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Finanzen Was Sie 2019 noch unbedingt erledigen sollten

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Weihnachten steht vor der Tür! Und auch wenn es in dieser stressigen Zeit schon genug zu erledigen gibt, lohnt es sich, auch nochmal einen Blick auf die Finanzen zu werfen. Finanzexperte Sebastian Hanisch erklärt, was Sie 2019 unbedingt noch erledigen sollten.

Stand: 06.12.2019

Terminkalender mit Euro-Geldscheinen | Bild: picture alliance / Stephan Persch

Tipp 1: Ausgaben prüfen und Steuern sparen

Manche Ausgaben können Sie beim Finanzamt steuerlich geltend machen und so Steuern sparen. In einigen Fällen müssen Sie aber unbedingt noch vor Jahresende tätig werden.

Werbungskosten

Das Finanzamt gesteht Arbeitnehmern einen Pauschbetrag von 1.000 Euro für Werbungskosten zu. Dazu zählen Ausgaben im Zusammenhang mit dem Beruf, z. B. Fahrt- und Reisekosten, Ausgaben für Arbeitsmittel, Bewerbungen und Fortbildungen oder Beiträge für Berufsverbände. Wenn Sie dem Finanzamt keine Belege vorlegen, berücksichtigt es also immer 1.000 Euro als Kosten. Wenn bei Ihnen aber bereits Ausgaben über 1.000 Euro angefallen sind, oder sie knapp darunterliegen, kann es sich lohnen, noch etwaige geplante Ausgaben in das Jahr 2019 vorzuziehen, um sie steuerlich noch geltend zu machen. Denn das Finanzamt akzeptiert auch höhere Ausgaben – in dem Fall müssen Sie die Ausgaben aber natürlich belegen und eine Einkommensteuererklärung abgeben.

Handwerkerkosten und Haushaltsdienste

Wenn Sie Handwerker für Renovierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen bei Ihnen zuhause beauftragen, zum Beispiel um Ihr Bad fliesen zu lassen, können Sie Ihre Einkommensteuer drücken. Ein Fünftel der Kosten für die Handwerkerleistung (dazu zählen Materialkosten zum Beispiel nicht) werden dann abgezogen – maximal aber 1.200 Euro. Wenn Sie in diesem Jahr also bereits über diesem Wert liegen, sollten Sie weitere Ausgaben, falls möglich, ins nächste Jahr verschieben. Es gilt immer der Termin, an dem Sie die Kosten per Banküberweisung bezahlt haben (Barzahlungen sind also ausgeschlossen).

Auch durch haushaltsnahe Dienstleistungen können Sie Steuern sparen. Dazu zählen zum Beispiel: Putzdienste, Laubblasen oder Schnee räumen. Entscheidend ist, dass der Dienstleister den Dienst in unmittelbarem räumlichen Bezug zum Haushalt ausführt. Hier können sogar bis zu 4.000 Euro von der Steuer abgezogen werden.

Krankenkosten bündeln

Vielleicht kommt dieser Tipp für 2019 zu spät, aber Sie können ihn sich für die Zukunft merken: Legen Sie planbare Behandlungskosten, wie z. B. Kuraufenthalt, neue Brille, Zahnarztbehandlung in ein Kalenderjahr, wenn Sie dadurch die zumutbare Belastungsgrenze überschreiten. Diese Grenze beträgt je nach Einkommenshöhe und Anzahl der Kinder zwischen 1 und 7 Prozent der Einkünfte (vgl. § 33 Einkommensteuergesetz). Kosten, die über die Grenze hinausgehen, werden als außergewöhnliche Belastung vom Finanzamt berücksichtigt. Die zu versteuernden Einkünfte reduzieren sich dann entsprechend.

Es werden aber nicht alle Kosten akzeptiert. Reine Prophylaxemaßnahmen können zum Beispiel nicht angesetzt werden.

