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Psychologie So gehen Sie am besten mit Stimmungsschwankungen um

Leiden Sie gerade an einem "Novemberblues"? Stimmungsschwankungen sind in dieser Jahreszeit keine Seltenheit. Wahrscheinlich hat sie jeder, nur die Ausprägung ist unterschiedlich. Doch was können wir selbst tun, damit unsere Laune nicht regelmäßig in den Keller sackt? Tipps von Familientherapeutin Birgit Salewski.

Published at: 19-10-2021

Frau geht im Herbst spazieren. | Bild: Colourbox

Stimmungsschwankungen sind vor allem in der Pubertät stark ausgeprägt. Doch auch im Erwachsenenalter können sie auftreten - nicht nur im tristen Herbst. Bei manchen sogar so stark, dass nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Angehörigen unter ihnen leiden. Die Ursachen hierfür können unterschiedlich sein. Familientherapeutin Birgit Salewski gibt Tipps, wie Sie mit Stimmungsschwankungen am besten umgehen.

Was versteht man unter Stimmungsschwankungen?

Birgit Salewski: "Stimmungsschwankungen sind im Umgangssprachlichen leider negativ besetzt. In Wirklichkeit ist unsere Gefühlslage eben schwankend, das heißt, sie ist wechselnd und auch beeinflussbar. Das ist also erstmal ganz normal.

Zu den Einflüssen zählen sehr stark unsere Gedanken, welche unser Fühlen beeinflussen. Daneben wie sich die Menschen in unserer Umgebung fühlen. Lachen, sagt man, ist ansteckend, aber eben andere Gefühle auch. Daher unterliegen wir alle über den Tag hinweg wechselnden Einflüssen durch unsere Erlebnisse, unsere Gedanken und auch die Stimmungslage der Menschen, die uns umgeben.

Die eigentliche Stimmungsschwankung ist Folgendes: Dass sich ohne ersichtlichen Grund die Stimmung verändert und zwar deutlich wahrnehmbar für den Betroffenen selbst und auch das Umfeld. Diese Stimmungsschwankungen sind belastend für denjenigen, den es betrifft, da es erstmal keine Ursache zu geben scheint."

Welche Ursachen können dahinterstecken?

Birgit Salewski: "Oft sind belastende Lebensereignisse, dauerhafter Stress, hormonelle Schwankungen oder noch nicht diagnostizierte Erkrankungen die Ursache."

Wann sollte ich besser einen Arzt aufsuchen?

Birgit Salewski: "Wenn mir oder dem Umfeld auffällt, dass es zum einen diese Schwankungen gibt und dass sie mich oder mein Umfeld belasten. Lieber einmal mehr den Arzt gefragt, ob es auch eine körperliche Ursache geben kann, bevor man zu lange unter den Schwankungen oder anhaltender gedrückter Stimmung leidet."

Welche Tipps hast du, damit man Stimmungsschwankungen in den Griff bekommt?

Birgit Salewski: "Es gibt drei einfach Schritte, die jeder von uns üben kann, um mit solchen Schwankungen ein bisschen auszukommen:

  1. Was fühle ich gerade und wo in meinem Körper spüre ich dieses Gefühl?
  2. Gibt es gerade Ereignisse/Erlebnisse oder Gedanken von mir, anhand denen ich mir diese Gefühle erklären kann?
  3. Angenommen die Situation, in der ich aktuell lebe, bleibt wie sie ist: Wie möchte ich mich in ihr fühlen? Wo würde ich dieses Gefühl spüren in meinem Körper?

Wenn man sich dafür ungefähr 10 Minuten Zeit nimmt, wird einem bewusster, was gerade los ist und dass es meistens doch auch eine Veränderung in der Gefühlslage gibt."

Was rätst du Angehörigen? An welchen Anhaltspunkten können sie sich orientieren?

Birgit Salewski: "Wenn die Veränderungen plötzlich und deutlich wahrnehmbar sind, suchen Sie das ruhige Gespräch und bieten Sie Ihre Beobachtung als Rückmeldung an. Fragen Sie den oder die Betroffene, wie er oder sie sich aktuell fühlt, sich Sorgen macht oder besondere Belastungen empfindet. Hält die Situation an und sind keine Ursachen ersichtlich, schlagen Sie einen Arztbesuch vor."

Wie sollten Angehörige am besten mit den Stimmungsschwankungen umgehen?

Birgit Salewski: "Am besten immer mit Ruhe und Gelassenheit. Wenn wir alle Kurven der Stimmungsschwankungen innerlich mitfahren, sind wir selber emotional nicht mehr im Gleichgewicht und womöglich auch keine Unterstützung mehr für jemanden, der unsere Hilfe brauchen kann.
Signalisieren Sie: Ich bin da, ich kann dich verstehen und deine Gefühle sind hier alle willkommen.
Bitte keine vorschnellen Lösungsvorschläge, sondern erst, wenn Sie gefragt werden. Das viel Wichtigere ist das Dasein."

Viel Erfolg bei der Umsetzung wünschen Birgit Salewski und "Wir in Bayern"!


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