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Allgemeinmedizin Coronavirus - Alles Wichtige dazu von Dr. Tiedemann !

Allgemeinarzt Dr. Klaus Tiedemann erklärt in der Sendung "Wir in Bayern", was Sie über das Coronavirus wissen sollten.

Stand: 28.01.2020

Ein Laborant bestückt eine Zentrifuge im Institut für Virologie an der Charité Berlin Mitte, in dem Untersuchungen zum Coronavirus laufen.  | Bild: picture-alliance/dpa/Christophe Gateau

Mundschutzmasken

Mundschutzmasken können Viren abhalten, sofern es sich um hochwertige Masken handelt und diese dicht anliegend über Mund UND Nase getragen werden. Die Masken sollten mindestens 3-lagig sein und einen eingearbeiteten Nasenbügel haben. Einen 100-prozentigen Schutz bieten sie jedoch nicht. Ein Vorteil der Masken ist jedoch, dass sich die Träger nicht mit ungewaschenen Händen unbewusst an den Mund fassen können und die Erreger nicht auf diesem Weg in den Körper gelangen können.

Neuartige Coronaviren

Der Erreger gehört zu den Coronaviren, die seit den Sechzigerjahren bekannt sind und sowohl bei Menschen als auch bei Tieren auftreten. Sie verursachen sowohl harmlose Erkältungen als auch gefährliche, teils tödlich verlaufende Krankheiten wie SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) und MERS (Middle East Respiratory Syndrome).
Das neue Coronavirus ist erstmals im Dezember 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan aufgetreten. Es kann schwere Atemwegserkrankungen und hohes Fieber auslösen. Eine Infektion mit dem neuen Coronavirus kann tödlich verlaufen. Gefährlich ist der Erreger vor allem für ältere Patienten und solche mit Vorerkrankungen.

Symptome

Wie bei einer Grippe können die Symptome von sehr leicht (wie bei einer leichten Erkältung) bis hin zu einer lebensbedrohlichen Atemwegserkrankung reichen. Viele Virusträger erkennen deshalb ihre Erkrankung nicht sofort.

Mögliche auftretende Symptome können sein:

  • Atemnot
  • (hohes)Fieber
  • Husten
  • Lungenentzündung
  • die oberen Atemwege hingegen sind kaum betroffen, das heißt zum Beispiel kein Schnupfen

Falls der Verdacht vorliegt, ein Patient könnte mit dem Coronavirus infiziert sein, kann das mit Hilfe eines Labortests überprüft werden. Ist der Test positiv, muss das dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Der Test macht nur Sinn, wenn man Symptome hat und zusätzlich in der Risikoregion war oder mit Menschen Kontakt hatte, die in der Risikoregion waren und ggf. positiv auf das Virus getestet wurden.

Übertragung

Man geht davon aus, dass das Virus durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Es kann von Mensch zu Mensch, aber auch von Tier zu Mensch und umgekehrt übertragen werden.
Die Inkubationszeit beträgt nach jetzigem Kenntnisstand etwa 1 bis 2 Wochen.

Gefahreneinschätzung für Bayern
Experten schätzen das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht höher ein als die Gefahr, sich mit dem Grippevirus (Influenza) zu infizieren. Gleiches gilt für den Verlauf der Krankheit.

Hotline für besorgte Bürgerinnen und Bürger

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) richtete eigens eine Coronavirus-Hotline ein. Unter der Telefonnummer 09131/6808-5101 können besorgte Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen.

Behandlung

Es gibt (noch) keine speziellen Medikamente gegen das Coronavirus. Da es sich um ein Virus handelt, helfen auch Antibiotika nicht. Man kann jedoch - wie bei der Grippe auch - die Symptome lindern, z. B.:

  • Fieber senken
  • Flüssigkeitsverlust durch Infusionen ausgleichen
  • Sauerstoffgabe bei starken Atembeschwerden

Vorbeugung

  • Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich die Hände.
  • Fassen Sie sich nicht mit den Händen ins Gesicht und vor allem: Finger nicht an die Lippen, das ist für Viren der direkte Weg in den Körper.
  • Versuchen Sie, Menschenansammlungen zu vermeiden. Nehmen Sie das Fahrrad statt öffentliche Verkehrsmittel, kaufen Sie nicht zu Stoßzeiten ein.

Stärken Sie Ihr Immunsystem

  • Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene, ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung.
  • Vermeiden Sie Stress, und entspannen Sie so oft es geht. Dauerstress schwächt das Immunsystem.
  • Durch regelmäßige Bewegung, am besten an der frischen Luft, wird der Körper besser durchblutet und mit mehr Sauerstoff versorgt. Davon profitieren die Abwehrkräfte. Außerdem stärkt Tageslicht die Immunabwehr. Aber: Wenn Sie sich überanstrengen, dann steigt die Infektanfälligkeit.
  • Bringen Sie Ihr Immunsystem mit Wechselduschen oder Saunabesuchen auf Trab.

