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Buchtipps Leichte Sommerlektüre - Buchtipps von Sabine Abel

Wenn es an den Badesee, ins Schwimmbad oder auch bloß auf die heimische Gartenliege geht, darf eine Sache nicht fehlen: die sogenannte "leichte Sommerlektüre"! Ein gutes Buch gehört zum Sommer wie ein großes Handtuch und Sonnencreme. Passende Empfehlungen hat die Münchner Buchhändlerin Sabine Abel.

Stand: 28.06.2021

BR-Bild_Sommer_in_Berlin | Bild: BR Bild

Alida Bremer: Träume und Kulissen

Buchcover Alida Bremer: Träume und Kulissen | Bild: jung und jung Verlag

Sabine Abel: "Alida Bremer hat schon lange einen großen Namen als Übersetzerin, Autorin und Organisatorin internationaler Buchmessen. Mit ihrem neuen Roman ist ihr erneut ein großartiges Buch gelungen. Die Geschichte spielt im Jahr 1936 in Split, wo Alida Bremer aufgewachsen ist. 1936 war die Stadt an der Adria Treffpunkt von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, unterschiedlicher politischer Einstellungen und Ideologien. Bis vor kurzem gehörte die Stadt noch zu Österreich, jetzt ist sie Teil des Königreichs Jugoslawien. Auch Italien unter Mussolini hegt Besitzansprüche auf die andere Seite der Adriaküste.

In diesem chaotischen Mischmasch aus Kommunismus, dem neu gegründeten Staat und dem immer stärker werdenden Nationalismus rundherum, erschüttert der Mord an einem der stadtbekannten Reeder den fragilen Frieden in Split. Als einer der Fischer der Stadt im Morgengrauen zu seinem Boot im Hafen schlendert, entdeckt er eine Leiche in seinen Netzen, die er zum Trocknen an der Hafenmauer ausgelegt hat. Doch Anstatt als Zeuge verhört zu werden, wird der Mann von der Polizei festgehalten und verdächtigt, den Mord selbst begangen zu haben.

Im Lauf der Ermittlungen werden aber auch immer mehr Honoratioren der Stadt in die Geschichte involviert. Außerdem findet der Kommissar heraus, dass der Reeder zahlreichen betuchten Flüchtlingen aus Deutschland illegal die Überfahrt in die USA ermöglicht hat. Haben deutsche Filmemacher, die an der 'Perle der Adria' Filme im Auftrag der Hitlerregierung drehen sollen, etwas mit dem Tod des Reeders zu tun?

Dieser Roman steckt von der ersten bis zur letzten Seite voller Ideen, Figuren und Handlungsstränge. Im ersten Moment ähnlich verwirrend wie die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse von 1936 in Split. Je länger man liest, umso deutlicher werden die Zusammenhänge und man erschließt zusammen mit dem Kommissar die Umstände, die zum Tod des Reeders geführt haben. Ein kluges, politisches und wahnsinnig spannendes Buch!"

Jarka Kubsova: Bergland

Buchcover Jarka Kubsova: Bergland | Bild: Wunderraum Verlag

Sabine Abel: "Jarka Kubsova erzählt in diesem Buch die Geschichte einer Familie in Südtirol. Bergbauern, die seit Generationen diesen Hof bewirtschaften. Rosa erbt nach dem Tod ihres Vaters den Bauernhof. Ihr Mann, der Vater ihres Sohnes, ist im Krieg geblieben und so ist Rosa Ende der 1940er Jahre mit dem Hof, der niemals enden wollenden Arbeit, den Unwägbarkeiten und Launen der Natur, und ihrem Kind ganz allein auf sich gestellt.

Rosa arbeitet Tag und Nacht, schuftet auf dem Feld, im Stall und im Garten und bringt sogar die letzten Zweifler im abgelegenen Tiefenthal dazu, ihr mit großem Respekt zu begegnen. Denn Rosa schafft es wirklich, den Hof zu erhalten. Sie trotzt allen Widrigkeiten, kennt und versteht die Natur und lenkt so die Geschicke des Betriebs und ihrer kleinen Familie. Was allerdings leidet, ist das Verhältnis zu ihrem Sohn, der dauernd auf sich alleine gestellt ist, für den sie nie Zeit hat. Irgendwann wird er ihr das zum Vorwurf machen und sich mehr und mehr von ihr abwenden.

Auch zwei Generationen später ist der Bergbauernhof noch in Familienbesitz, die Sorgen der Bauern haben sich verändert, weniger sind sie nicht geworden. Franziska, die Enkeltochter von Rosa, ist hochschwanger, die wirtschaftliche Lage ist prekär. Ohne Touristen, die die Idylle in den Bergen und das ursprüngliche, einfache Leben suchen, könnte die Familie nicht überleben. Gerade diese Touristen sind es aber, die der jungen Bäuerin den letzten Nerv kosten. Immer wieder denkt Franziska an ihre Großmutter Rosa, die sich nie an die Erwartungen des Dorfes gehalten hat, die gegen alle Widerstände jede Art von Fortschritt von ihrem Hof ferngehalten hat. Vielleicht war sie gar nicht die alte, verbissene Bäuerin, von der immer noch das ganze Dorf redet. Vielleicht war Rosa klüger als sie alle miteinander?

Dieser Roman hat mich fasziniert, weil Jarka Kubsova ihre Figuren so schildert, dass man sofort ein Bild vor Augen hat. Auch die harte Wirklichkeit des Bauernlebens führt sie ihren Lesern so gekonnt vor Augen, dass sämtliche romantischen Klischees vom letzten Urlaub auf dem Bauernhof in sich zusammenfallen. Ein großartiger Einblick in ein hartes und doch zufriedenes Leben."

