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Pflanzen Bonsai: Mini-Bäumchen im japanischen Stil

Was bei uns als "Formgehölze" in den Gärten steht, verstehen die Japaner als hohe Kunst. In Japan werden Gehölze geschnitten was das Zeug hält. Dabei verfolgen sie nicht den Grundsatz "Ich mache mir die Natur untertan", sondern das Prinzip "Schau genau hin, lerne von der Natur und schaffe ein schönes Abbild davon."

Stand: 20.09.2018

Bonsai | Bild: picture-alliance/dpa

Traditionelle Bonsaikunst mit Freilandgewächsen


Bäume und Sträucher in Miniaturformat werden in Japan wie auch von Bonsai-Liebhabern hierzulande in flachen Gefäßen gezogen und kunstvoll geformt. Dies erfordert ein hohes Maß an Pflege und vorausschauendes Gärtnern. Durch Wurzel-, Blatt- und Formschnitt sowie durch Drahtung werden die Bäume in eine malerische, idealisierte Form gebracht. Der Bonsai ist ein Abbild der Naturkräfte, dabei symbolisiert der Baum die belebte Natur, Steine den Berg und Kies das Wasser. Es wird sogar gezielt Totholz aufgebaut, um den Baum künstlich altern zu lassen.

Traditionell werden sehr langsam wachsende Gehölze und sogenannte "Hexenbesen", wie japanische Ahorne, Wacholder, Zwergulmen und -kiefern in Form gebracht.

Neben dem Formen der Pflanzen ist für den Erhalt und ein langes Leben des Bäumchens die Pflege, viel Wissen und Fingerspitzengefühl erforderlich. Düngung und Wassergaben müssen wohldosiert und gleichmäßig sein. Der Standort für Bonsais ist, entgegen mancher Annahmen, im Freien.

Mini-Bäume für das Zimmer


Indoor Mini-Bäumchen werden oft auch Zimmerbonsai genannt, obwohl es keine echten Bonsais sind, sondern eigentlich zwergig wachsende Zimmerpflanzen. Zimmerbonsais gibt es in jedem Baumarkt und Gartencenter und werden gerne verschenkt. Für viele spätere Bonsai-Liebhaber sind Zimmerbonsais die "Einsteiger-Gewächse", da sie nicht ganz so kostspielig sind und gut gedeihen, wenn man ein paar Dinge bei der Pflege beachtet. Gute Arten für "Bonsai-Anfänger" sind z. B. der Jadebaum und der Ficus.

Zimmerbonsais richtig pflegen

Im Sommer gedeihen auch diese Art Mini-Bäumchen am besten draußen.

  • Bei der Pflege von Zimmerbonsais gibt es ein paar Besonderheiten, z. B. weil der Wurzelballen mit Wurzeln durchsetzt ist und sich kaum gießen lässt.
  • In geschlossenen Räumen den Wurzelballen mitsamt der flachen Schale jeden zweiten Tag in ein Gefäß mit abgestandenem oder abgekochtem Wasser stellen.
  • Etwa alle 14 Tage im Winter und jede Woche im Sommer das Wasser mit etwas Flüssigdünger versetzen. Hier empfiehlt Brigitte Goss organischen Flüssigdünger, weil er ein breiteres Spektrum an Nährstoffen und Vitalstoffen enthält.
  • Der Zimmerbonsai braucht viel Licht. Stellen Sie Ihr Mini-Bäumchen daher im Winter ans Fenster und drehen Sie es etwa alle zwei Wochen um 180 Grad, damit Blätter und Äste gleichmäßig wachsen können.
  • Heizungsluft fördert Spinnmilben, wählen Sie deshalb am besten einen Standort, der wenig beheizt ist, aber dennoch warm ist, z.B. ein Gewächshaus oder das Badezimmer.

Zimmerbonsais in Form bringen

Auch Mini-Bäumchen lassen sich formen: Dazu braucht man eine scharfe kleine Gartenschere, Aluminiumdraht und einen Blick für die gewünschte zukünftige Baumform.

Zuerst sucht man nach querstehenden und sich reibenden Ästen und wählt aus, welcher entfernt werden sollte. Zum Formen biegt man zuerst mit dem Aluminiumdraht die unteren Äste fast waagrecht. Dann kann man sich die nächsten Etagen in gleicher Weise vornehmen. Man nimmt dabei großzügig zu eng stehende Triebe weg. Alle verbliebenen Äste werden mit dem Aluminiumdraht in die gewünschte Form gebracht. Dort wo der Ast sich verzweigen soll, werden die Triebspitzen herausgezwickt. Triebe, die weiter wachsen sollen, werden nicht entspitzt.

Trend aus Japan: Mini-Gärten im Glas


Mini-Gärten im Glas sind der neueste Trend in Japan. Das kleine Pflanzenterrarium wird so eingerichtet, dass Feuchtigkeit und Luft einen immerwährenden Kreislauf bilden. Nachts "atmet" die Pflanze, verbraucht Sauerstoff und setzt Wasserdampf und Kohlendioxid frei. Tagsüber verbraucht sie Kohlendioxid und wandelt sie zu Sauerstoff um mit Hilfe der Fotosynthese.

Etwas größere Glasgärten mit einem Fassungsvolumen von fünf Litern können mit Bäumchen bestückt werden. Für kleinere Glasgefäße eignen sich Moose und Steine oder Muscheln. Hier kann man selbst kreativ werden.

Als Substrat verwendet Brigitte Goss eine Mischung aus etwas Wurmhumus, Effektiven Mikroorganismen, Pflanzenkohle und mineralisches Substrat mit Zeolithen. Diese Kombination kann Wasser und Nährstoffe abgeben, aber auch speichern. Wasser wird nur wenig zugegeben und besonders die erste Zeit kontrolliert, ob zu viel oder zu wenig Wasser im Glas ist.

Im Haus sollte ein sehr heller Standort gewählt werden. Direkte Sonneneinstrahlung sollte jedoch vermieden werden, denn es kann schnell zu warm in dem kleinen geschlossenen System werden.


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