Tipp 2: Abgeltungsteuer sparen

Bis zu 801 Euro, bzw. bis zu 1.602 Euro bei Verheirateten/Verpartnerten, sind bei Zinseinkünften, Dividenden und realisierten Kursgewinnen steuerfrei. Das ist der so genannte Sparerpauschbetrag. Was darüber hinausgeht, wird mit der Abgeltungssteuer belastet. Banken führen die direkt an das Finanzamt ab. Damit die Geldhäuser den Sparerpauschbetrag berücksichtigen, kann man ihnen einen Freistellungsauftrag erteilen. Hat man Konten bei mehreren Banken, kann man auch mehrere Freistellungsaufträge erteilen – allerdings nur bis zur Gesamthöhe des Pauschbetrags. Korrigieren Sie die gegebenenfalls, damit Sie für Zinseinkünfte am Jahresende nicht unnötig Abgeltungsteuer zahlen. Aber Vorsicht: Sie dürfen in der Summe der erteilten Freistellungsaufträge nicht über den Sparerpauschbetrag (801 bzw. 1.602 Euro) kommen.

Übrigens: Sollte eine Bank für Einkünfte von Ihnen Abgeltungsteuer an das Finanzamt abgeführt haben, weil kein (ausreichender) Freistellungsauftrag vorlag, Sie Ihren Freibetrag aber noch nicht ausgeschöpft haben, können Sie die zu viel gezahlten Steuern mit der Anlage KAP bei der Einkommensteuererklärung zurückholen.

Wichtig: Wenn Sie bei einer Bank über verschiedene Konten/Anlagen Gewinne und gleichzeitig auch Verluste erwirtschaften, verrechnet das Geldhaus diese miteinander. Fallen aber Gewinne und Verluste bei verschiedenen Banken an, können die nur über die Steuererklärung ausgeglichen werden. Dafür benötigen Sie eine Verlustbescheinigung von der Bank, bei der Verluste angefallen sind. Die Verlustbescheinigung muss allerdings bis spätestens zum 15. Dezember beantragt werden. Die müssen Sie dann über die Anlage KAP bei der Steuererklärung einreichen.

Tipp 3: Heiraten/Lebenspartnerschaft

Sollten Sie Heiratspläne haben, können Sie sich standesamtlich noch bis zum 31. Dezember trauen lassen, um für das komplette Jahr 2019 vom Ehegattensplitting zu profitieren. Allerdings könnten die Termine im Standesamt hierfür mittlerweile knapp sein.

Tipp bzgl. Lebenspartnerschaft: Wenn Sie in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, die vor dem Jahr 2012 geschlossen wurde, können Sie auch für die Zeiten davor rückwirkend vom Ehegattensplitting profitieren. Lassen Sie noch bis Ende 2019 Ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln. Danach können Sie als Ehegatten bis zum Ende des Jahres 2020 die Aufhebung oder Änderung der alten Steuerbescheide beantragen.

Tipp 5: Riester-Zahlung

Wenn sich Ihr Gehalt 2018 erhöht hat, sollten Sie als Riester-Sparer aufpassen: Um in den Genuss der vollen staatlichen Förderung zu kommen, müssen Sparer inklusive der Zulagen vom Staat mindestens 4 Prozent ihres renten­versicherungs­pflichtigen Einkommens einzahlen (2.100 Euro maximal). Es gilt immer das Vorjahr (also 2018). Bis zum Jahresende können Sie noch nachzahlen.

Tipp 6: Sondertilgung nutzen

Sollten Sie derzeit einen Immobilienkredit abbezahlen, überprüfen Sie, ob Sie 2019 noch kostenfreie Sondertilgungen leisten können. Entscheidend sind die Regelungen im Kreditvertrag. Wenn Sie zum Beispiel aufgrund eines hohen Gehaltsbonus am Jahresende Geld übrighaben, lohnt es sich meist, eine Sondertilgung zu leisten, anstatt das Geld unverzinst auf dem Tagesgeldkonto liegen zu lassen. Denn so zahlen Sie den Baukredit schneller ab und sparen so Zinsen.


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