zum Arzt sollten
Ist ein Drehschwindel mit Erbrechen über mehrere Stunden dabei (oder tritt alleine auf), dann ist die HNO-Klinik aufzusuchen, am besten nach Kontaktaufnahme mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst, bundesweite Telefonnummer: 116 117).

Achtung: Beachten Sie bei Medikamenteneinnahme Verträglichkeit, Allergien oder Dauermedikation!


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