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Haushalt Bienenwachstücher selbst herstellen

Frischhalte- und Alufolie sind in der Küche zwar nützlich, aber leider ebenso umweltschädlich. Eine günstige und umweltfreundliche Alternative sind Bienenwachstücher. Hauswirtschaftsexpertin Elke Sommer erklärt, wie Sie diese ganz einfach selbst herstellen können.

Stand: 01.04.2021

Bienenwachstuch  | Bild: Picture alliance

Die Idee der Wachstücher ist nicht neu. Die Generation unserer Großeltern hat damit bereits ihre Lebensmittel eingewickelt, um sie frisch zu halten oder offene Gefäße abzudecken.

Warum brauchen wir eine Alternative?

Frischhaltefolie und auch Alufolie ist schnell zur Hand und landet meist nach einmaliger Verwendung im Abfall. Wir alle wollen unseren Plastikverbrauch reduzieren. Ohnehin ist die Herstellung von Einwegplastik EU-weit ab dem 3. Juli 2021 nicht mehr erlaubt.

Das Einwegprodukt lässt sich einfach durch eine plastikfreie und umweltfreundliche Alternative ersetzen: das (Bienen-) Wachstuch.

(Bienen-) Wachstücher selber herstellen

Das brauchen Sie:

  • vorgewaschener Baumwollstoff in gewünschter Größe
  • Bienenwachs - am besten vom örtlichen Imker (Als Granulat, Platte oder in Form alter Bienenwachskerzen)

Tipp:

Schneiden Sie den Stoff mit einer Zick-Zack-Schere zurecht. Das sieht schön aus und franst weniger aus.

vegane Alternative: Raps- oder Sojawachs

  • Topf zum Erhitzen des Wachses
  • Backpinsel
  • 2 Bögen Backpapier
  • Bügeleisen oder Backblech

Und so funktioniert’s…

mit Backpapier:

  • Das Backpapier ausbreiten und den Stoff darauf platzieren.
  • Das Bienenwachs im Topf schmelzen lassen und mit dem Pinsel sparsam auf dem Stoff verteilen.
  • Das 2. Backpapier auf den Stoff legen und vorsichtig bügeln, bis das Wachs schmilzt. Das Wachs soll sich gleichmäßig verteilen und alle Stoffecken bedecken.
  • Anschließend das Backpapier entfernen und das Wachstuch abkühlen lassen.

im Backofen:

  • Den Stoff auf dem Backblech ausbreiten.
  • Das Bienenwachsgranulat oder zerkleinerte Kerzenreste gleichmäßig auf dem Stoff verteilen.
  • Das Backblech in den Ofen schieben und auf etwa 80 °C erwärmen. Das Wachs soll vollständig schmelzen.
  • Das flüssige Wachs mit dem Backpinsel auf dem Stoff verteilen und den Stoff durch und durch mit Wachs tränken.
  • Anschließend das Backpapier entfernen und das Wachstuch abkühlen lassen.

Wachstuch-Beutel

Für eine noch bessere Aufbewahrung kann aus dem beschichteten Stoff ein Beutel genäht werden.

Und so funktioniert‘s:

Die Größe des Beutels ist frei wählbar (30 x 45 cm Stück Stoff für eine kleine Brötchentüte).

  • An der langen Seite das Wachstuch rechts auf rechts falten.
  • Die untere und seitliche Kante mit einem geraden Stich 0,5 cm Abstandzum Rand zunähen.
  • Mit den Händen in den Beutel fahren und einen rechteckigen Standboden ausformen. Dadurch entstehen an den Seiten des Beutels zwei überstehende Dreiecke.
  • Die Dreiecke mit einer geraden Naht abtrennen und danach mit etwas Abstand zur Naht abschneiden.
  • Als letzten Schritt den Beutel wenden.

Tipp:

Da beim Nähen von Wachstüchern eventuell Wachsreste an der Nähmaschine hängen bleiben können, empfiehlt es sich, kein mit Wachs übersättigtes Tuch zu verwenden. Der Stoff kann auch nach dem Nähen mit Wachs beschichtet werden.

Reinigung

Das vielseitige Bienenwachs wirkt schmutz- und wasserabweisend, sodass die Reinigung ganz einfach ist. Normalerweise reicht es, das verschmutzte Tuch mit kaltem bis maximal lauwarmem Wasser abzuspülen.

Wenn fetthaltige Flecken oder hartnäckige Verkrustungen entfernt werden müssen, sind auch ein mildes Spülmittel und eine weiche Bürste oder ein Küchenschwamm geeignet. Das Spülmittel sollten Sie danach gründlich abspülen.

Nach dem Spülen das Bienenwachstuch einfach mit einem Geschirrhandtuch abtupfen oder es darauf ausbreiten, um es an der Luft trocknen zu lassen. Alternativ können Sie das Tuch auch mit Wäscheklammern am Wäscheständer aufhängen.

Wichtig:

Nicht in den Wäschetrockner geben oder in die direkte Sonne hängen, da das Wachs sonst schmelzen könnte!

Ungeeignet für die Reinigung:

  • Heißes Wasser führt dazu, dass das Wachs weich wird oder sogar schmilzt, sodass die Beschichtung des Tuches mit weggespült wird.
  • Eine zu harte Bürste oder ein Topfkratzer würde Teile der Wachsschicht abtragen.
  • Scharfe Reinigungsmittel oder Reinigungsmittel mit Alkohol lösen das Bienenwachs ab.

Haltbarkeit

Das Wachstuch ist lange haltbar, durch häufige Verwendung nutzt sich das Wachs allerdings mit der Zeit ab und das Tuch bekommt Knickspuren. Sie müssen es dennoch nicht entsorgen: Eine neue Wachsbeschichtung macht es wieder fast wie neu, sodass es noch ein langes Leben vor sich haben kann.

So können Sie Ihr Wachstuch auffrischen:

Mit der Zeit entstehen im Wachstuch Knickspuren oder Bereiche, in denen die Beschichtung dünner geworden ist. Diese Gebrauchsspuren lassen sich leicht beseitigen:

  • Das Tuch auf einem Backblech mit Backpapier ausbreiten und für einige Minuten im Backofen bei etwa 70°C aufwärmen, bis die Oberfläche wieder gleichmäßig glänzt.
  • Das Tuch kann aber auch auf niedriger Stufe zwischen zwei Lagen Backpapier überbügelt werden.

Darauf sollten Sie beim Kauf von Wachstüchern achten!

Bei Bienenwachs besteht die Gefahr, dass es Rückstünde von Pestiziden oder Insektiziden enthält. Vor allem bei Bienenwachs aus dem Ausland ist diese Gefahr gegeben. Die Schadstoffe können beim Einwickeln auf die Lebensmittel übergehen. Achten Sie beim Kauf daher auf folgende Hinweise:

  • 100% reines Bienenwachs aus biologischer Landwirtschaft in Lebensmittelqualität
  • GOTS zertifizierte Bio-Baumwolltücher
  • kein mineralölbasiertes Wachs
  • kein Jojobaöl

Fazit

Bienenwachstücher sind deutlich umweltfreundlicher als Frischhalte- oder Alufolie. Gekaufte Bienenwachstücher sind teuer. Selbermachen lohnt sich also. Für vegane Wachstücher können Sie statt Bienenwachs auch Raps- oder Sojawachs verwenden. Selbstgemachte Wachstücher sind übrigens auch eine schöne Geschenkidee zu jeder Gelegenheit.

Viel Freude mit den Bienenwachstüchern wünschen Elke Sommer und "Wir in Bayern"!


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