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Sicherheit Notruf 112: Das sollten Sie wissen!

Ein schwerer Unfall, ein Brand oder eine andere lebensbedrohliche Situation: Sie rufen sofort die 112! Doch gilt diese Nummer auch im Ausland? Kann man bei einem Notruf etwas falsch machen? Und wie beschreibt man den exakten Unglücksort? Bei letzterem kann das Smartphone helfen, es übermittelt automatisch die Standortdaten – ohne den Datenschutz zu verletzen. Wie das genau geht, weiß Sicherheitsexperte Klaus Heimlich.

Stand: 11.04.2023

Spiegelung eines Krankenwagens in einer Scheibe mit der Aufschrift "112" | Bild: BR / dpa-Bildfunk / Patrick Seeger

Die 112 steht für schnelle und qualifizierte Hilfe von Feuerwehr und Rettungsdiensten – und das nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Der Notruf kann über das Mobiltelefon sogar in vielen Staaten außerhalb Europas verwendet werden. Die Nummer ist sozusagen der einheitliche "direkte Draht", ohne Vorwahl, egal aus welchem Telefonnetz Sie anrufen. Die Anrufe werden automatisch an die örtlich zuständige Leitstelle geleitet. Die Notrufnummer ist bei betriebsbereiter SIM-Karte auch bei einem gesperrten Handy wählbar. Das Gespräch ist immer kostenlos.

Wann die 112 wählen?

Immer, wenn Sie rasche Hilfe brauchen, die Situation nicht einzuschätzen ist, es Zweifel am Gesundheitszustand der Betroffenen gibt oder Lebensgefahr besteht. Neben schweren Unfall- oder Brandverletzungen sind auch akute Erkrankungen oder Vergiftungen lebensbedrohlich und erfordern sofortige Handlung, beispielsweise Atem- oder Herz-Kreislauf-Stillstand, Schock, starke Blutungen und starke Verbrennungen. Abhängig davon, um welche Notsituation es sich handelt, werden die passenden Einsatzkräfte zu Ihnen geschickt.

112 oder 110: Wann welche Nummer?

Mit 110 alarmieren Sie die Polizei. Wählen Sie diese Nummer im Fall eines Verbrechens.
Die 112 wählen Sie bei einem Unfall, einem Brand oder einem medizinischen Notfall, diese Nummer stellt eine Verbindung zu den Rettungsdiensten und der Feuerwehr her.
Falls Sie die Feuerwehr anrufen, obwohl Sie die Polizei erreichen wollen oder umgekehrt, ist das kein Problem. Sie werden immer an die richtige Stelle vermittelt.

Das richtige Verhalten beim Absetzen eines Notrufs

Sie müssen keinen Fragenkatalog oder andere Eckpunkte für das Telefonat im Kopf haben, Sie können nichts falsch machen. Die Mitarbeiter am Telefon sind für Notfälle geschult und fragt Sie alles ab, was sie wissen müssen. Deshalb gibt es nur eine wichtige Regel: Bleiben Sie dran! Dann erhalten Sie gegebenenfalls hilfreiche Anweisungen, was Sie in der Situation selbst tun können. Manche Rettungsleitstellen sind personell so aufgestellt, dass sie den Anrufer während der Notfallsituation telefonisch begleiten und die notwendigen Erste-Hilfe-Maßnahmen erklären können (Telefonreanimation).
In Abhängigkeit vom jeweiligen nationalen System für den Bevölkerungsschutz kommt der Notruf bei der Feuerwehr, dem Rettungsdienst oder der Polizei an. Die Mitarbeiter sprechen beispielsweise in Deutschland häufig auch Englisch oder in Grenznähe die Sprache der Nachbarregion.

Das sind die wichtigsten Informationen, nach denen Sie gefragt werden:

1. Was ist passiert?

Erklären Sie kurz den Notfall: Was ist passiert? Welche Gefahrenlage liegt vor?
Sie sollten informieren, ob es Verletzte gibt, wenn ja, wie viele, und welche Art von Verletzungen Sie oder die anderen Personen haben. Ist die betroffene Person ansprechbar, besteht Lebensgefahr?

