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Sicherheit Richtiges Verhalten bei einem Autounfall

Etwa alle zwölf Sekunden ereignet sich auf deutschen Straßen ein Unfall. Zum Glück sind das häufig keine schweren Unfälle, sondern nur Blechschäden. Aber auch das ist für die Beteiligten ärgerlich genug. Vor allem, wenn sie nicht genau wissen, was sie nach einem Unfall beachten müssen. Marcus da Gloria Martins von der Münchner Polizei gibt dazu Tipps.

Stand: 23.05.2019

Eine Frau stellt ein Warndreieck auf. | Bild: picture-alliance/dpa

Anhalten und Personalien herausgeben

Sind Sie in irgendeiner Weise an einem Unfall beteiligt, müssen Sie anhalten, damit Ihre Personalien aufgenommen werden können. Dazu sind Sie gesetzlich verpflichtet. Das gilt auch, wenn Sie Zeuge eines Unfalls werden. Sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen, ist Bürgerpflicht. Ausnahme: Sie haben ein besonderes verwandtschaftliches Verhältnis zum Verursacher (Zeugnisverweigerungsgrund).

Für Zeugen gibt es jedoch keine Verpflichtung zu warten, bis die Polizei eintrifft. Es genügt, wenn diese ihren Namen und ihre Telefonnummer hinterlassen.

Unfallstelle absichern

Das Wichtigste ist, sofort die Unfallstelle abzusichern, damit nicht noch weitere Fahrzeuge in den Unfall verwickelt werden.

  • Schalten Sie die Warnblinkanlage ein, bei Dunkelheit zusätzlich die Innenbeleuchtung des Fahrzeuges.
  • Stellen Sie das Warndreieck in ausreichendem Abstand auf (auf Landstraßen beträgt dieser etwa 100 m, auf Autobahnen 200 m).
  • Verlassen Sie das Unfallfahrzeug und warten Sie an einem sicheren Ort auf das Eintreffen der Polizei oder der Rettungskräfte (auf Autobahnen hinter der Leitplanke).
  • Ziehen Sie eine Warnweste an.
  • Ist es nicht möglich, das Auto zu verlassen, bleiben Sie unbedingt angegurtet.

Unfallstelle räumen

Bei geringfügigen Schäden (Bagatellschäden) muss die Unfallstelle geräumt werden, um den Verkehrsfluss nicht unnötig zu blockieren. Um den Unfallhergang später rekonstruieren und im Streitfall die Schuldfrage klären zu können, sollten Sie jedoch zuvor die Stelle markieren (ein Stück Kreide befindet sich in jedem Verbandskasten) und, falls möglich, aus verschiedenen Blickwinkeln fotografieren. Vergessen Sie nicht, auch eventuelle Bremsspuren auf Fotos zu dokumentieren, da diese ebenfalls Aufschluss über den Unfallhergang geben.

Verletzte Personen

Auch wenn Personen verletzt worden sind, ist es das Wichtigste, zuerst den Unfallort abzusichern. Anschließend müssen Sie den Rettungsdienst (112) rufen und, wenn nötig, sofort Erste Hilfe leisten. Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar.

Damit die Rettungskräfte sofort die richtigen Maßnahmen einleiten können, sollten Sie folgende Angaben machen:

  • Wer spricht?
  • Wo ist der Unfall passiert?
  • Wie viele Personen wurden verletzt?
  • Wie schwer sind die Verletzungen? / Welche Art von Verletzungen? (Ist jemand eingeklemmt, brennt ein Fahrzeug usw.)
  • Warten auf Rückfragen

Übrigens: Die Pflicht, den Rettungsdienst zu alarmieren und Erste Hilfe zu leisten gilt nicht nur für die Unfallbeteiligten, sondern auch für Zeugen und Personen, die erst später hinzugekommen sind. Unterlassen Sie dies, kann das eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung zur Folge haben.

Wann sollte man die Polizei rufen?

