BR Fernsehen - Wir in Bayern

Sabine Sauer verabschiedet sich "Intensität und Leichtigkeit"

Die Moderatorin und Journalistin Sabine Sauer geht zum Ende des Jahres 2020 nach 43 Jahren beim BR in den Ruhestand. Sie zählt zu den bekanntesten Gesichtern des BR. Ihr Name ist in der öffentlichen Wahrnehmung untrennbar mit dem Bayerischen Rundfunkt verbunden.

Von: Carsten Gerhard, BR-Pressestelle

Stand: 22.12.2020 | Archiv

Sabine Sauer begrüßt im weihnachtlichen Wohnzimmer ihre Gäste.  | Bild: BR/Martina Bogdahn

Mit ihrer charmanten, verbindlichen Art, die authentisch den Spagat zwischen Ernst und Leichtigkeit schafft, kann sie glaubwürdig unterschiedlichste Formate des BR im Fernsehen und Hörfunk vermitteln - sei es das "Morgentelegramm" auf BAYERN 3 (1985-1992), das Heimatmagazin des BR Fernsehens "Wir in Bayern" oder die Sternstunden-Gala, alljährlicher Höhepunkt der Benefizaktion Sternstunden.

Sabine konnte sich auch über etliche Auszeichnungen freuen: Für ihre Arbeit erhielt sie die "Goldene Kamera" und zweimal den "Telestar", den Vorgänger des Deutschen Fernsehpreises. 2016 wurde ihr der Bayerische Verdienstorden für ihre journalistische Tätigkeit und ihr soziales Engagement verliehen.

Zum Abschied: eine ganz besondere "Wir in Bayern"-Sendung

Am Montag, 28. Dezember widmet ihr das Heimatmagazin "Wir in Bayern" eine Sendung, in der es um ihre Person und ihre lange Fernseh- und Radiokarriere geht.  

Gut 17 Jahre lang moderierte Sabine Sauer das Heimatmagazin "Wir in Bayern" im BR Fernsehen. Zum Abschied nimmt sie am Montag, 28. Dezember 2020 (16.15 Uhr) noch einmal auf dem "WiB"-Sofa Platz - zum ersten Mal in fast zwei Jahrzehnten als Gast in ihrer eigenen Sendung. Sie erzählt aus ihrem Leben und von den schönsten Erlebnissen ihrer Karriere. Dazu gibt es viele private Fotos und Bilder ihrer TV-Karriere und persönliche "WiB-Erinnerungen". "Wir in Bayern"-Köchin Michaela Hager kreiert für Sabine Sauer ein besonderes Essen. Außerdem erhält sie Besuch von einem prominenten Überraschungsgast und Publikumsliebling. Die Sendung wird von Sabine Sauers langjährigem Weggefährten und Moderationskollegen Michael Sporer präsentiert.

Ein Leben für Fernsehen und Hörfunk

Sabine Sauer kam als Nachwuchssprecherin Ende der 70er-Jahre zum BR. Damit finanzierte die Münchner Kunstwissenschaftsstudentin, die in Freiburg im Breisgau geboren ist, ihre Miete. "Eigentlich wollte ich Restauratorin werden", erzählt sie von ihren Anfängen. Doch kaum im Radio zu hören, dauerte es nicht lange, bis sie einen Anruf bekam: "Kann man Sie auch im Fernsehen vorzeigen?". Man konnte.

"Mit Sabine Sauer verlässt uns eine in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Kollegin: Sie ist klug, liebenswert, hat Ausstrahlung und ist eine begnadete Interviewerin: stets perfekt vorbereitet, zugleich mit viel Gespür für die Kunst des Improvisierens, und vor allem immer mit echtem Interesse für ihr Gegenüber. Sie hat das BR-Programm und auch das Bild vom BR in der Öffentlichkeit über viele Jahrzehnte und auf zahlreichen Stationen in Hörfunk und Fernsehen geprägt – nicht zuletzt das von Sternstunden, der Benefizaktion mit dem BR. Das Publikum und die BR-Kolleginnen und -Kollegen werden sie vermissen!"