2. Wo ist der Notfallort?

Hier ist eine möglichst genaue Lagebeschreibung wichtig. Also Ort, Straße, Hausnummer, Fabrikgebäude, Zufahrtswege, Stockwerk und was sonst noch relevant sein könnte.
Nutzer von Smartphones in Deutschland, die den Notruf 112 wählen, übertragen inzwischen fast flächendeckend automatisch Standortinformationen an die Leitzentralen der Feuerwehr. Damit das funktioniert, müssen die Anwender keine App installieren und keine zusätzliche Funktion auf dem Smartphone aktivieren. Das Smartphone ermittelt die Geo-Position über das GPS-Signal und über empfangene Signale von Funkmasten und WLAN-Hotspots in der Umgebung. Damit gelingt in 80 Prozent der Fälle eine Standortermittlung auf mindestens 30 Meter genau.

Standortübermittlung mit AML

Das Notrufsystem "Advanced Mobile Location" (AML) wird von Google, Apple und allen Telekommunikationsprovidern in Deutschland unterstützt. Mindestvoraussetzung bei den Smartphones sind die Android-Version 4 oder das iPhone-Betriebssystem iOS ab Version 13.3. Bei anderen Betriebssystemen (beispielsweise Blackberry) funktioniert AML noch nicht. Hier kann aber der Leitstellendisponent eine SMS zur Standortbestimmung schicken. Öffnet der Anrufer den mitgesendeten Link, wird der Standort ebenfalls übermittelt.

Auch bei Notrufen aus dem Festnetz, wenn Sie beispielsweise von zuhause aus anrufen, ist es den Leitstellen möglich, die Standortdaten zu ermitteln, denn in diesem Fall haben sie Zugriff auf die Kundenadressen der Provider.

AML und der Datenschutz

Der "Technischen Richtlinie Notrufverbindungen" zufolge ist es die Pflicht der Mobilfunkanbieter, Notrufende zu orten. Diese Funktion lässt sich nicht ausschalten.
Sie müssen nicht befürchten, auf diese Weise überwacht zu werden, denn die Standortdaten werden erst dann aktiviert, wenn ein Notruf abgesetzt wurde. Es wird weder ein Bewegungsprofil aufgezeichnet, noch kann die Leitstelle den Nutzer „anpingen“. Es darf immer nur die örtlich zuständige Leitstelle die Daten ihres Leitstellenbereiches sehen (zum Beispiel kennt die Leitstelle München den Standort der Anrufer in der Leitstelle Nürnberg nicht). Die eingehenden Daten werden den zuständigen Leitstellen nur für 60 Minuten zum Abruf zur Verfügung gestellt und anschließend gelöscht.

3. Warten auf Rückfragen

Falls Sie in der Aufregung eine wichtige Angabe vergessen haben, werden die routinierten Leitstellenmitarbeiter dies abfragen. Deshalb sollten Sie nie als erstes auflegen, sondern warten, bis die Notrufstelle signalisiert, dass sie alle Informationen hat.

4. Wer ruft an?

Für die Einsatzkräfte kann es hilfreich sein, den Anrufer nochmals kontaktieren zu können. Wenn der Einsatzort beispielsweise schwer zu finden ist oder weitere Fragen geklärt werden müssen.

Fazit

Die 112 wird in Deutschland weit über eine Million Mal im Jahr angerufen. Die Kollegen sind auf Notfälle vorbereitet und sprechen auch im europäischen Ausland mehrere Sprachen. Dank der modernen Handy-Technik wird Ihr Standort automatisch übermittelt, ohne Datenschutz-Grundsätze zu verletzen. Rufen Sie die 112 lieber einmal zu viel an als zu wenig. Dabei sollten Sie lediglich eines niemals tun: die Notrufnummer missbrauchen. Unnötige oder Täuschungsanrufe gibt es leider öfter als man vermuten würde. Das bindet Ressourcen, die den tatsächlichen Notfällen vorbehalten sein sollten.


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