Wenn die Polizei zu einem Unfall gerufen wird, führt das in den meisten Fällen zu einem Bußgeld- oder Strafverfahren für den Verursacher. Bei Bagatellschäden müssen Sie die Polizei nicht unbedingt rufen. Den Versicherungen genügt in solchen Fällen ein Unfallprotokoll.

Sie sollten jedoch die Polizei rufen, wenn

  • Personen getötet oder verletzt wurden (außer bei ganz leichten Verletzungen)
  • ein hoher Sachschaden vorliegt
  • Sie glauben, dass Ihr Unfallgegner unter Alkohol- oder Drogeneinfluss steht
  • Sie den Verdacht haben, dass der Unfall provoziert wurde
  • ein schwerer Verkehrsverstoß vorliegt
  • der Unfallgegner sich nicht ausweisen kann oder Fahrerflucht begeht
  • Sie sich mit dem Unfallgegner nicht einigen können, wer Schuld hat, vor allem, wenn mehrere Fahrzeuge in den Unfall verwickelt sind
  • der Unfallbeteiligte entweder im Ausland lebt oder das Auto im Ausland gemeldet ist

Unfallprotokoll

Wird die Polizei nicht hinzugerufen, sollten Sie unbedingt ein Unfallprotokoll anfertigen. Am besten verwenden Sie dazu einen Vordruck des Europäischen Unfallberichtes, der bei Versicherungen und Automobilclubs erhältlich ist. Falls Sie keinen Vordruck zur Hand haben, können Sie den Bericht auch selbst schreiben. Er sollte folgende Angaben enthalten:

  • Datum, Zeit und genauen Ort des Unfalls
  • Name, Anschrift und Telefonnummer der beteiligten Fahrer (Lassen Sie sich den Führerschein oder Ausweis zeigen!)
  • Name und Adresse des Fahrzeughalters (steht im Fahrzeugschein)
  • Kennzeichen und Autotyp der beteiligten Fahrzeuge
  • Name der Versicherung und Versicherungsnummer der Beteiligten
  • Name, Anschrift und Telefonnummer von Zeugen
  • Zeichnen Sie eine Skizze und schildern Sie den Unfallhergang.

Vergessen Sie nicht, dass alle Beteiligten den Unfallbericht unterschreiben müssen.

Geben Sie jedoch unter keinen Umständen ein Schuldbekenntnis ab. Das kann zu Problemen mit der Versicherung führen, da Versicherte nicht dazu berechtigt sind, eigenmächtig die Schuld anzuerkennen, auch nicht teilweise.

Wenn Sie eine Kamera zur Hand haben, machen Sie zudem Fotos. Achten Sie darauf, dass Sie aus verschiedenen Perspektiven fotografieren und sowohl Überblicksaufnahmen, als auch Detailaufnahmen (Schäden und Bremsspuren) anfertigen.

Beschädigung von parkenden Fahrzeugen

Wer ein parkendes Auto beschädigt und weiterfährt, begeht Unfallflucht. Das kann Sie den Führerschein kosten und ist mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe belegt. Deshalb müssen Sie - abhängig von Zeit, Örtlichkeit und Schadenshöhe - mindestens 30 Minuten an der Unfallstelle warten. Falls der Halter in dieser Zeit nicht erscheint, müssen Sie Ihren Namen und Ihre Anschrift hinterlassen und den Unfall sofort bei der nächsten Polizeidienststelle melden. Alternativ können Sie über den Notruf 110 die Polizei zur Unfallstelle rufen.

Unfall im Ausland

Bei einem Unfall im Ausland sollten Sie immer die Polizei hinzurufen, denn viele ausländische Versicherungen bezahlen nicht, wenn kein amtliches Protokoll vorliegt. Wichtig ist zudem, dass Sie unter keinen Umständen etwas unterschreiben, dessen Inhalt Sie nicht verstehen. Wurden Sie verletzt, sollten Sie sich dies vor Ort attestieren lassen. Ebenso sollten Sie Totalschäden einem Gutachter vor Ort vorführen.


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