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Finanzen Corona-Krise: Mitgliedsbeiträge, Theaterabos & Co

Aufgrund der Corona-Pandemie haben derzeit Fitnessstudios, Theater, Sportvereine, Kitas und vieles mehr geschlossen. Da stellen sich mehrere Fragen: Kriege ich mein Geld zurück? Muss ich beispielsweise Mitgliedsbeiträge bzw. Gebühren weiterbezahlen? Bekommen Kunden ihr Geld für Theaterabos oder bereits gekaufte Tickets zurückerstattet? Finanzexperte Sebastian Hanisch klärt auf.

Stand: 09.04.2020

gesperrter Sportplatz | Bild: picture-alliance/dpa/Robert Michael

Das öffentliche Leben ist derzeit aufgrund der Corona-Pandemie fast vollständig zum Erliegen gekommen. Das Haus darf nur noch aus wichtigen Gründen verlassen werden. Fitnessstudios, Theater, Kitas, Sportvereine usw. haben geschlossen. Da stellt sich für viele Kunden die Frage, ob sie monatliche Gebühren weiterbezahlen müssen, obwohl sie Einrichtungen nicht nutzen können. Und, ob sie Geld für z. B. Theaterabonnements oder Tickets für Veranstaltungen, die nicht stattfinden zurückerstattet bekommen.

Verträge mit Fitnessstudios

Ist beispielsweise das Fitness- oder Yogastudio geschlossen, liegt eine sogenannte Vertragsstörung vor, da die vertraglich vereinbarte Leistung seitens des Anbieters nicht erbracht werden kann. Deswegen müssen Kunden für diese Zeit keine Zahlungen leisten bzw. können sich diese zurückerstatten lassen. Das gilt z. B. auch für Tanz- oder Musikschulen, für die Sie monatliche Zahlungen entrichten. Achten Sie aber auch darauf, ob es möglicherweise Bestimmungen in den AGB dazu gibt. Kunden sollten zunächst das Gespräch mit den Betreibern suchen, um gemeinsam ein Vorgehen zu vereinbaren.

Achtung: Durch die vorrübergehende Schließung haben Sie nach herrschender Meinung kein Sonderkündigungsrecht.

Mitgliedsbeiträge für Sportvereine

Bei Vereinen ist die rechtliche Situation anders als bei Mitgliedschaften in Fitnessstudios oder ähnlichen Einrichtungen. In einem Verein dienen die Beiträge der Mitglieder dazu, den Vereinszweck zu unterstützen. Deshalb müssen die Vereine Beiträge auch dann nicht zurückerstatten, wenn die Mitglieder aufgrund der Corona-Pandemie derzeit keine Angebote nutzen können.

Kursgebühren oder Beiträge z. B. für Turniere oder Sportcamps hingegen müssen von den Vereinen zurückerstattet werden, da dafür aufgrund der derzeitigen Situation keine Gegenleistung erbracht werden kann. Die Mitglieder können die Rückerstattung auch dann verlangen, wenn die Veranstaltung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird.

Theaterabonnements und Dauerkarten

Bei Theaterabonnements haben Sie das Recht, anteilig Geld zurückerstattet zu bekommen, je nachdem wie viele Vorstellungen insgesamt ausgefallen sind. Gleiches gilt für Dauerkarten, z. B. für Fußballstadien, Zoos, Freizeitparks. Auch hier können Sie sich den Preis für das Jahresticket anteilig erstatten lassen.

Gutscheine mit begrenzter Laufzeit

Haben Sie z. B. eine 10er-Karte für Reit-, Tanz- oder Yogastunden erworben, die nur eine bestimmte Zeit gültig ist, können Sie sich das Geld bzw. den Restwert zurückerstatten lassen - allerdings nur, wenn es aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich ist, die Leistung im vereinbarten Zeitraum zu nutzen. Ansonsten können Sie die Leistung nach Öffnung des Anbieters in Anspruch nehmen.

Können Sie aufgrund der Schließung wegen der Corona-Pandemie einen gekauften Gutschein (z. B. für ein Geschäft, ein Restaurant oder ein Event) nicht innerhalb der vorgegebenen Laufzeit einlösen, sollten Sie mit dem Anbieter über eine Verlängerung der Gültigkeit sprechen. Weigert sich der Anbieter, können Sie eine Erstattung verlangen. Aus Sicht der Verbraucherschützer besteht in solchen Fällen ein Erstattungsanspruch.

Übrigens: Gutscheine müssen grundsätzlich mindestens drei Jahre gültig sein.

Kita-Gebühren

Bei den Kita-Gebühren ist die Praxis derzeit sehr uneinheitlich. München zum Beispiel, als kommunaler Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen, zahlt die Gebühren von sich aus, also ohne Antrag, zurück – für die Zeit, in der wegen der Corona-Pandemie die Betreuungseinrichtungen geschlossen bleiben müssen. Andere Träger tun dies nicht, weil sie sich das angesichts weiterlaufender Kosten schlicht nicht leisten können. Derzeit wird die Forderung nach staatlicher Hilfe für die Einrichtungen lauter. Viele Eltern bestehen auf ihre Rückzahlungen.

Veranstaltungstickets

Haben Sie ein Ticket z. B. für eine Musik- oder Sportveranstaltung gekauft, die nun aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt oder verschoben wird, haben Sie nach derzeitigem Stand das Recht, das Geld zurückerstattet zu bekommen. Sie müssen sich nicht mit dem Hinweis abspeisen lassen, dass ein Konzert etwa nachgeholt wird und das Ticket seine Gültigkeit behält.

Allerdings denken derzeit einige darüber nach, das Geld für die Karte nicht zurückzufordern, um Künstler, die unter fehlenden Einnahmen leiden, zu unterstützen.

Wichtig: Neue Regelung geplant - Gutscheine statt Bargeld bei Rückerstattung

Am Mittwoch, den 8. April 2020, hat das Bundeskabinett eine neue Regelung beschlossen. Demnach dürfen Veranstalter von Musik-, Kultur- oder Sportveranstaltungen und Betreiber von Freizeiteinrichtungen, wie Museen, Schwimmbäder oder Sportstudios ihren Kunden Gutscheine ausstellen für Leistungen, die sie wegen der Corona-Pandemie nicht nutzen können. Damit sollen Pleiten von Veranstaltern verhindert werden. Das Gesetz soll für alle Tickets gelten, die vor dem 8. März 2020 gekauft wurden. Wenn Kunden diese Gutscheine nicht bis Ende 2021 eingelöst haben, können sie vom Veranstalter die Auszahlung verlangen (aber nicht früher). Für Kunden, die durch die Corona-Pandemie selbst in wirtschaftliche Bedrängnis geraten sind, soll es eine Härtefallregelung geben.

Noch sind die entsprechenden Regeln nicht gültig. Zunächst muss der Bundestag das Gesetz verabschieden.

Verbraucher sollten sich über das Thema daher weiter informieren. Unabhängig von dieser Regelung sollten Kunden ihre Erstattungsansprüche in jedem Fall geltend machen.


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