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Buchtipps Neuerscheinungen von bayerischen Autorinnen und Autoren

Bayern hat literarisch einiges zu bieten - auch jenseits der klassischen Heimatkrimis. Deshalb stellt Buchhändlerin Sabine Abel vier aktuelle Neuerscheinungen von bayerischen Autorinnen und Autoren vor. Unter ihren Lieblingsbüchern ist sicher für jeden Geschmack etwas dabei.

Stand: 18.05.2021

Cover der 4 Buchtipps | Bild: dpa-Bildfunk

Ewald Arenz: Der große Sommer

Sabine Abel: "Ewald Arenz schreibt in seinem Roman 'Der große Sommer' über eine Zeit, die viele aus der Jugend kennen und die mit den Ferien verbunden ist.
Es ist der Sommer, in dem unsere Gefühle wie in einem Knäuel verwirrt scheinen, das wir stückweise aufdröseln müssen und dabei einen weiten Schritt vom Kind zum Erwachsenen gehen.
Die Erinnerungen des Protagonisten Frieder an diesen Sommer sind verknüpft mit manchem Freibadabenteuer und dem Wagemut, von immer weiter oben vom Turm zu springen und tief einzutauchen, genauso wie in die neue Welt, die sich dem Heranwachsenden öffnet.
Hätte sich der 16-jährige Frieder im letzten Schuljahr nur besser angestrengt. Dann könnte er jetzt mit seinen Eltern und Geschwistern in den Sommerurlaub fahren. So aber muss er sich auf die Nachprüfung vorbereiten. Sitzenbleiben kommt für seine Eltern nicht in Frage. Zusammen mit seiner kleinen Schwester Alma muss er also bei seiner Oma Nana bleiben.
Alles wäre halb so schlimm, wäre da nicht der ungeliebte Großvater, der Stiefvater von Frieders Mutter. Diesen verschlossenen, strengen Mann mussten die Kinder bis vor Kurzem sogar noch siezen. Ausgerechnet er soll Frieder Nachhilfeunterricht geben. Doch dann läuft alles doch viel besser, als Frieder es vermutet hatte. Sein bester Freund kann auch nicht in den Urlaub fahren und so verbringen er und Alma jede freie Minute mit ihm.
An einem eher regnerischen Tag, den die drei wieder einmal gemeinsam im Freibad verbringen, lernen sie Beate kennen. Frieder wird plötzlich von dem Gefühl des Verliebtseins überfallen. Er weiß weder, was mit ihm los ist, noch wie er sich jetzt verhalten soll. Was ist mit seinem Freund? Geht es dem etwa wie ihm? Und Beate? Ist sie auch verliebt und wenn ja, in wen?
Fragen, auf die es gilt, eine Antwort zu finden. Womit Frieder nicht gerechnet hätte: Gerade sein Stiefopa entpuppt sich als wertvoller Ratgeber. Und so wird aus diesem Sommer ein ganz besonderer.

Es hat mir viel Spaß gemacht, mich von Ewald Arenz in die 80iger-Jahre entführen zu lassen und mich an diese Zeit ohne Mobiltelefone, WhatsApp und andere technische Kommunikationsmöglichkeiten zu erinnern. Frieder lernt und begreift einiges in diesen Ferien, er macht so viele Fehler und Dummheiten. Am Ende ist er ein gutes Stück erwachsener geworden. Dieses Buch ist ein einfühlsamer, oft lustiger Roman, genau das Richtige für den Urlaub."

Friedrich Ani: Letzte Ehre

Sabine Abel: "Die siebzehnjährige Finja ist nach einer Party am Wochenende spurlos verschwunden. Schnell wird den Ermittlern klar, dass das Mädchen nicht mehr am Leben ist. Jetzt liegt es an der Oberkommissarin Fariza Nasri, dem Mörder auf die Schliche zu kommen. Was hat der neue Freund von Finjas Mutter, Stephan Barig, mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun? Dass er ein unangenehmer Typ ist, der Frauen als Objekte seiner Begierde sieht, wird schon nach den ersten Sätzen seines Verhörs deutlich. Fariza kennt Männer dieser Art, sie hat ihre eigenen Erfahrungen mit ihnen.
Im Verlauf des Falls taucht eine weitere Frau auf, die etwas mit Stephan Barig beziehungsweise mit dessen Familie zu tun hat. Auch ihr hört Fariza Nasri mit der gewohnten Geduld und Sorgfalt zu, bis sie ihre ganze Geschichte erzählt hat. Was die Kommissarin zu hören bekommt, versetzt sie in die tiefsten Abgründe männlichen Machtmissbrauchs.
Als dann auch noch ihre beste Freundin Catrin, die einen Kiosk in Untergiesing betreibt, in der eigenen Wohnung einer Vergewaltigung zum Opfer fällt, scheint es endgültig zu viel zu sein für Fariza. Ihre eigene Geschichte geht ihr wieder und wieder durch den Kopf und sie merkt, dass sie noch weit davon entfernt ist, das Geschehene verarbeitet zu haben.

Friedrich Ani hat mehr als einen spannenden Krimi geschrieben. Es ist ein Roman, der die Geschichten mehrerer Frauen ineinander verwebt. Die sehr unterschiedlichen Frauenfiguren haben eine Gemeinsamkeit: Sie alle haben schreckliche Erfahrungen mit Gewalt durch Männer erlebt. Wie sie, wenn überhaupt, mit diesen Erfahrungen umgehen und weiterleben können, bleibt offen."

