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Ernährung Lassen Sie sich nicht in die Irre führen!

"Kirschen gegessen, Wasser getrunken, Bauchweh bekommen" – Wer kennt diese Weisheit nicht aus Kindertagen? Sie stimmt so allerdings nicht ganz. Genauso wie der Mythos, dass Kohlenhydrate dick machen. "Wir in Bayern"-Ernährungsexpertin Jutta Löbert räumt mit häufigen Ernährungsirrtümern auf und erklärt, was wirklich dran ist. Wäre doch schade, wenn wir uns weiterhin in die Irre führen lassen.

Stand: 09.07.2020

Frau mit frischen Kirschen im Camping Urlaub im Sommer mit der Familie | Bild: picture alliance/Zoonar

In Sachen Ernährung halten sich so manche Mythen und Halbwahrheiten hartnäckig.

Irrtum 1: Nach dem Genuss von Steinobst soll man kein Wasser trinken

Dass man nach dem Verzehr von Steinobst wie beispielsweise Kirschen kein Wasser trinken soll, ist ein Irrglaube.

Wichtig ist allerdings, vor dem Verzehr das Steinobst gründlich zu waschen. Ansonsten könnten Sie Bakterien bzw. Hefepilze zu sich nehmen, was zu Bauchschmerzen bzw. Blähungen führen kann (die Hefepilze vergären den Zucker der Früchte). Die Magensäure versucht meist, die Bakterien zu bekämpfen. Trinken Sie im Anschluss allerdings Wasser, verdünnen Sie damit die Magensäure und die Bakterien können dadurch leichter überleben. Durch das gründliche Waschen von Obst vermeiden Sie diese Bakterien. Danach können Sie deshalb ohne Bedenken Wasser trinken.

Irrtum 2: Kohlenhydrate machen dick

Kohlenhydrate alleine machen grundsätzlich nicht dick! Entscheidend ist die Menge und die Gesamtenergiebilanz.
Gänzlich auf Kohlenhydrate zu verzichten ist außerdem nicht empfehlenswert, da sie für uns die wichtigste Energiequelle darstellen. Strenge "Low-Carb Diäten"“, bei denen man Kohlenhydrate weitestgehend meidet, können zu einer unausgewogenen und einseitigen Ernährungsweise führen, da wichtige Nährstofflieferanten verloren gehen.

Ideal wäre es, bei Getreideprodukten die Vollkornvariante zu wählen. Vollkornprodukte sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Darüber hinaus liefern sie wertvolle Ballaststoffe, die schnell und langanhaltend satt machen und die Verdauung positiv unterstützen.

Irrtum 3: Smoothies sind genauso gesund wie Obst und Gemüse

Smoothies sind zwar nicht ungesund, bei der Zubereitung können allerdings durch das Schälen der Früchte oder durch die Zerstörung der Zellen im Mixer schnell wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen.

Frisches Obst und Gemüse sind daher einem Smoothie vorzuziehen. Sie haben zudem den Vorteil, dass sie besser und nachhaltiger sättigen.

Kinder und Smoothies: Das Kauen fördert außerdem die Entwicklung des Gehirns sowie des Kiefers. Die Kleinen sollten daher lieber frische Apfelschnitze essen, als die beliebten "Quetschies" zu trinken.

Gegen einen gelegentlichen Smoothie ist nichts einzuwenden, wenn frische Produkte gerade nicht zur Verfügung stehen (z. B. unterwegs).
Fertige, handelsübliche Smoothies enthalten oft zugesetzten Zucker, Aromastoffe oder andere Zusatzstoffe. Daher ist es besser, sich einen Smoothie selbst herzustellen.

Wichtig:

Der Nährstoffgehalt eines Smoothies ist unmittelbar nach der Zubereitung am höchsten und nimmt über die Zeit ab. Trinken Sie den Smoothie daher so frisch wie möglich.

Irrtum 4: Der Strunk von Blumenkohl und Brokkoli eignet sich nicht zum Verzehr

Es ist nicht notwendig, beim Kochen den Strunk von Blumenkohl oder Brokkoli zu entfernen. Er ist nicht giftig und kann daher auch mitgekocht bzw. verzehrt werden.

Tipp:


Statt den Strunk vor dem Kochen zu entfernen, verwenden Sie ihn doch einfach als Suppeneinlage. Sie können aber auch bereits vorgegarte Reste Ihres Gemüses einfrieren und zu einem späteren Zeitpunkt zum Kochen von Gemüsebrühe verwenden.

Irrtum 5: Brauner Zucker ist gesünder als weißer

Dass brauner Zucker gesünder sei als weißer Zucker ist ein Irrglaube.
Beide Zuckerarten werden aus Zuckerrohr- oder -rübe gewonnen. Die Pflanzen werden gekocht und gepresst. Es entsteht ein süßer Sirup, der getrocknet wird. Dieser Vorgang wird immer wieder wiederholt. Ein Zwischenprodukt ist der braune Zucker. Wird brauner Zucker weiter 'aufgereinigt', entsteht weißer Zucker.

Beide Zuckerarten haben den gleichen Kaloriengehalt und bestehen zu 99 Prozent aus Saccharose. Lediglich der Gehalt an Mineralien ist bei braunem Zucker in äußerst geringem Maß höher. Diese Menge ist aber derart gering, dass sie keinen gesundheitlichen Nutzen mit sich bringt.
Egal ob brauner oder weißer Zucker - im menschlichen Körper werden beide gleich verarbeitet.

Übrigens:

Es ist auch nicht gesünder, Honig statt Zucker als Süßungsmittel zu verwenden. Honig wird vom Körper genauso verarbeitet. Aufgrund seiner klebrigen Konsistenz haftet er länger an den Zähnen und erhöht die Gefahr von Karies. Der Anteil an Mineralien und Vitaminen sowie entzündungshemmenden Enzymen ist zu gering. Eine ausgewogene Ernährung deckt deren Bedarf deutlich besser ab.

Irrtum 6: Keimende Kartoffeln sind schädlich

Wer seine Kartoffeln nicht schnell verzehrt, ärgert sich nach längerer Aufbewahrung meist über sprießende Keime. Mit ihnen landen die Kartoffeln dann oftmals im Müll. Doch das muss nicht sein!
Zwar entwickelt eine keimende Kartoffel Solanin, einen giftigen Stoff. Die Konzentration ist allerdings bei kleinen Keimen (max. 1 cm lang) derart gering, dass sie keine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Wenn Sie die kleinen Keime großzügig aus der Kartoffel schneiden, können Sie diese noch problemlos verzehren. Das gilt übrigens auch für kleine grüne Stellen an Kartoffeln.

Vorsicht:

Ist jedoch der überwiegende Teil der Kartoffel von Keimen oder grünen Stellen befallen, sollten Sie diese besser nicht mehr verzehren!

Lassen Sie es sich schmecken!


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