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Sicherheit E-Bikes und Pedelecs im Straßenverkehr

E-Bikes werden immer beliebter, nicht nur bei älteren Menschen. Sie sind in Städten zu einer echten Alternative zum Autoverkehr geworden und gut für die Bewegungsfreude. Allerdings ist nicht "E-Bike gleich E-Bike" und schon gar nicht "Fahrrad gleich E-Bike"! Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Polizei München, informiert.

Stand: 23.04.2019

Älterer Herr fährt auf E-Bike  | Bild: colourbox.com

Die Nutzung von Pedelecs hat sich seit 2012 verdoppelt, derzeit sind 13 Prozent der Fahrräder auf den deutschen Straßen Pedelecs. Wie haben Sie diese Entwicklung in München erlebt?

"Wir sind uns bewusst, dass der Anteil von Fahrrädern mit Elektromotor insbesondere in München, im Münchner Einzugsbereich und anderen bayerischen Stadtgebieten weiter ansteigen wird. Schließlich sind Fahrräder mit Elektromotor im Hinblick auf einige typische Verkehrsthemen in der Stadt, wie z. B. Pendeln, die Kapazität des öffentlichen Nahverkehrs, die Stauproblematik und Parkplatzknappheit, eine wirkliche Alternative zu anderen Verkehrsbeteiligungsarten. Man muss aber leider sagen, dass sich auch die Verkehrsunfälle mit Pedelec-Beteiligung in München verdoppelt haben. Und das nur von 2016 bis 2018."

Was macht den konkreten Unterschied zur "normalen" Fahrradnutzung aus?

"Viele Verkehrsteilnehmer mit Fahrrädern mit Hilfsmotoren sind im Vergleich zu 'gewöhnlichen' Fahrrädern mit höheren Geschwindigkeiten unterwegs. Darauf müssen sich die anderen Verkehrsteilnehmer erst einmal einstellen und ihr Fahrverhalten anpassen. Es besteht die Gefahr, dass gefahrene Geschwindigkeiten unterschätzt und Abstände falsch eingeschätzt oder Pedelec-Fahrer erst spät erkannt werden. Auch ist das Fahren eines Elektrofahrrads erst einmal gewöhnungsbedürftig. Ich empfehle, die erste Ausfahrt nicht gleich mitten in der Stadt zu machen, sondern erst einmal auf weitem, gut einsehbarem Gelände sicher zu werden und eine gute Kontrolle über das Rad zu bekommen."

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Arten von Elektrofahrrädern?

"E-Bike steht für ein Fahrrad mit Elektromotor. Man unterscheidet dabei das Pedelec (Pedal Electric Cycle), das S-Pedelec und das E-Bike.  

  • Pedelec: Das Pedelec ist das gängigste Elektrofahrrad in Deutschland und gilt im Straßenverkehr als Fahrrad. Der Elektromotor schaltet sich ein, wenn der Fahrer in die Pedale tritt und unterstützt bis zu einer Leistung von maximal 250 Watt. Dabei wird die Beschleunigung dem Krafteinsatz des Fahrers über Sensoren angepasst. Manche Pedelecs haben eine Anfahrhilfe integriert, die das Fahrrad per Knopfdruck bis zu 6 km/h beschleunigt. Vor allem beim Anfahren am Berg ist dies eine Erleichterung. 25 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit, die mit elektrischer Unterstützung erreicht werden kann, danach schaltet der Motor sich automatisch ab. Eine höhere Geschwindigkeit kann nur durch die eigene Kraft erreicht werden - wie bei einem gewöhnlichen Fahrrad auch.
  • S-Pedelec: Der Unterschied zum Pedelec ist die höhere Elektromotorleistung von 500 Watt. Die Motorunterstützung beim Treten endet automatisch erst bei 45 km/h. Dieser Unterschied macht eine andere Einstufung im Straßenverkehr aus: das S-Pedelec gilt als Leichtmofa/ Kleinkraftrad.
  • E-Bike: E-Bikes fahren auch, ohne dass der Fahrer in die Pedale treten muss, der Elektromotor kann sofort eingeschaltet werden, sie gelten als Leichtmofa. Die maximale Motorleistung beträgt 500 Watt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. E-Bikes, die schneller fahren können und sogar 45 km/h erreichen, werden als Kleinkrafträder mit elektrischem Antrieb eingestuft."

Wie wirkt sich die steigende Nutzung von Elektrofahrrädern auf die Verkehrssicherheit aus?

"Bayernweit sind die Verkehrsunfälle, in die E-Bikes involviert waren, um 54 Prozent angestiegen. Das ist eine enorme Zahl und sehr bedauerlich. In München war es leider sogar ein Anstieg um 79 Prozent. Daher ist uns dieses Thema auch so wichtig. E-Bikefahrer und die anderen Verkehrsteilnehmer müssen die Regeln kennen, die Besonderheiten von Elektrorädern wissen und umsichtig fahren, um Unfälle zu vermeiden."

Gelten für Pedelec- und E-Bikefahrer andere Verkehrsregeln als für "normale" Fahrradfahrer?

"Für gering motorisierte Pedelecs, wie oben beschrieben, gelten die gleichen Regeln wie für unmotorisierte Fahrräder. Wichtig ist, dass die Fahrer von S-Pedelecs und E-Bikes sich darüber bewusst sind, wie sie eingestuft sind, z. B. als Leichtmofa oder Kleinkraftrad, und dass sie sich an die entsprechenden Verkehrsregeln halten."

Einige grundsätzlich geltende Bestimmungen für S-Pedelec und E-Bikes sind:

  • Der Fahrer muss mindestens 15 Jahre alt sein
  • Der Fahrer braucht eine Betriebserlaubnis, eine Mofa-Prüfbescheinigung oder einen Führerschein Klasse AM
  • Radwegenutzung nicht erlaubt
  • Helmpflicht  
  • Rückspiegelpflicht
  • Rad ist zulassungspflichtig
  • haftpflichtversicherungspflichtig und kleines Versicherungskennzeichen
  • Die Profiltiefe der Reifen muss mindestens einen Millimeter betragen
  • Befestigung von Fahrradanhängern nicht erlaubt

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