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Finanzen Auto im Abo - eine gute Idee?

Nach über einem Jahr Pandemie meiden viele Menschen nach wie vor öffentliche Verkehrsmittel, aber können oder wollen sich kein eigenes Auto leisten. Die Lösung des Problems: Autos im Abo. Was sind die Unterschiede zum Leasing? Welche Vor- und Nachteile birgt ein Abonnement? Finanzexperte Sebastian Hanisch klärt auf.

Stand: 21.04.2021 14:11 Uhr

Finanzexperte Sebastian Hanisch | Bild: BR

Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf unsere Mobilität aus. Da in Bahn, Bus und Flugzeug Abstandhalten oft nicht möglich ist, bevorzugen immer mehr Menschen, kürzere wie längere Strecken im Auto zurückzulegen. Doch muss es der "eigene" Wagen sein? Die Nachfrage nach Autos im Abonnement wächst.

Laut dem Duisburger Center Automotive Research (CAR) wurden in Deutschland 2020 rund 42.000 Auto-Abos abgeschlossen. Da auch zunehmend Automobilhersteller und klassische Anbieter von Automobilvermietungen dieses Modell für sich entdecken, darf mit einem stark wachsenden Anstieg gerechnet werden. Beim CAR geht man von einer Million Auto-Abo-Fahrzeugen auf deutschen Straßen bis 2030 aus.

Wie funktioniert ein Auto-Abo?

Ein Auto-Abo ist ein vorübergehender Autobesitz. Für einen monatlichen Festpreis bekommen Kunden einen PKW zur Verfügung gestellt. Der Hauptunterschied zum Leasing ist, dass die (Mindest-)Vertragsdauer in der Regel deutlich kürzer ist. Meist liegt sie zwischen einem und sechs Monaten. Die Gestaltung der (Mindest-)Mietdauer, Kündigungsfristen und die Möglichkeit des Fahrzeugwechsels oder der Weiternutzung des Autos für einen längeren Zeitraum ist - je nach Anbieter - sehr unterschiedlich geregelt.

Wer bietet Auto-Abos an?

Es gibt einige Start-ups, die Auto-Abos anbieten und dieses Konzept erst bekannt gemacht haben. In der Zwischenzeit boomt das Segment aber regelrecht. Heute bieten auch viele Autohersteller, klassische Autovermieter, aber auch Autohäuser diese Abos an.

Was ist im Abo enthalten?

Das Praktische: In dem Abo ist fast alles enthalten. Neben der Fahrzeugnutzung an sich sind in der Regel Versicherung, Steuern, Zulassung, Wartungen, Inspektionen und gegebenenfalls Reifenwechsel enthalten. Für Sprit oder Strom muss der Kunde meist selbst aufkommen. Aber es gibt auch Verträge, bei denen Tanken inkludiert ist. Die Abo-Anbieter haben oft verschiedene Kilometerpakete im Angebot, in der Regel werden nicht genutzte Kilometer gutgeschrieben, Mehrkilometer extra berechnet.

Wieviel kostet ein Auto-Abo?

Die monatlichen Kosten beginnen bei Auto-Abos bei etwa 200 Euro. Dafür bekommt man meist einen Kleinstwagen. Für größere Autos sind ein paar Hundert Euro im Monat fällig. Fahrzeuge der Oberklasse können aber auch über 1.000 Euro, Luxusautos sogar über 2.000 Euro im Monat kosten.
Die Höhe der Preise hängt auch davon ab, wie viele "Inklusive-Kilometer" gewählt werden, wie viele Kilometer man also im Monat ohne Mehrkosten fahren darf. Manchmal kommt auch eine Fixgebühr dazu.

Was sind die Vorteile eines Auto-Abos?

Auto-Abos sind vor allem eines: bequem. Kunden müssen sich nicht um Schreibkram kümmern. Die Abos lassen sich meist recht unkompliziert online abschließen. Und man bindet sich nicht lange. Da das Fahrzeug Eigentum des Verleihers bleibt, trifft den Kunden auch kein Wertverlust. Die Kosten sind wegen der festen monatlichen Pauschale meist gut zu überblicken. Man kann ein Fahrzeug, das einem nicht gefällt, schnell wieder abgeben. Damit hat man auch die Möglichkeit, einfach mal auszuprobieren, ob zum Beispiel ein E-Auto im Alltag für einen geeignet ist, bevor man es kauft.

Was sind die Nachteile eines Auto-Abos?

Die Auswahl bei den Abo-Fahrzeugen ist bei vielen Anbietern überschaubar. Das heißt, Sie müssen meist mit einer vorgegebenen Fahrzeugkonfiguration auskommen. Die Fahrzeuge sind in der Regel keine Neufahrzeuge. Die Möglichkeit, das Fahrzeug am Ende der Laufzeit zu übernehmen, besteht im Normalfall nicht. Bei manchen Anbietern gibt es ein Mindest- bzw. Höchstalter. Eine Fahrerin oder ein Fahrer unter 25 oder über 75 kann manche Angebote beispielsweise nicht nutzen. Das umfangreiche Inklusive-Paket der Abos schlägt natürlich auch kostenmäßig zu Buche.

Vorsicht

In jedem Fall sollten Sie das "Kleingedruckte" genau lesen. Bei manchen Angeboten sind Extra-Kilometer, die also über die vereinbarten Höchstgrenzen hinausgehen, sehr teuer. Wichtig auch: Wie hoch ist die Selbstbeteiligung im Schadensfall? Besonders heikel ist immer die Rückgabe des Fahrzeugs. Wenn eine kleine Delle oder ein Lackschaden in den Augen des Anbieters nicht mehr unter "normale Gebrauchsspuren" fällt, dann müssen Sie den Schaden bis zur Höhe der Selbstbeteiligung, die auch mal bei 1.000 Euro liegen kann, selbst tragen.

Fazit

  • Auto-Abos bieten tatsächlich eine hohe Flexibilität und sind bequem. Sie lohnen sich besonders für Menschen, die nur für einen begrenzten Zeitraum ein (zweites) Auto benötigen - zum Beispiel, wenn ein Jobwechsel in eine andere Stadt ansteht, der Umzug mit der ganzen Familie aber erst später erfolgen soll.
  • Berücksichtigt man alle Inklusiv-Leistungen, sind manche Angebote auch einigermaßen günstig. Dennoch: Die billigste Alternative sind Abos nicht. Und: Sie sind bei der Wahl der Fahrzeugkonfiguration meist eingeschränkt.
  • Wenn Sie sich für ein Abo entscheiden, setzen Sie Ihre monatlichen "Inklusive-Kilometer" nicht zu niedrig an. Achten Sie auch unbedingt auf die Selbstbeteiligung bei der Versicherung. Ist sie sehr hoch, kann ein Schadensfall für Sie sehr teuer werden. Außerdem: Vergleichen Sie Angebote!

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