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Hunde So klappt der Rückruf

Sie rufen und rufen. Und Ihr Hund tut alles Mögliche, aber er kommt nicht zu Ihnen zurück. Welche Gründe es dafür geben kann und wie Sie gezielt trainieren, dass Ihr Hund beim ersten Rufen zuverlässig zu Ihnen gerannt kommt, erklärt Hundetrainerin Anja Petrick.

Stand: 01.10.2021

Hund springt durchs Gras, Dalmatiner in Aktion | Bild: BR / Britta Barchet

Sie rufen Ihren Hund - und er kommt nicht. Das ist ärgerlich und kann sogar gefährlich werden, wenn er Richtung Straße rennt oder in eine brenzlige Situation gerät. Deshalb ist der zuverlässige Rückruf eine wichtige Voraussetzung, um entspannt und sicher mit Ihrem Hund unterwegs zu sein.

Mögliche Ursachen, warum Ihr Hund auf Abruf nicht kommt

  • Ihr Hund hat den Abruf noch nicht sicher gelernt. Hunde brauchen sehr viele Wiederholungen, bis ein Verhalten abrufbar ist, ohne dass sie darüber nachdenken müssen.
  • Ihr Hund ist in der Pubertät. Wenn als Welpe alles super geklappt hat und ab etwa viereinhalb Monaten der Einbruch kommt, zeigt Ihr Hund schlicht und ergreifend pubertäres Verhalten. Die schlechte Nachricht: das dauert ein bisschen. Je nach Hund kann es ein ziemliches Auf und Ab geben. Die gute Nachricht: es geht vorbei! Setzen Sie Ihr Ansprüche herab und an schlechten Tagen bleibt Ihr Hund an der Leine.
  • Ihr Hund ist ein Senior. Wenn der Abruf im Alter nicht mehr wie früher funktioniert, hört Ihr Hund vielleicht schlecht. Dazu kann ein gewisser Altersstarrsinn kommen oder auch Demenz. Unterschätzen Sie das nicht und sichern Sie Ihren Hund an Stellen, die gefährlich werden könnten.
  • Ihr Hund ist krank oder hat Schmerzen. Das kann sich darauf auswirken, ob er Kommandos ausführen kann oder nicht. Bei Schmerzen ist die Konzentrationsfähigkeit deutlich geringer. Vielleicht will sich Ihr Hund auch schonen.
  • Ihr Hund wurde mit Druck trainiert und meidet Sie. Hunde kommunizieren anders als wir Menschen. Wer seinen Hund mit Druck abruft, ruft das Kommando meist sehr laut und tief und geht dabei mit dem Oberkörper etwas nach vorne. Für den Hund sind das zwei verschiedene Signale: Ihre Stimme und Ihre Körpersprache sagen ihm, dass Sie wütend sind und er wegbleiben sollte. Das Kommando sagt ihm aber, dass er kommen soll. Er gerät in einen Zwiespalt.
  • Ihr Hund wurde mit Streicheln belohnt. Viele Hunde finden das im "Arbeitsmodus" unangenehm.

Vor dem Training

  • Überlegen Sie sich, mit welchem Kommando Sie Ihren Hund rufen möchten. Wichtig ist, dass Sie Ihren Hund nicht beim Namen rufen. Verwenden Sie am besten ein Kommando, das nicht so häufig in Ihrem alltäglichen Sprachgebrauch vorkommt. Die Worte "Komm" und "Hier" verwenden viele Hundebesitzer schnell mal in einem schärferen Ton. "Schau mal her" ist freundlicher und spezifischer.
  • Nutzen Sie ein zusätzliches Handzeichen. Das ist hilfreich, da Hunde sehr auf unsere Körpersprache achten. Für das "Schau mal her" können Sie zum Beispiel eine zur Seite gehaltene Hand verwenden.

Trainingsablauf

Sorgen Sie für eine reizarme Umgebung ohne Ablenkung, damit der Hund überhaupt eine Chance hat, zu verstehen, was Sie von ihm möchten.

  • Rufen Sie freundlich das Kommando und geben gleichzeitig das Handzeichen.
  • Loben Sie Ihren Hund schon gleich beim ersten Schritt in Ihre Richtung.
  • Sobald er bei Ihnen angekommen ist, geben Sie ihm ein gutes Leckerchen.

Schafft Ihr Hund diesen Ablauf gut, können Sie langsam die Ablenkung steigern und in einer anderen Umgebung trainieren, in der zum Beispiel auch mal ein Spaziergänger, Radler oder ein anderer Hund vorbeikommt.

Tipp


Geben Sie Ihrem Hund genügend Zeit zum Lernen. So schaffen sie die Grundlage für eine gute und vertrauensvolle Bindung.

Die Belohnung

Wichtig ist, dass die Belohnung etwas richtig Gutes für Ihren Hund ist. Das Trockenfutter, das er normalerweise sowieso bekommt, ist eher langweilig. Probieren Sie ruhig Verschiedenes aus: Fleischwurst, Käse, es gibt Hunde, die lieben Karotten oder Gurken. Wenn Ihr Hund keine Leckerchen mag, versuchen Sie herauszufinden, was Ihren Hund motiviert: Reicht ein stimmliches Lob? Macht Ihr Hund etwas besonders gerne, zum Beispiel Schwimmen oder Buddeln? Dann ermöglichen Sie es ihm nach einem gut durchgeführten Kommando.

Zu Beginn des Trainings bekommt Ihr Hund immer eine Belohnung, wenn er dem Abruf gefolgt ist. Sobald er sicher kommt, müssen Sie ihm nicht mehr jedes Mal etwas geben. Das aber nach dem Zufallsprinzip, denn Hunde verstehen schnell, wenn es nur noch jedes zweite Mal etwas gibt. Nach und nach gibt es dann immer seltener Leckerchen.

Wenn Sie merken, dass ein Kommando nicht mehr gut funktioniert, arbeiten Sie vorübergehend wieder öfter mit Leckerchen.

Resümee

Checken Sie zunächst, ob Ihr Hund körperlich gesund und in der Lage ist, Ihr Kommando zu hören und auszuführen. Starten Sie das Training in einer Umgebung ohne Ablenkung. Wiederholen Sie das Abruftraining immer wieder und steigern Sie langsam die Ablenkung.

Übrigens

Dieses Thema behandelt Anja Petrick auch in ihrem Buch „Wir sind ein Team - Hunde fair trainieren“, erhältlich im BRshop.

Viel Erfolg wünschen Anja Petrick und "Wir in Bayern"!


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