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks

Bald war Sabine Sauer auch auf dem Bildschirm sehen, zunächst als Programm-Ansagerin. Schnell kamen auch erste Moderationsjobs hinzu, die schließlich dazu führten, dass sie eine der prominentesten BR-Moderatorinnen werden sollte. Dabei führte sie die Karriere in den 1980er- und 1990er-Jahren auch zum ZDF und zum NDR, wo sie verschiedene Shows präsentierte, darunter 1984-1991 im ZDF die "Kino-Hitparade", ab 1986 das "Showfenster" (ZDF) und beim NDR die wöchentliche NDR Talkshow (1994-95) sowie die "Aktuelle Schaubude" in den Jahren 1995-1997.  

"Ob im Hörfunk oder im Fernsehen, in all ihren Sendungen hat Sabine Sauer stets gezeigt, was eine herausragende Moderation ausmacht: höchst professionell zu sein und dabei doch ganz natürlich und menschlich. Ihre Erfahrung wurde nie zu einer Routine, ihre Neugierde und ihr Interesse an den Menschen war immer echt. Auf diese Weise hat Sabine Sauer nicht nur 'Wir in Bayern' geprägt, sondern auch die vielen anderen Hörfunk- und Fernsehsendungen des Bayerischen Rundfunks, ganz besonders auch die 'Sternstunden'. Das Publikum und wir BR-Kolleginnen und -Kollegen werden sie vermissen!"

Dr. Reinhard Scolik, Kulturdirektor

Journalistisches Handwerk beim "Morgentelegramm"

Zum Moderationstalent gesellte sich früh auch journalistische Expertise. Diese erwarb sie, als sie ab 1985 das "Morgentelegramm" im Zeitfunk auf BAYERN 3 moderierte. In dieser mehrstündigen Morgensendung lernte sie, wie sie sagt, das journalistische Handwerk von der Pike auf: professionelle Recherche auch unter Zeitdruck, verständliches Aufbereiten von verlässlichen Informationen, kritische Gesprächsführung und vieles mehr. Besonders in Erinnerung ist ihr geblieben, wie sie mit dem späteren Hörfunkdirektor Martin Wagner, damals ihr "Co-Pilot" im Studio, die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl aufarbeiten musste. "Ich stieß früh morgens im Ticker auf eine kurze Agenturmeldung, dass es in Tschernobyl einen Atomunfall gegeben habe. Es war eine kleine Randnotiz. Niemand wusste damals, wo Tschernobyl lag. Wir mussten erst einmal auf einer großen Weltkarte an der Wand suchen. Das Internet war ja noch in weiter Ferne. Wir waren, glaube ich, eines der ersten Medien, die in Deutschland davon berichteten."

Der Zeitfunk gehörte zur Hauptabteilung Politik und war eine Instanz für journalistisches Arbeiten. "Da waren die besten Korrespondenten und Redakteure versammelt und haben jede meiner dreistündigen Morgensendungen mit 'Argus-Ohren' verfolgt. Danach gab's immer Manöverkritik. Ich glaube, mit meiner dort eingeübten journalistischen Pingeligkeit kann ich viele Kolleginnen und Kollegen auch heute noch ganz schön nerven!", lacht Sabine Sauer. Ihr ehemaliger Kollege Martin Wagner erinnert sich: "Sabine war und ist eine wunderbare Kollegin, mit der die Zusammenarbeit immer angenehm war. Wir haben uns einfach gut verstanden (und tun das bis heute), so dass es bei journalistischen Großereignissen - wie etwa Tschernobyl 1986 - keine langen Diskussionen gab. Wir wussten, was zu tun ist, haben umfassend berichtet und Sabine hat das auf ihre unnachahmliche Art im B-3-Morgentelegramm charmant und kompetent präsentiert."

