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Hunde Tierschutzhunde: Das hilft bei Anfangsschwierigkeiten

Sie haben einen Hund aus dem Tierschutz zu sich geholt. Herzlichen Glückwunsch! Doch nach der ersten, behutsamen Eingewöhnung gibt es noch Probleme? Das ist kein Grund zur Sorge, denn Ihr neuer Vierbeiner muss sich erstmal zurechtfinden und das richtige Verhalten lernen. Hundetrainerin Sonja Meiburg zeigt, wie Sie die Signale Ihres Hundes "lesen! und ihm aus Situationen heraushelfen, die ihn verunsichern.

Published at: 4-6-2024 10:58 vorm.

Zwei kleine Hunde auf der Straße | Bild: BR / stock.adobe.com / Tatiana Zaghet

Wenn Ihr Tierschutzhund ängstlich ist

Viele Hunde, insbesondere aus dem Auslandstierschutz, aber auch aus heimischen Tierheimen, zeigen ängstliches Verhalten, wenn sie in eine neue Familie kommen.

Das ist nicht ungewöhnlich. Das Leben des Hundes ändert sich jetzt drastisch und er kann nichts dagegen tun. In seinem neuen Zuhause kommt er mit unbekannten Menschen, Situationen und Gerüchen in Kontakt und weiß noch nicht, wie er damit umgehen soll. Deshalb sind viele Hunde in ihrem neuen Zuhause erstmal gehemmt, ängstlich oder unsicher.

Das Problem ist, dass wir Menschen dieser Angst oft mit falschem Verhalten begegnen. Wir möchten den Hund zu seinem Glück zwingen und bringen ihn dadurch in eine Lage, mit der er noch nicht zurechtkommt. Das kann im schlimmsten Fall aggressives Verhalten hervorrufen.

Ein Beispiel: Der Hund, der frisch aus dem Tierheim zu seiner neuen Familie umgesiedelt ist, lässt sich nicht streicheln. Er weicht aus und geht weg. Aus gutem Willen heraus halten ihn manche Menschen dann fest, um ihn zu streicheln. "Damit er merkt, dass das nicht schlimm ist". Es ist aber für den Hund schlimm, auch wenn wir das nicht nachvollziehen können. Hat der Hund mit seiner Rückzugs-Strategie keinen Erfolg, weil der Mensch ihn zwingt, bleibt ihm irgendwann nichts anderes übrig, als sich zu wehren. Das heißt: Er könnte knurren oder schnappen, um mehr Distanz zum Menschen zu bekommen, denn der Mensch weicht ja dann zurück. Hat der Hund damit Erfolg, setzt er diese Strategie immer wieder ein, weil er ja keine andere erfolgreiche Strategie kennt.

Deshalb: Reagiert ein Hund ängstlich, ist es wichtig, diese Ängste ernst zu nehmen und ihn nach Möglichkeit nicht zu zwingen, um eine Eskalation zu vermeiden.

"Ich möchte Ihnen das Verhalten von Tierschutzhündin Mara erklären, die ich aus meinem Training kenne: Sie reagiert heftig auf fremde Menschen und Hunde. Mich mag sie, weil ich ihr meine Gegenwart nie aufgezwungen habe. Trotzdem weicht sie mir subtil aus. Lade ich sie aber ein, zu mir zu kommen, macht sie das gerne. Heute lässt sie sich sogar von mir füttern. Mara hat gelernt, dass sie ausweichen darf, wenn sie möchte. Das hat dazu geführt, dass sie sich auf Dauer immer weiter vorgewagt hat. Und wenn sie sich mehr traut, bestärken wir das sofort, zum Beispiel, indem ihre Halterin ihr Leckerlis gibt."

Sonja Meiburg, Hundetrainerin

Kann ich meinen Hund von Fremden füttern lassen, damit er sie mag?