Robert Hültner: Lazare und die Spuren des Todes

Buchcover Robert Hültner: Lazare und die Spuren des Todes | Bild: btb Verlag

Sabine Abel: "Für seinen zweiten Fall wird Kommissar Lazare in das kleine südfranzösische Städtchen Sète gerufen. Eigentlich scheint die Angelegenheit ziemlich eindeutig. Nadia, ein Mädchen mit arabischen Wurzeln, ist verschwunden. Lazares Kollegen gehen davon aus, dass sich die junge Frau radikalisiert und in den Nahen Osten abgesetzt hat. Schnell findet die Polizei auch Verbindungen des Mädchens zu einem Driss Akibi, der einer Gruppe radikaler Islamisten angehört. Nach der offiziellen Schließung ihrer Moschee hat sich die Gruppe in einem verlassenen Hinterhof einen neuen Treffpunkt geschaffen. Hier verlieren sich die Spuren zu Nadia. Auch der französische Geheimdienst ist auf die jungen Muslime schon aufmerksam geworden.
Doch nicht nur das ungeklärte Verschwinden einer jungen Frau bereitet den Menschen in Sète Kopfzerbrechen. Ein richtiger Umweltskandal liegt in der Luft. Verseuchter Boden im Umland der Stadt, auf dem mehrere Bauern Biolandwirtschaft betreiben. Wer wusste davon? Wer hat daran verdient? Viele Fragen, die die Öffentlichkeit und die Politik, und nicht zuletzt auch Lazare und seinen Kollegen, beschäftigen.

Dazu kommt noch ein Mord, der schon Jahre zurückliegt. Hat dieser Mord etwas mit dem spanischen Bürgerkrieg zu tun? Mit Anarchisten aus einer spanischen Untergrundorganisation, die sich in den 1930er Jahren auf einem abgelegenen Bauernhof in der Nähe von Sète versteckt gehalten haben?

All diese Erzählstränge verlaufen zu Beginn von Robert Hültners neuem Krimi parallel. Ganz langsam, Kapitel für Kapitel, findet man heraus, wie sie zusammenhängen. Hültners große Kunst besteht darin, diese schweren politischen und sozialen Themen so elegant zu verknüpfen, dass man von der ersten bis zur letzten Seite gespannt auf die Lösung wartet.

Robert Hültner kennen viele Krimifans sicher noch von seinen Geschichten rund um den Münchner Kommissar Kajetan, der in der Zeit der Räterepublik ermittelt hat. Auch mit seinem neuen Kommissar gelingt es ihm wieder, seine Leser in einen Kriminalfall zu verwickeln, bei dem man bis ganz zum Ende nicht weiß, wie sich die Rätsel des Romans auflösen werden. Nervenaufreibend spannend, egal ob man das Buch in Südfrankreich am Strand, oder zu Hause auf dem Balkon liest!"

Susann Pásztor: Die Geschichte von Kat und Easy

Buchcover Susann Pásztor: Die Geschichte von Kat und Easy | Bild: kiwi Verlag

Sabine Abel: "Wir schreiben das Jahr 1973, Kat und Easy sind 15 Jahre alt und die besten Freundinnen. Klar, dass sie zusammen zum ersten Mal an Silvester in das Jungendtreff in Laustedt gehen. Die Aufregung ist groß, die Erwartungen an diesem Abend auch. Dort treffen die beiden Mädchen auf Fripp, den Barkeeper des Treffs. Er ist ein paar Jahre älter, er ist unglaublich cool und für Kat und Easy unerreichbar. Als sie sich ein Bier an der Bar organisieren wollen ist er es, der ihnen keinen Alkohol verkauft. Trotz des holprigen Kennenlernens ist dieser Abend der Beginn einer spannungsgeladenen Freundschaft und die drei erleben einen großartigen Sommer.

Vierzig Jahre später bekommt Kat, die inzwischen eine erfolgreiche Online-Lebenshilfe-Plattform betreibt, einen anonymisierten Brief. Schnell merkt sie, dass sich hier ihre Freundin aus Jugendjahren meldet, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Nach einigem hin und her verabreden sie sich und wollen bei einem gemeinsamen Urlaub in Easys altem Ferienhaus auf Kreta mit der Vergangenheit abschließen. Doch die Begegnung verläuft zunächst alles andere als entspannt und man merkt schnell, dass zwischen den beiden ein gut gehütetes Geheimnis steht, das beide seit jenem Sommer belastet.

Im Wechsel zwischen dem heutigen Geschehen und den Ereignissen der Jugendzeit wechselt Susann Pásztor geschickt hin und her und stellt dabei ganz nebenbei die großen Fragen des Erwachsen- und später dann des Älterwerdens.

Egal, wie alt oder jung wir sind, verheiratet oder Single, gerade frisch verliebt oder mit gebrochenem Herzen - das ist für jede Frau die perfekte Sommerlektüre. Susann Pásztor schafft es, mit großer Wärme und viel Witz die beiden Frauenfiguren in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit und ihrer individuellen Entwicklung plastisch werden zu lassen und ist dabei warmherzig, aber niemals gefühlsduselig oder kitschig. Ihr ist mit 'Die Geschichte von Kat und Easy' ein wirklich charmanter Roman gelungen, den man so lange nicht aus der Hand gibt, bis alles wieder gut ist."

Viel Spaß beim Lesen wünschen Sabine Abel und "Wir in Bayern"!


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