Bernhard Jaumann: Caravaggios Schatten

Sabine Abel: "Rupert von Schleewitz leitet eine Detektei in München, die sich mit Kunstraub und der Echtheit von Kunstwerken beschäftigt. Er und seine beiden Mitarbeiter sind gefragte Experten, die immer wieder engagiert werden, Expertisen zu den berühmtesten Bildern zu verfassen.
Rupert ist beruflich in Berlin, als sich ein alter Bekannter aus Schulzeiten meldet, der mittlerweile in Potsdam lebt. Obwohl Rupert nicht besonders viel Wert darauflegt, Alban wiederzusehen, willigt er einem kurzen Treffen ein und lässt sich von Alban sogar dazu überreden, mit ihm in die Gemäldegalerie ins Schloss Sanssouci zu kommen. Alban möchte Rupert unbedingt etwas ganz Besonderes zeigen.
Hätte der Detektiv gewusst, was bei seinem Besuch im Museum geschieht, hätte er sicher nicht zugestimmt. Als die beiden Männer vor einem Gemälde Caravaggios stehen, stürmt Alban plötzlich mit einem Messer bewaffnet los und sticht blind auf das Kunstwerk ein, bis er vom Sicherheitsdienst überwältigt wird.
Alban und Rupert werden verhaftet. Kurz nach der Verhaftung sehen die Beamten aber, dass Rupert nichts mit dem Angriff auf das Bild zu tun hat und lassen ihn zurück nach München fahren.
Rupert lässt das Geschehene nicht mehr in Ruhe. Was ist da bloß passiert?
Als das Gemälde zu Restaurierungsarbeiten gebracht werden soll, wird es gestohlen. Haben die beiden Ereignisse etwas miteinander zu tun? Aber was wollte Alban ihm überhaupt zeigen? Weswegen hat ihn das Bild 'Der ungläubige Thomas' derart in Rage gebracht?

Dieser Krimi ist bereits der zweite Roman rund um den Kunstdetektiv. Wieder ist es Bernhard Jaumann gelungen, eine sehr spannende Geschichte zum Thema Kunst zu schreiben. Ganz nebenbei erfährt man vieles über den Maler, seine Werke und die Zeit, in der Caravaggio gelebt hat. Außerdem begleitet man Rupert von Schleewitz bei einer Reise in die eigene Vergangenheit, bei der Themen wie Verdrängung und Missbrauch eine wichtige Rolle spielen und Bezüge in die Realität zulassen."

Jovana Reisinger: Spitzenreiterinnen

Sabine Abel: "Jovana Reisinger hat mit ihrem zweiten Roman ein episodenhaft erzähltes Panorama aus unterschiedlichsten Frauenleben geschaffen. Wir erleben beim Lesen fünf Tage im Leben von acht Frauen.
Da ist zum Beispiel Laura, die sich sehr über ihren gerade erhaltenen Heiratsantrag freut und sich in ihrem Leben in erster Linie damit beschäftigt, das Optimum aus ihrem Körper herauszuholen. Schließlich will sie ihrem Zukünftigen auch noch in zehn Jahren gefallen. Dazu greift Laura auf allerlei Tricks wie Anwendungen im Kosmetikstudio und Pülverchen zurück. Geld spielt keine Rolle. So richtig zufrieden ist Laura aber trotzdem nie mit sich und ihrem Leben.
Oder wir treffen Barbara, die gutsituierte Witwe aus dem Münchner Süden. Nach dem Tod ihres Mannes lebt sie in der ständigen Angst, Fehler zu machen und ihren Mann posthum zu verärgern. Dauernd hat sie das Gefühl, er beobachtet und kontrolliert sie noch immer. Das ändert sich erst, als eines Nachmittags ein kleiner weißer Hund in ihrem Garten steht. Endlich jemand, der sie bedingungslos liebt!
Dann gibt es auch noch Lisa, die damit fertig werden muss, dass sie erneut eine Fehlgeburt erlitten hat und deswegen auch noch von ihrem langjährigen Freund verlassen wurde. Ein Besuch im Nobelrestaurant, mit dem sie sich eigentlich trösten wollte, endet im Desaster.
Alle diese Frauen kennen einander meist nicht, oft überkreuzen sich ihre Lebensgeschichten nur durch Zufall. Und trotzdem findet man beim Lesen so viel Gemeinsames.

Ich finde diesen Roman wirklich beeindruckend. Jovana Reisinger erzählt mit spitzer Feder sowie einer gehörigen Portion Sarkasmus und Ironie die Geschichten dieser Frauen, nicht zufällig tragen die Protagonistinnen allesamt Namen von Frauenzeitschriften. Trotzdem nimmt sie jede einzelne Figur sehr ernst. Als Leser wird man förmlich mit der Nase auf alle möglichen Missverhältnisse in den Beziehungen zwischen Männern und Frauen oder im Berufsleben von Frauen gestoßen. Trotzdem hat das Buch etwas Versöhnliches. Am Ende des Romans hat jede von ihnen etwas Wichtiges verstanden und ist in der persönlichen Entwicklung ein gutes Stück vorangekommen."

Viel Spaß beim Lesen wünschen Sabine Abel und "Wir in Bayern"!


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