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Ludwig , Dienstag, 28.Januar 2020, 16:47 Uhr

8. Schutzmaßnahmen bei Infektionsgefahr

Vielleicht sollte man einmal darauf hinweisen, dass man bei entsprechenden Atemwegsbeschwerden nicht auf die Gehsteige spucken sollte. Wer mit offenem Auge unterwegs ist, kann ja den diversen Auswurfspuren ausweichen, welche derzeit häufig die Fußwege zieren. Gerade Kinder oder alte Menschen können dies nicht tun oder sie bemerken die Partikel nicht.
Mit den Schuhen wird der Auswurf nach Hause und in die Schulen getragen. Da braucht man sich nicht wundern, wenn ein Infekt vielfach verteilt wird.

  • Antwort von Wir in Bayern, Mittwoch, 29.Januar, 12:31 Uhr

    Sehr geehrter Ludwig,

    natürlich haben Sie Recht, dass das Ausspucken auf Gehsteige nicht gerade appetitlich ist. Hier gilt jedoch auch, was Dr. Tiedemann gestern in der Sendung zum Thema "Pakete aus China" gesagt hat: Der Virus überträgt sich durch Tröpcheninfektion. Ohne Wirt, also Menschen oder Tiere überträgt sich der Virus nur sehr schlecht. Die Viren würden auf der Straße, an Schuhsohlen oder in Paketen, gerade bei Kälte nach relativ kurzer Zeit absterben. Übertragungen durch "tote" Materie sind derzeit nicht bekannt.

    Viele Grüße vom "Wir in Bayern"-Team

G.Winhart, Dienstag, 28.Januar 2020, 16:37 Uhr

7. Coronavirus

Sehr geehrter Hr.Dr.Tiedemann,
endlich jemand der in dieser Sache mal etwas entwarnt. Unser Sohn (33) ist für mehrere Jahre Ingenieur bei BMW in China / Shenyang. Es versteht sich von selbst, daß man sich als Eltern große Sorgen macht, da die Medien schon sehr verunsichern und das Ganze extrem dramatisieren.
Herzlichen Dank, Sie konnten uns sehr beruhigen!
Liebe Grüße
G.Winhart

  • Antwort von Wir in Bayern, Mittwoch, 29.Januar, 12:25 Uhr

    Sehr geehrter Herr Winhart,
    danke für Ihr Feedback und viele Grüße vom Team!

Yvonne , Dienstag, 28.Januar 2020, 16:36 Uhr

6. Immunsupresiva

Sehr geehrter Herr Dr. Tiedemann,
wegen einer rheumatoiden Arthritis, bekomme ich MTX und Orencia, wie gefährdet bin ich dadurch? Ich hab keine Lust auf diese Hysterie, die sich da gerade verbreitet. ..
Viele Grüße Yvonne

  • Antwort von Wir in Bayern, Dienstag, 28.Januar, 16:43 Uhr

    Hallo Yvonne,
    bitte konsultiere bei solch konkreten Fragen am besten deinen behandelnden Arzt. Dieser weiß da am besten Bescheid. Solange du nicht mit Personen aus dem Risikogebiet in Kontakt kommst ist das Risiko für eine Ansteckung hier in Deutschland sehr gering!

    Viele Grüße vom "Wir in Bayern"-Team

Stephanie, Dienstag, 28.Januar 2020, 16:35 Uhr

5. Corona Virus

Hallo,
wenn der Fall in Bayern ohne Symptome ist, wie wurde es dann bekannt? Werden alle China Reisenden vorsorglich überprüft?

Beste Grüße

Stephanie

  • Antwort von Wir in Bayern, Dienstag, 28.Januar, 16:40 Uhr

    Liebe Stephanie,
    der Mann aus Bayern hat sich bei einer Chinesischen Kollegin hier in Deutschland angesteckt. Nachdem er am Wochenende leichte Symptome hatte, wurde er gestern positiv auf den Coronavirus getestet.

Claus Waechter , Dienstag, 28.Januar 2020, 16:33 Uhr

4. Coronavirus

Meine Frau und ich sind grippegeimpft. Sind wir damit geschützt?

  • Antwort von Wir in Bayern, Mittwoch, 29.Januar, 12:24 Uhr

    Hallo Herr Wächter,
    Dr. Klaus Tiedenmann hat die Frage gestern in der Sendung beantwortet. Mit einer Grippeimpfung sind Sie nicht gegen den neuen Coronavirus geschützt. Die Impfung hilft nur (und das auch nicht immer zu 100 Prozent) gegen die jährlich mutierenden Influenzaviren.
    Solange es gegen den neuen Coronavirus keine spezielle Impfung gibt, gilt weiterhin: keine Panik und auf die normalen Hygieneregeln wie Händewaschen etc. achten.

    Viele Grüße vom Team