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Geld Erwerbsunfähigkeit - Tipps zur Absicherung

Wer aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls berufs- oder erwerbsunfähig wird, kann schnell in eine finanzielle Notlage kommen. Haben die Betroffenen dann Anspruch auf eine gesetzliche Rente? Oder macht es Sinn, eine private Versicherung abzuschließen? Finanzexperte Sebastian Hanisch gibt Tipps, wie Sie sich am besten absichern können.

Stand: 17.04.2019

Erwerbsunfähigkeit - Tipps zur Absicherung - Mann geht auf Krücken/mit Gehhilfen | Bild: Picture Alliance

Gesetzliche Ansprüche bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit

Arbeitnehmer, die aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls arbeitsunfähig werden, bekommen sechs Wochen ihr Gehalt vom Arbeitgeber weitergezahlt. Anschließend zahlt die Krankenkasse für maximal 78 Wochen Krankengeld, das aber in der Regel deutlich geringer ausfällt als das Gehalt.

Danach ist die Rentenkasse zuständig. Arbeitnehmer, die nach dem 01.01.1961 geboren sind, erhalten eine volle Erwerbsminderungsrente, wenn eine Erwerbsunfähigkeit vorliegt, d. h., wenn sie weniger als drei Stunden täglich arbeiten können (egal welche Arbeit) und nicht, wenn sie "nur" nicht mehr in Ihrem Beruf arbeiten können.

Für Personen, die vorher geboren wurden, gelten andere Regelungen. Sie können auch dann eine Rente erhalten, wenn sie nur in ihrem Beruf nicht mehr arbeiten können.

Wer noch zwischen 3 und 6 Stunden pro Tag arbeiten kann, hat unter Umständen Anspruch auf eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung.

Die Höhe der Erwerbsminderungsrente errechnet sich aus den Rentenansprüche, also den Entgeltpunkten, die Versicherte bereits erworben haben. Im Schnitt erhalten Personen, die erwerbsunfähig werden, derzeit eine Rente von knapp über 700 Euro.

Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, haben in der Regel keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) kann deshalb besonders für die Personen sinnvoll sein, die bei Wegfall des Einkommens Schwierigkeiten hätten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

In der Regel zahlt eine BU (unabhängig von gesetzlichen Renten und anderen Bezügen) eine vereinbarte monatliche Rente, wenn der Versicherte höchstens noch zu 50 Prozent in seinem Beruf arbeiten kann, unabhängig davon, ob er mit der Erkrankung in einem anderen Beruf sogar Vollzeit arbeiten könnte.

Kosten Berufsunfähigkeitsversicherung

Zwischen den einzelnen Versicherungen gibt es enorme Preisunterschiede (teils über 100 Euro monatlich) für einen vergleichbaren Versicherungsschutz. Vergleichen lohnt sich also in jedem Fall.

Die Beitragshöhe ist abhängig von verschiedenen Faktoren:

  • Alter: Je früher Sie eine BU abschließen, desto niedriger sind die monatlichen Beiträge. Zudem ist für Jüngere die Chance größer, von einer Versicherung überhaupt aufgenommen zu werden, denn Vorerkrankungen sind in jungen Jahren seltener und die Gesundheitsprüfung weniger oft ein Problem.
  • Beruf: Auch der Beruf ist entscheidend. So sind die Tarife für Personen mit einer schweren körperlichen Arbeit (z. B. Bauarbeiter) meist höher als für Büroangestellte. Auch Selbstständige zahlen häufig höhere Tarife. Für bestimmte Berufsgruppen ist es schwierig, überhaupt von einer Versicherung angenommen zu werden. Dazu zählen z. B. Lehrer oder Möbelpacker, da bei diesen statistisch gesehen das Risiko für eine Berufsunfähigkeit hoch ist. Oft wird die Vertragslaufzeit für derartige "Risikoberufe" dann auch auf das Alter von 55 Jahren begrenzt. Allerdings bedeutet das, dass Personen gerade in der Zeit, in der die Gefahr einer Berufsunfähigkeit besonders hoch ist, ohne Versicherungsschutz dastehen.
  • Hobbys: Auch Personen mit gefährlichen Hobbys, z. B. Motorradfahren oder Fallschirmspringen, zahlen in der Regel mehr, falls sie überhaupt versichert werden.
  • Gesundheitsprüfung: Entscheidende Bedeutung für den Abschluss einer BU hat die Gesundheitsprüfung. Anhand der Krankenakte legen die Versicherungen fest, ob sie einen Antrag annehmen und wie hoch die Beiträge ausfallen. Schon eine Allergie oder ein Rückenleiden kann dazu führen, dass der Antrag abgelehnt wird. Aber auch die Teilnahme an einer Psychotherapie kann das Aus oder extrem hohe Beiträge bedeuten. Oder bestimmte Erkrankungen werden vom Vertrag ausgeschlossen.