Wenn fremde Menschen Ihren Hund mit Futter locken, ist das keine so gute Idee. Denn der Hund kann dadurch in einen Konflikt geraten. Er möchte zwar das Leckerli, aber er möchte nicht zu dem Menschen hin. Das kann ihn sehr hektisch machen, weil seine Aufregung steigt. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit für Gebell oder plötzliches Schnappen.

Mein Tipp: Mag Ihr Hund nicht von fremden Menschen gestreichelt werden, zwingen Sie ihn nicht. Sie dürfen Ihren Hund aber belohnen, falls er sich von sich aus neugierig anderen Menschen annähert. Füttern Sie ihn dann ruhig, lassen ihn aber ausweichen, wenn er das möchte. Der Hund lernt: "Schnupper ich mal an einem Menschen, bekomme ich dafür ein Leckerli und kann wieder weggehen. Prima, da kann ich mich gleich nochmal trauen, denn es kann ja nichts passieren!"

Was tun, wenn mein Hund andere Menschen anbellt?

Falls Ihr Hund einen fremden Menschen anbellt, sorgen Sie für etwas mehr Distanz, so dass er sich wieder sicher fühlt. Dann hört auch sein Gebell auf. Noch viel, viel besser wäre es, wenn Sie früher reagieren könnten. Nämlich in dem Moment, in dem Sie merken, dass Ihr Hund sich unwohl fühlt. Das ist schon lange vor einer Bellattacke erkennbar.

Doch leider ist es so, dass wir oft die kleinen, subtilen Stressanzeichen bei ängstlichen Hunden übersehen. Wenn wir aber wissen, worauf wir achten müssen, können wir dem Hund besser helfen.

Woran erkenne ich, dass mein Hund Stress hat?

Gerät ein Hund in eine Stresssituation, zeigt er je nach Veranlagung und Lernerfahrung verschiedene Strategien, um daraus zu entkommen.

Es beginnt mit Meideverhalten:

  • der Hund wendet den Blick ab
  • leckt sich leicht über die Lefzen
  • duckt sich
  • dreht sich weg

Reicht das nicht, um die Situation zu beenden, muss der Hund sein Verhalten steigern. Er versucht zum Beispiel, sich zu entziehen und weicht aus.

Funktioniert das auch nicht, weil der Hund weiter bedrängt und seiner Bitte um Distanz nicht nachgekommen wird, eskaliert die Situation noch mehr. Dem Hund bleibt nichts anderes mehr übrig, als drohend zu knurren, zu schnappen oder sogar zu beißen.

Wie helfe ich meinem Hund, wenn ich merke, dass ihm eine Situation zu viel wird?

Achten Sie auf die ersten, kleinen Stresssignale. Wenn Sie Anzeichen wie "Kopf abwenden", "Blickkontakt vermeiden" oder "Ausweichen" entdecken, geben Sie Ihrem Hund mehr Distanz, um eine Eskalation zu vermeiden. Sie können Ihren Hund zu sich rufen, einen kleinen Bogen laufen oder ihm Leckerlis ins Gras werfen - weg von den fremden Menschen.

So kann Ihr Hund lernen, dass er von selbst weggehen kann, wenn ihm etwas zu viel wird.

Fazit: Ein Hund muss sich nicht von jedem streicheln und anfassen lassen. Wir Menschen fänden das auch nicht angenehm. Es ist wichtig, dass er die Möglichkeit bekommt, auszuweichen, wenn er sich unwohl fühlt, damit er nicht knurren oder schnappen muss. Wir Menschen können ihm helfen, Konfliktsituationen zu vermeiden und dadurch mehr Gelassenheit zu erlernen.

Wichtig:

Wenn Sie merken, dass Ihr Hund Anzeichen von Unwohlsein zeigt, dann lassen Sie bitte nicht zu, dass er weiter bedrängt wird.

Viel Erfolg wünschen Ihnen Hundetrainerin Sonja Meiburg und "Wir in Bayern"!


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