Klassische Musik auf Wunsch

Seit 1998 war Sabine Sauer auch auf BR-KLASSIK (bis 2009: Bayern 4 Klassik) in der sonntäglichen "Wunsch:Musik" zu hören. In 22 Jahren prägte sie die Sendung und wurde zu einer wichtigen Säule des Programms. Die Liebe zur Sache und die Zugewandtheit zum Gegenüber waren auch hier wesentliche Erfolgsfaktoren. Redaktionsleiter Bernhard Neuhoff: "In der Wunsch:Musik auf BR-KLASSIK geht es ja darum, sich Menschen zuzuwenden. Sabine tut das mit bewundernswerter Natürlichkeit. Ihre große Kunst: Sie kann Nähe zu einzelnen Hörerinnen und Hörern herstellen und dabei immer zugleich alle anderen mit einbeziehen. Ein Balanceakt, der ihr hörbar Freude machte – ansteckende Freude." Weiter sagt er: "Unvergesslich sind mir die Livesendungen mit der Pianistin Galina Vracheva, die spontan am Flügel über die Lieblingsmelodien der anrufenden Hörerinnen und Hörer improvisierte. Daraus entstanden unglaublich emotionale Momente. Sabine gab ihnen Raum und fing sie zugleich souverän auf. Das waren Radio-Sternstunden, die Intensität und Leichtigkeit aufs Schönste miteinander verbunden haben." Die Faszination für die klassische Musik hatte Sabine Sauer von zuhause mitbekommen: "Mein Vater konnte recht gut Geige spielen und war ein großer Musikliebhaber und -kenner. Er hat uns viel über klassische Musik erzählt. Ich habe selbst ganz klassisch Geige gelernt. Auf das, was ich damals mit auf den Weg bekommen habe, kann ich heute noch zurückgreifen."

"Alpha - Sichtweisen für das dritte Jahrtausend"

"Alpha - Sichtweisen für das dritte Jahrtausend" (Produktionszeitraum 1996-2002) war die erste Sendung im BR Fernsehen mit monothematischem Zuschnitt. Erfolg, Zeit, Liebe und sogar Tod - Alpha behandelte in Beiträgen und in Gesprächen mit der Bestsellerautorin Vera F. Birkenbihl große Themen der menschlichen Existenz. Helge Rösinger, damals Redakteurin von "Alpha" und bis 2020 Redaktionsleiterin Talk, Kabarett, Event im Programmbereich Unterhaltung und Heimat, erinnert sich: "Sabine Sauer konnte sich ausgesprochen gut in unsere Expertin hineinfühlen, von der die Sendung lebte. Sie ließ sie glänzen. Das ist eine große Fähigkeit. Dass wir bei 'Alpha' gemeinsam in die Tiefe gegangen sind, hat uns zusammengeschweißt. Sabine Sauer vermag es, schwierige Themen gleichzeitig emotional und journalistisch richtig an die Leute zu bringen, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Sie ist eine Allrounderin, die in verschiedenste Themen eintauchen kann. Ich bin mir sicher, die Zuschauer werden sie vermissen."

"Unter vier Augen"

Von 2001 bis 2016 präsentierte Sabine Sauer am Samstag das Talkformat "Unter vier Augen" im BR Fernsehen. Sie talkte charmant, gut gelaunt und immer voller Wertschätzung für ihre Gäste mit Prominenten aus Bayern und der Welt. Ein wahres Who is Who gab sich bei "Unter vier Augen" die Klinke in die Hand, von Schauspielerin Uschi Glas über Roger Willemsen bis Skorpions-Sänger Klaus Meine, mit dem Sabine Sauer in der Sendung launig "Wind of Change" pfiff. "Es gibt nichts Spannenderes als Menschen", erklärt Sabine Sauer ihre Faszination für das Format.

Was macht eine gute Talkshow-Moderatorin aus? Der damalige Unterhaltungschef Thomas Jansing zählt auf: "Aufrichtiges Interesse am Gegenüber, die Bescheidenheit, sich selbst zurücknehmen zu können, eine umfassende Allgemeinbildung, die erforderliche Intelligenz, um situativ und spontan reagieren zu können, soziale Kompetenz und Sensibilität, die akribische Vorbereitung auf den Gesprächspartner und gutes Timing. Über diese Eigenschaften verfügt Sabine Sauer wie kaum eine andere. Dass Sie zudem blendend aussieht, nicht älter zu werden scheint und über Charme und Charisma verfügt, ist insbesondere für das visuelle Medium Fernsehen nicht von Nachteil. Es waren ihre besonders einfühlsamen Gespräche in der Sternstunden-Gala und ihre langjährige Erfahrung in anderen Sendeformaten, die sie als Gastgeberin der Sendereihe 'Unter vier Augen' prädestinierten."

"Sabine Sauer war schon lange ein Star, bevor sie zu 'Wir in Bayern' kam, das damals noch am Samstagnachmittag ausgestrahlt wurde. Seither hat sie das Format, das wenig später zu einem werktäglichen Heimatmagazin erweitert wurde, geprägt und entscheidend zum großen Erfolg dieser Sendung beigetragen. Und auch unsere Sternstunden wurden zu wahren Sternstunden im BR Fernsehen, nicht zuletzt auf Grund ihrer Moderation und ihrer unglaublich herzlichen und einfühlsamen Art. Sabine Sauer ist ein Publikumsliebling im besten Sinne, und diese ganz besondere Bindung zwischen ihr und den Zuschauerinnen und Zuschauern wird weiter Bestand haben."