Sie müssen die Gesundheitsfragen dennoch auf jeden Fall exakt und vollständig beantworten. Die Versicherung prüft erst im Schadensfall genau, ob ihre Angaben der Wahrheit entsprechen. Wenn Fehler auftauchen oder Krankheiten weggelassen wurden, zahlt sie unter Umständen keinen Cent.

Tipp

Lassen Sie sich von Ärzten und Krankenhäusern Kopien Ihrer Krankenakten aushändigen, um nicht aus Versehen etwas zu vergessen. Dann können Sie auch gleich kontrollieren, ob eventuell falsche Diagnosen und Behandlungen eingetragen wurden. Die sollten Sie umgehend aus Ihren Akten entfernen lassen.

Anonyme Risikovoranfrage

Für Personen mit gefährlichen Hobbys, Vorerkrankungen oder einem Beruf, bei dem es wahrscheinlicher als in anderen Berufen ist, berufsunfähig zu werden, ist es oft nicht einfach, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu finden.

Die einzelnen Versicherungen gehen jedoch sehr unterschiedlich mit Vorerkrankungen etc. um. Am besten ist es, durch einen Versicherungsmakler eine anonyme Risikovoranfrage stellen zu lassen. Im Falle einer Ablehnung bekommen Sie so keinen Eintrag in der zentralen Wagnisdatei der Versicherungen. Auf diese Datei haben alle Versicherer Zugriff. Ein entsprechender Eintrag kann die Chance verringern, von einer anderen Versicherung einen Vertrag zu erhalten.

Alternative: Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Falls Sie aufgrund Ihrer Krankengeschichte oder Ihres Berufes keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen, haben Sie die Möglichkeit, zu versuchen, eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) abzuschließen.

Die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn Sie keiner Arbeit mehr nachgehen können - also nicht, wenn Sie "nur" in Ihrem Beruf nicht mehr arbeiten können.

Erwerbsunfähigkeitsversicherungen sind in der Regel einfacher zu bekommen und günstiger als Berufsunfähigkeitsversicherungen. Dennoch führen auch bei der EU bestimmte Vorerkrankungen zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder zur Ablehnung des Vertrages. Dann bleiben als Alternativen zum Beispiel noch:

  • Dread-Disease-Versicherungen zahlen auf einmal eine vereinbarte Summe aus, wenn eine im Vertrag vereinbarte schwere Krankheit (z. B. Krebs) diagnostiziert wird bzw. diese einen bestimmten Schweregrad erreicht hat. Die Auszahlung der Summe erfolgt dann unabhängig davon, ob Sie noch arbeiten können.
  • Grundfähigkeitsversicherungen zahlen eine Rente, wenn Sie aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls Grundfähigkeiten (z. B. Sehen, Laufen oder Sprechen) ganz oder teilweise verlieren.

Darauf sollten Sie beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten

  • Die Höhe der monatlichen Rente sollte so gewählt werden, dass Sie (unter Berücksichtigung weiterer Einnahmequellen) ihren Lebensunterhalt bestreiten können.
  • Vor allem wenn der Vertrag in jungen Jahren abgeschlossen wird, sollte man über eine Nachversicherungsgarantie nachdenken. Das ist die Option, die Höhe des Versicherungsschutzes ohne erneute Gesundheitsprüfung an eine neue Lebenssituation (z. B. Geburt von Kindern) anzupassen. Nachteil: Die Kosten sind oft höher.
  • Achten Sie nicht nur auf die Netto- sondern auch auf die Bruttoprämie. Die Versicherung darf den Beitrag nämlich bis zur Bruttoprämie erhöhen.
  • Vorsicht auch bei Arztanordnungsklauseln. Das bedeutet, dass die Versicherung vom Versicherten verlangen kann, bestimmte Behandlungen an sich vornehmen zu lassen.
  • Die Absicherung sollte bis zum Renteneintrittsalter reichen. Allerdings bekommen Versicherte mit Risikoberufen, wenn überhaupt, in der Regel nur eine Versicherung mit einer kürzeren Laufzeit.
  • Informieren Sie sich, ob Ihr Arbeitgeber einen Gruppenvertrag anbietet. In dem Fall fällt die Gesundheitsprüfung in der Regel komplett weg. Aber auch hier gilt: Vergleichen Sie Tarife! Besonders für Jüngere kann ein einzelner Vertrag bessere Konditionen bieten.

Tipp

Finanzexperte Sebastian Hanisch mahnt zur Vorsicht bei Kombiprodukten (z. B. Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherung): Sie sind schwerer mit anderen Anbietern zu vergleichen. Und: Wenn man seine Lebensversicherung kündigen muss, gefährdet man seinen BU-Schutz.


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