Annette Siebenbürger-Holtz, Programmbereichsleiterin Unterhaltung und Heimat

Sternstunden-Gala

Mit Thomas Jansing war Sabine Sauer durch Sternstunden verbunden. Seit 1997 moderierte sie die Sternstunden-Spendensendung im BR Fernsehen (seit 1999 "Sternstunden-Gala"), die alljährlich am zweiten Dezemberfreitag den Höhepunkt des Sternstundentags darstellt. Die Benefizaktion sammelte seit 1993 fast 300 Millionen Euro für Kinder in Not ein. Erst in diesem Jahr erreichte das Spendenniveau am Sternstundentag ein Rekordergebnis von 11,91 Millionen. Thomas Jansing hatte Sternstunden 1993 ins Leben gerufen und ist heute Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins. Er ist sich sicher: "Mit Sabine Sauer verliert der Bayerische Rundfunk eine der programmprägendsten Moderatorinnen, sie gehört ohne Zweifel zu denjenigen, die mit dem Sender identifiziert werden. Als Patin und Botschafterin hat sie maßgeblich Sternstunden repräsentiert und profiliert, und so war für mich die Zusammenarbeit mit ihr stets Freude und Gewinn. Ihre erfolgreiche Moderation der Sternstunden-Gala seit nunmehr 23 Jahren hat wesentlich zum hohen Spendenaufkommen am Sternstunden-Tag beigetragen. Dafür ist ihr vor allem im Namen der Kinder, die wir unterstützen, herzlich zu danken."

Von allen Formaten, die Sabine Sauer für den BR präsentiert, liegt ihr Sternstunden ganz besonders am Herzen: "Die Sternstunden-Aktion ist mir ein persönliches Anliegen, weit über den Beruf hinaus. Das kann ich heute schon sagen: Auch in Zukunft werde ich mit Hingabe und Engagement diese wichtige Hilfsaktion für Kinder in Not unterstützen."

Wir in Bayern

Gut 17 Jahre lang (2003-2020) war Sabine Sauer auch die Begleiterin der Bayerinnen und Bayern durch den Nachmittag. Weit über tausend Mal lud sie ins "Wohnzimmer" des Heimatmagazins "Wir in Bayern" ein, sorgte für Kurzweil am Nachmittag, besprach mit unterschiedlichsten Experten Servicetipps für den Alltag und talkte mit interessanten Gästen auf der "Wir in Bayern"-Couch. Der Redaktionsleiter Wolfgang Preuss sagt: "Sabine Sauer und 'Wir in Bayern', das gehört einfach zusammen, seit über 20 Jahren schon. In all den Jahren hat sie unzählige Situationen, die man nicht proben kann und die in einer 75-minütigen Live-Sendung wie der unseren zum Alltag gehören, bravourös und stets 'ladylike' gemeistert. Unvergessen der Moment, als unser sonst so braver Studiohund Henry urplötzlich einen Papageien attackierte, den ein Gast mitgebracht hatte: Blitzschnell ging Sabine dazwischen, hielt Henry zurück, rettete dem Papagei zumindest sein Federkleid, wenn nicht gar das Leben - und moderierte entspannt weiter, als wäre nichts geschehen. Sabine hat 'Wir in Bayern' mit Charme und Eleganz, mit ihrem unerschöpflichen Wissen und nie versiegendem Interesse an unserer Heimat geprägt und entscheidend dazu beigetragen, unsere Sendung so überaus erfolgreich zu machen. Und auch wenn sie nun nicht mehr bei uns vor der Kamera stehen wird - Sabine Sauer wird immer ein hochgeschätztes Mitglied der 'Wir in Bayern'-Familie bleiben."

Sabine Sauer | Bild: privat zum Artikel Interview mit Sabine Sauer Ein Star sagt Servus!

43 Jahre war sie beim Bayerischen Rundfunk, viele davon beim Heimatmagazin "Wir in Bayern", wo am 28. Dezember ihre Abschiedssendung stattfindet. Die "Wir in Bayern"-Redaktion hat zu diesem Anlass ein Gespräch mit Sabine geführt. [mehr]

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